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FIRMENGRÜNDUNGEN: «Puzzleteile liegen offen herum»

Alex Fries unterstützt Schweizer Start-ups, im US-Markt Fuss zu fassen. Der Bündner Investor erklärt, was Europa trotz guter eigener Produkte vom Silicon Valley lernen kann.
Patrick Stahl
Das Silicon Valley hat den Appetit auf weltweiten Erfolg nie verloren. (Bild: Getty (Kalifornien, 1. Juli 2016))

Das Silicon Valley hat den Appetit auf weltweiten Erfolg nie verloren. (Bild: Getty (Kalifornien, 1. Juli 2016))

Interview: Patrick Stahl

Alex Fries, Sie beschäftigen sich seit Ihrem Studium mit Innovationen und haben schon früh selbst ein Start-up gegründet. Worum ging es da?

Ich habe im Jahr 2001 das Start-up SVOX AG mitgegründet. Es war ein Spin-off der ETH Zürich im Bereich der Sprachsynthese. Wir haben Navigationssysteme in Fahrzeugen sowie Handys mit unserer Softwarelösung ausgestattet. Das Geschäft entwickelte sich hervorragend, sodass wir das Start-up 2011 für über 100 Mil­lionen Dollar an die US-Firma ­Nuance Communications verkaufen konnten.

Sie sind in den USA sesshaft geworden. Welche Erfahrungen haben Sie in den USA gesammelt?

Ich habe viele positive und negative Erfahrungen gesammelt. Auf der positiven Seite habe ich gelernt, wie man ein Start-up wirklich zum Erfolg bringt. Dazu zählt vor allem «The Power of Making Noise». Es ist enorm wichtig, dass man sich gut verkauft und ein intensives Marketing betreibt, um genügend Aufmerksamkeit zu erhalten. Ausserdem habe ich die Kultur des Scheiterns kennengelernt. In den USA ist es keine Schande, wenn man mit einer Idee scheitert, solange man sich wieder aufrappelt. Auf der negativen Seite muss ich sicher die Kommunikationskultur erwähnen. In den USA dreht sich die Welt noch stärker als anderswo ums Geld. Man muss aufpassen, dass man nicht betrogen wird.

Trotzdem haben Sie 2006 einen Fonds aufgelegt, um in Start-ups zu investieren. Wie kam es dazu?

Zu dieser Zeit hatte ich neben SVOX zwei weitere Start-ups im Technologiebereich mitgegründet. Ich kam zum Schluss, dass es Zeit war, andere europäische Unternehmer beim Markteintritt in den USA zu unterstützen. Ich wollte aber nicht bloss Beratungsleistungen anbieten, sondern etwas, was für Start-ups noch viel wichtiger ist: Kapital. Ich gründete die Beteiligungsgesellschaft Ecosystem Ventures und tätigte 43 Investments zwischen 2006 bis 2015. Ich hatte bei der Auswahl der Start-ups einen guten Riecher und sehr viel Glück.

Angesichts der zahlreichen Investments werden Sie bald einen weiteren Fonds auflegen müssen.

Das stimmt. Anfang 2018 wird der Polytech Ecosystem Ventures II aufgelegt. Der Fonds wird rund 100 Millionen Franken hauptsächlich in Schweizer und ausgewählte europäische Start-ups investieren. Hauptstossrichtung der geplanten 50 bis 60 Investments ist die Technologie rund ums autonome Fahren. Aber auch andere Trendthemen wie Fintech, Gesundheitswesen, künstliche Intelligenz, Retail Tech oder das Internet der Dinge haben wir auf dem Radar.

Ihre Heimat liegt Ihnen sehr am Herzen. Welche Unterschiede stellen Sie zwischen US- und europäischen Startups fest?

Europäische Gründer gehen viel zögerlicher vor. Während US-Start-ups die Welt erobern wollen und dafür relativ schnell viel Kapital brauchen, machen europäische Start-ups einen Schritt nach dem anderen. Dies hat zur Folge, dass sie langsamer wachsen und die ersten Ergebnisse wesentlich später vorliegen. Die Unterschiede liegen aber weniger in der Performance als in der Mentalität.

Die grossen Technologie-Giganten wie Facebook, Google & Co. stammen fast ausschliesslich aus dem Silicon Valley. Was machen die USA besser als andere Länder?

Die Amerikaner sind fest davon überzeugt, dass Innovation und Start-ups die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft sind. Um ehrlich zu sein: Es gibt in Europa bessere Produkte, Ingenieure und Erfindungen als in den USA. Die Europäer vergessen aber oft, ihre Ideen zu kommerzialisieren. Die Amerikaner lieben die Idee von der Eroberung des Weltmarktes und haben noch genügend Hunger auf Erfolg.

Was können die Schweiz und Liechtenstein vom Silicon Valley lernen, um die Nase in Zukunft vorne zu haben?

Die Schweiz, aber auch Liechtenstein haben alle Voraussetzungen, um ein Mini-Silicon-Valley zu werden. Es ist wie bei einem Puzzle: Die Stücke liegen offen herum, aber sie müssen sorgsam zusammengesetzt werden. Wir haben top Ausbildungsmöglichkeiten in der Berufsbildung und an den Universitäten. Das fehlende Puzzleteil ist das Risikokapital für Start-ups. Es braucht in der Schweiz und in Liechtenstein mehr Fonds und Mentoren, die selbst ein Start-up mitgegründet haben, um anderen Start-ups zu helfen.

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