Fliegen ist dank strengeren Vorschriften sicherer denn je

2012 gab es noch keinen gravierenden Flugunfall. Das ist auch den grossen Anstrengungen des internationalen Luftverkehrverbandes zu verdanken. Noch nicht gelöst sind die Probleme mit der Flugsicherheit in Afrika.

Stefan Schuppli
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Gerangel am Flughimmel – ob diese Maschinen alle Platz haben werden?

Gerangel am Flughimmel – ob diese Maschinen alle Platz haben werden?

Keystone

Die Flugunfallzahlen sind in diesem Jahr auf ein Rekordtief gefallen. Das zeigt die Statistik von Iata, dem internationalen Verband der Fluggesellschaften, die gestern in Genf veröffentlicht wurde. Weltweit ist die Unfallziffer in den ersten 11 Monaten des Jahres von 2,58 auf 2,14 Unfälle pro Million Flüge im selben Zeitraum gefallen. Die Zahl der Toten ging von 490 auf 401 zurück.

Nimmt man nur die im Westen gebauten Jets, sank die Zahl von 0,43 auf 0,19 Unfälle. Die dem Verband angeschlossenen 243 Firmen registrierten überhaupt keinen gravierenden Jet-Unfall. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es sechs Unfälle. «Gravierend» bedeutet, dass ein Flugzeug irreparablen Schaden erlitten hat. Diese Zahl zeigt, dass ein einziger Unfall genügt, damit sich die Statistik markant verschlechtert.

Iata-Sicherheitsexperte Günther Matschnigg führt die Fortschritte bei der Flugsicherheit auf die langjährigen Anstrengungen der ganzen Branche zurück, inklusive Flugzeugbauer und Behörden. Jetzt gelte es, nicht nur Flugunfälle zu analysieren, sondern Schwachstellen im Flugbetrieb zu erkennen und zu beseitigen, sagt Matschnigg. Ein Instrument sei das Analysieren von Flugdaten. So könne etwa erkannt werden, was die häufigsten Ursachen seien, wenn ein Flugzeug von der Piste abkomme.

Die erfreulichen Fortschritte bei der Flugsicherheit haben einen Haken: Weitere Fortschritte sind sehr aufwendig, die Schritte werden kleiner. Doch beim Luftverkehrsverband International Air Transport Association (Iata) will man den eingeschlagenen Pfad weitergehen. «Wir dürfen nicht nachlassen. Denn jeder tödliche Flugunfall ist eine Tragödie», sagte Günther Matschnigg, Iata-Verantwortlicher für das Thema Sicherheit, an einer Medienveranstaltung in Genf. Es gehe jetzt darum, vorausschauend Gefahren zu lokalisieren, und zwar bevor sie Schaden anrichten. Eine wichtige Voraussetzung habe der Verband mit einer intensiven Datenaustausch-Plattform geschaffen. «Hier haben wir noch ein weites Feld vor uns», so Matschnigg.

Sicherere Flugzeuge

Matschnigg sagt im Gespräch mit der «Nordwestschweiz» aber auch, dass man keine voreiligen Schlüsse für das ganze Jahr 2012 ziehen dürfe. «Das Jahr ist noch nicht gelaufen.» Dennoch: Wie war die Sicherheitsverbesserung möglich? Matschnigg: «Die Technologie spielt eine zentrale Rolle. Die Flugzeuge sind klar sicherer geworden.» Sehr wichtig sind die Lernprozesse, die die Branche in den vergangenen zehn Jahren gemacht habe. «Die Fluggesellschaften sitzen, obwohl sie Konkurrenten sind, am selben Tisch, zusammen mit den ebenfalls miteinander in Konkurrenz stehenden Flugzeugherstellern und mit den Behörden.» Verbessert und griffiger geworden seien ausserdem der Gesetzesrahmen und die Regulatorien. Matschnigg ist auch überzeugt, dass die strenge Sicherheitszertifizierung «Iosa» der Iata den Fluggesellschaften neuen Schub verliehen hat.

Noch nicht gelöst sind die Probleme mit der Flugsicherheit in Afrika. Dort verschlechterte sich die Unfallzahl von 8,08 auf 12,69 und ist sechsmal so hoch wie die entsprechende weltweite Zahl. Das ist vor allem einem Land geschuldet: Kongo. Für die Iata herrschte Handlungsbedarf, weil in Afrika verschiedentlich viel tiefere Standards üblich seien, so Matschnigg. Es sei aber gelungen, an einer Sitzung der Afrikanischen Union allen Ländern des Kontinents eine schriftliche Verpflichtung abzuringen, sich einem Sicherheitsprogramm zu unterwerfen. Ganz bewusst nehme die Iata auch mit denjenigen Ländern Kontakt auf, die Fluggesellschaften domizilieren, die auf der «schwarzen Liste» stehen. Die Iata könne dabei Behörden bei der Umsetzung der Sicherheitsstrategie unterstützen - ein Angebot, das meist dankbar angenommen werde. Übrigens: Die häufigsten Zwischenfälle ereignen sich in der Luftfahrt am Boden.