Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

FLUGGERÄTE: Airbus im Clinch mit Boeing

An der Luftfahrtmesse in Le Bourget nahe Paris liegt ein Augenmerk auf Lufttaxis für Stadtzentren und auf Drohnen für Transporte. Bei den zivilen Grossflugzeugen läuft das Geschäft rund, auch wenn die Bestellungen vorübergehend zurückgehen.
Stefan Brändle, Le Bourget
Ein Flugkapitän in Le Bourget während einer 3D-Präsentation einer Boeing-Maschine. (Bild: Francois Mori/AP)

Ein Flugkapitän in Le Bourget während einer 3D-Präsentation einer Boeing-Maschine. (Bild: Francois Mori/AP)

Stefan Brändle, Le Bourget

Ohrenbetäubende Düsenjets, gereckte Zuschauerhälse – und hinter den Kulissen diskrete Verhandlungen im Schutz sonnenbebrillter Türsteher: Der alle zwei Jahre stattfindende Aérosalon von Le Bourget hat gestern seine Tore geöffnet. Das Ritual bleibt sich gleich: Zum krönenden Abschluss besagter Verhandlungen treten dann die Chefs der Airlines vor die Presse und verkünden Millionen- und Milliardenaufträge für die Flugzeughersteller.

Für einmal wird das weltgrösste Treffen der Luftfahrtbranche keinen Bestellrekord einspielen. Vor zwei Jahren hatten Airbus und Boeing Aufträge für zusammen fast 100 Mrd. € eingefahren. Jetzt sind die Fluggesellschaften etwas knausriger. Der wichtigste Grund ist nicht sehr ökologisch: Wegen der tiefen Ölpreise haben Airlines weniger finanzielle Anreize, die älteren, durstigeren Flugzeuge ih­rer Flotte abzustossen und durch Neumaschinen mit tieferem Kerosinverbrauch zu ersetzen.

Die Bestellflaute dürfte aber nur vorübergehend sein. Laut einer neuen Branchenstudie wird sich der zivile Flugverkehr in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Das erfordert 35000 neue Maschinen.

Elemente psychologischer Kriegsführung

Bei Airbus sind die Auftragsbücher ausserdem mit weit über 6700 Maschinen gefüllt, Boeing kommt auf 5700. Neue Konkurrenten wie die chinesische Comac oder die russische Irkut – beide sind dieses Jahr mit ihren brandneuen Mittelstreckenflugzeugen zu Pionierflügen gestartet – drängen zwar in den Markt; sie werden aber noch mindestens ein, wahrscheinlich eher zwei Jahrzehnte lang hinter den beiden Platzhirschen zurückbleiben.

Die Stammfehde von Airbus und Boeing geht auch in Le Bourget weiter, und wie üblich mit Elementen psychologischer Kriegsführung. Die Amerikaner präsentierten gestern eine verlängerte Version der B737 und bemühten sich um erste Aufträge indischer und chinesischer Leasingfirmen. «Boeing ist so stark und wettbewerbsfähig wie nie zuvor», sagte Boeing-Präsident Dennis Muilenburg im Interview mit «La Tribune». Die Weiterentwicklung B737 Max-10 ist für 220 Passagiere geplant und eine direkte Antwort auf den Airbus A321neo, der sich mit 236 Sitzplätzen als Verkaufsrenner erwiesen hat. Der joviale Airbus-Verkaufschef John Leahy tut die Max-10 nur als «Mad Max» ab.

Boeing hat aber einen weiteren Pfeil aus dem Köcher gezogen – die B797. Diese Maschine soll ab 2024 bis zu 250 Passagiere 8300 Kilometer weit befördern können. Damit wäre sie sowohl auf Kurzstrecken als auch auf der Atlantikroute einsetzbar und würde den A321neo herausfordern. Die Entwicklungskosten werden auf hohe 10 Mrd. $ veranschlagt. Airbus-Vertreter bekräftigten in Le Bourget die Idee, der B797 zuvorzukommen und zuvor eine Langversion des A321 auf den Markt zu werfen. Auch beim doppelstöckigen A380, der sich seit gut einem Jahr zum Ladenhüter mausert, gibt Airbus nicht so schnell auf: In Le Bourget werben die Europäer für eine modifizierte Version, die 13% Betriebskosten einsparen soll.

Fluggeräte der Zukunft

Le Bourget 2017 zeigt auch auf, wie schnell die Elektrotechnologie die Luftfahrt erobern wird. Dazu gehören Flugtaxis, die wie Drohnen funktionieren und den überlasteten Cityverkehr revolutionieren könnten. Airbus ar­beitet an einem modulablen Projekt namens pop.up, bei dem sich ein fahrendes Elektrotaxi in eine fliegende Drohne verwandeln lässt. Die chinesische Firma Ehang entwickelt ihrerseits ein Modell «184» für Passagiere mit weniger als 100 Kilo Gewicht (einschliesslich Handgepäck); vier Propeller erlauben einen Radius von 40 Kilometer, ideal zum Beispiel für den Weg vom Flughafen auf das Dach eines Büroturmes in der City. Gesteuert wird das Ding aus der Ferne, sodass sich der Passagier wie in einem – allerdings sehr engen – Taxi wähnen darf.

Airbus will in zehn Jahren elektrisch betriebene Helikopter anbieten. Schluss ist dagegen mit dem gross angekündigten Pilotprojekt E-Fan, einem vollelektrischen Zweiplatz-Flugzeug. Airbus setzt lieber auf Hybridtechnik aus Sprit und Batterien. Letztere sollen langfristig auch Grossraumflugzeuge bis zu 100 Passagiere antreiben. Abgesehen davon entwickelt die neue Airbus-Tochter Aerial Drohnen für den Transport von Objekten in schwer zugänglichen Orten wie zum Beispiel Erdbebenzonen. Auch die rasche Datensammlung würde erleichtert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.