FLOTTENERNEUERUNG: Stadler Rail kann auf BLS-Folgeauftrag hoffen

Die BLS mit ihrem Kerngeschäft S-Bahn Bern kauft beim Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer 58 Triebzüge. Eine Option kann in bis zu 82 weitere Züge münden.

Thomas Griesser Kym
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Modellbild der neuen BLS-Züge von Stadler Rail. Für das Interieur wurde auch die Fahrgastlobby Pro Bahn einbezogen. (Bild: PD)

Modellbild der neuen BLS-Züge von Stadler Rail. Für das Interieur wurde auch die Fahrgastlobby Pro Bahn einbezogen. (Bild: PD)

Thomas Griesser Kym

«Wir freuen uns sehr», sagt Marina Winder. Das ist auch schon alles. Mehr kann und darf die Sprecherin des Ostschweizer Schienenfahrzeugbauers Stadler Rail noch nicht zum Auftrag der BLS über 650,4 Mio. Fr. sagen. Derzeit liegt die Informations­hoheit bei der Bahngesellschaft. Ausserdem will Stadler Rail die 20-tägige Beschwerdefrist abwarten. Während dieser kann der unterlegene Konkurrent Bombardier beim Bundesverwaltungsgericht St. Gallen Rekurs einlegen gegen den Vergabeentscheid. Ob Bombardier das tut, ist offen. Das Unternehmen war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Läuft für Stadler Rail aber alles glatt, so dürften nach den Sommerferien die Unterschriften unter den Vertrag gesetzt werden.

Für die gut 650 Mio. Fr. beschafft die BLS bei Stadler Rail 58 neue Triebzüge. Es handelt sich um sechsteilige, einstöckige Fahrzeuge des Typs Flirt der neusten Generationen. Die jeweils 105 Meter langen Züge ersetzen ab 2021 bis 2026 schrittweise 43 ältere Fahrzeuge. 30 der neuen Züge will die BLS im Regio-Express-Verkehr einsetzen, zum Beispiel auf der Linie La Chaux-de-Fonds–Bern–Spiez–Domodossola/Zweisimmen. 28 Züge werden auf verschiedenen Linien der S-Bahn Bern dienen sowie auf deren zweiten Teil­ergänzung, mit der das Angebot ausgebaut wird.

Die Auftragsvergabe ist gestern auch auf der Onlineplattform des öffentlichen Beschaffungswesens (Simap) publiziert worden. Diesem Eintrag ist zu entnehmen, dass der BLS-Auftrag für Stadler Rail auch eine Option auf 82 weitere Fahrzeuge enthält. Dabei handelt es sich um jeweils 30 Züge für den Regio-Express- und für den S-Bahn-Verkehr, wie sie die BLS nun bestellt haben, sowie um 22 kürzere, 75 Meter lange S-Bahn-Züge.

Stadlers Werk Bussnang dürfte zum Zug kommen

BLS-Chef Bernard Guillelmon sagt, man habe von Stadler Rail und Bombardier «zwei hochstehende Wettbewerbsofferten auf dem Tisch» gehabt. Die Prüfung aller Kriterien habe ergeben, dass Stadler Rail das «wirtschaftlich günstigste Angebot» eingereicht habe. Es erfülle punkto Preis, Qualität, Komfort für die Fahrgäste, Betriebskosten und Anforderungen an die Technik die Kriterien am besten. Mit 650 Mio. Fr. lägen die Beschaffungskosten «deutlich» unter den ursprüng­lichen Schätzungen. Ende 2014 hatte die BLS angekündigt, im Rahmen ihrer bisher grössten Beschaffung neue Züge für 1 Mrd. Fr. kaufen zu wollen.

Wie viel Stadler am BLS-Auftrag verdient und wo das Rollmaterial gefertigt wird, darüber sagt Winder ebenfalls nichts. In der Regel stellt Stadler aber Züge für den Schweizer Markt in den Schweizer Werken her. Und da der Standort Altenrhein Stadlers Kompetenzzentrum für Doppelstöcker ist, dürfte vor allem das Werk am Hauptsitz in Bussnang Arbeit bekommen und zudem der Standort Winterthur als Kompetenzzentrum für Drehgestelle.