FIRMEN: Milderes Klima für Geschäfte

Mittelständische Schweizer Betriebe zeigen sich wieder zuversichtlicher – trotz Frankenstärke und geopolitischer Unwägbarkeiten. Akzentuiert hat sich der Fachkräftemangel.

Thomas Griesser Kym
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Das Geschäftsklima hellt auf. Ein Schweisser der Amman Group in einer Trocknungstrommel zur Asphaltherstellung. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Das Geschäftsklima hellt auf. Ein Schweisser der Amman Group in einer Trocknungstrommel zur Asphaltherstellung. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Thomas Griesser Kym

Die dampfende deutsche Konjunktur ist für die Schweizer Wirtschaft Segen und Fluch zugleich. Ein Segen, weil von der rund laufenden Wirtschaft unseres wichtigsten Handelspartners zahlreiche Schweizer Exporteure als Zulieferer profitieren. Ein Fluch, weil die Entwicklung den Fachkräftemangel verschärft. «Der deutsche Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet», sagt Heinrich Christen, Managing Partner Regions der Beratungsfirma EY Schweiz und als solcher oberster Verantwortlicher für die Beratung der über 5000 mittelständischen Kunden des Unternehmens. «Es ist gar nicht so einfach, deutsche Fachkräfte in die Schweiz zu locken», sagt Christen. Viele blieben lieber in Deutschland und nähmen dort einen Job an, zu-mal die Lebenshaltungskosten tiefer sind. Mittlerweile fällt es in der Schweiz 61% der Unternehmen «sehr schwer» oder «eher schwer», geeignete Fachkräfte zu finden, wie die jüngste EY-Umfrage bei 700 Firmen ergeben hat. Keinerlei Probleme bekunden lediglich 12%. «Damit hat sich die Lage erneut verschärft.»

In der Ostschweiz selber sehen 62% die Rekrutierung als Problem, und dies, obwohl unsere Region stark von Grenzgängern profitiert. Im Zusammenhang mit ausländischen Fachkräften fällt als Stichwort auch die Umsetzung der Zuwanderungs-Initiative. Christen sagt aus seiner Erfahrung mit Firmenkunden, diese fürchteten «eine weitere Bürokratisierung des Schweizer Arbeitsmarktes». Die Initiative solle umgesetzt werden, «aber möglichst einfach». Um den Fachkräftemangel zu entschärfen und angesichts der Digitalisierung plädiert Christen für eine weitere Stärkung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Die IT-Bildungsoffensive, wie sie 2015 die IHK St. Gallen-Appenzell angestossen hat, geht für Christen in die richtige Richtung.

Alles in allem zeigen sich die Schweizer Unternehmen aber in guter Verfassung und wieder zuversichtlicher. 87% der Firmen beurteilen ihre Geschäftslage po­sitiv, und mit einer weiteren Verbesserung in den kommenden sechs Monaten rechnen 35% der Betriebe gegenüber 6%, die von einer Verschlechterung ausgehen. Insgesamt hat sich das Geschäftsklima als Mittelwert der Salden der Geschäftslage und der Erwartungen erstmals seit drei Jahren wieder aufgehellt (siehe Grafik), und die Konjunktur generell soll im Urteil der Befragten eher anziehen.

Furcht vor weiterer Frankenaufwertung

Gleichwohl bleiben die Unternehmen bezüglich Konjunkturentwicklung besorgt. Die Lage wird wegen geopolitischer Ungewissheiten als fragil eingestuft. Ebenso gefordert sehen sich die Firmen wegen des kostspieligen Umgangs mit Internetsicherheit, Stichwort Cybercrime. Am meisten Sorge bereitet hingegen die Währung. Christen weiss von vielen exportierenden Firmenkunden, dass ihre Marge gelitten hat. «Mit dem Frankenschock können viele umgehen, denn die meisten haben schnell reagiert und sich sehr gut angepasst.» Aber: «Eine weitere Aufwertung wäre problematisch.

Konkret hätten Firmen die eigene Produktion und Wertschöpfungskette hinterfragt und oft Schweizer Lieferanten durch ausländische ersetzt. «Die zweite und dritte Reihe ist mehr betroffen», sagt denn auch Christen, also die Zulieferer der Zu­lieferer, während von jenen die meisten dank guter Exportgeschäfte «ein gutes bis sehr gutes Jahr» hinter sich hätten und dank gut gefüllter Auftragsbücher für 2017 optimistisch seien. «Vor allem die deutsche Autoindustrie, aber auch der deutsche Maschinenbau fragt viel nach.» Fit getrimmt hätten sich die Schweizer Firmen zudem, angetrieben von den tiefen Zinsen, mit Investitionen in die Automatisierung und in Standorte im Ausland.

Beschäftigung im Auf und Ab

Laut EY zeigen sich die Firmen so investitionsfreudig wie zuletzt Anfang 2014: 28% wollen ihre Ausgaben in den nächsten sechs Monaten erhöhen, nur 11% zurückfahren. Zudem wollen mehr Unternehmen Personal einstellen als abbauen. Zum umgekehrten Ergebnis – mehr Ab- als Aufbau – kommt allerdings die ETH-Konjunkturforschung KOF. Das hat damit zu tun, dass die KOF – anders als EY – in ihre Umfrage bei 4500 Firmen auch Branchen wie Banken oder das Gastgewerbe einbezieht, wo die Beschäftigung eher rückläufig ist.