Firmenboom in der Ostschweiz: Die Teilzeitgründer kommen

Noch nie war es leichter, das Hobby zum Geschäft zu machen. Auch deshalb wurde 2019 zu einem Rekordjahr für Firmengründungen. Gerade in der Ostschweiz boomen sie.

Kaspar Enz
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In der Ostschweiz sind es vor allem Handwerker, die neue Firmen gründen.

In der Ostschweiz sind es vor allem Handwerker, die neue Firmen gründen.

Bild: Getty

2019 ist ein Rekordjahr für Firmengründungen, wie das IFJ Institut für Jungunternehmen meldet. 44482 Firmen wurden neu ins Handelsregister eingetragen, rund 1300 mehr als 2018.

Ostschweizer Gründer trugen viel zu diesem Wachstum bei. In keiner Region der Schweiz nahmen die Neugründungen mehr zu. 2297 waren es im Kanton St.Gallen, 220 mehr als im Vorjahr. Im Thurgau nahm die Zahl der Gründungen um knapp 100 auf 1201 zu. Auch in Innerrhoden stiegen die Gründungen, lediglich in Ausserrhoden nahmen sie ab. Mit Glarus, Graubünden und Schafffhausen gab es in der Ostschweiz 5395 Gründungen.

Der Boom in der Region kommt für Simon May, Geschäftsführer des IFJ, nicht von ungefähr. Die Kantone täten immer mehr, um Gründer zu unterstützen. Dazu gehöre auch die Zusammenarbeit mit dem IFJ, das Unternehmer bei der Gründung begleitet. 2019 tätigte das IFJ so schweizweit 2000 Gründungen. Auch Anlässe wie die Startup Foren an Olma und Rhema tragen dazu bei. «Die Unterstützung schlägt nicht sofort ein, aber sie zahlt sich heute aus.»

IT und High Tech wächst auch in der Ostschweiz

Eine gute Nachricht für die Ostschweizer Wirtschaftsförderer seien auch die Neugründungen im Informatik- und High-Tech-Sektor, sagt May. So wurden in der Region 17 High-Tech-Firmen neu gegründet, 15 mehr als 2018. Und mit 56 Prozent wuchsen die Eintragungen im IT- und ICT-Branchen mehr als doppelt so schnell wie im schweizerischen Durchschnitt, wie eine Analyse des IFJ für unsere Zeitung zeigt.

Trotzdem machen in der Ostschweiz traditionelle Branchen wie Handwerk, Gastronomie oder Detailhandel einen grösseren Teil der Gründungen aus als im Durchschnitt.

Das Hobby zum Teilzeit-Job machen

Was den Gründungsboom ebenfalls befeuere sei das Aufkommen der «Teilzeitgründer». «Sie reduzieren den Job und widmen sich daneben ihren Herzensprojekten.» Das sei heute einfacher denn je. «Mit den Möglichkeiten des Online-Handels und der Verbreitung von Coworking-Spaces braucht es nur einen Laptop und einen guten Internetauftritt, um ins Geschäft zu kommen», sagt May. Zudem seien viele Arbeitgeber Teilzeitarbeit gegenüber offener als früher.

Bei den Neugründungen handle es sich meist um Kleinunternehmer, die eine Selbstständigkeit anstreben, und seltener um Ableger von Grossfirmen. Das zeige auch die Wahl der Rechtsformen: GmbH und Einzelfirma werden beliebter.

Steuerfragen nicht mehr so wichtig

Diese Unternehmer gründeten meist in ihrer Region und suchen nicht nach möglichst günstigen Standorten. «Die Frage nach den Steuern kommt in den Beratungen seltener auf, als vor fünf Jahren», sagt May. Gerade für Kleinunternehmen fielen die Steuerunterschiede zwischen den Kantonen wenig ins Gewicht. Die Folge spürt gerade die Innerschweiz, wo viele Kantone mit tiefen Steuern locken. Dort sank die Zahl der Gründungen im letzten Jahr um zwei Prozent.

Der Gründungsboom in der Ostschweiz sei ein gutes Zeichen für die Region, sagt May. Zwar seien die meisten Neugründungen klein. «Doch knapp 10 Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz arbeiten bei Unternehmen, die weniger als 10 Jahre alt sind.» Ausserdem brauche es den Nachwuchs der Neugründungen. «Denn täglich hören auch viele Firmen auf.»