FINTECH: Krypto-Boom im Visier

Die Debatte um die Regulierung von Kryptowährungen in der Schweiz dauert an. Inzwischen hat die Finanzmarktaufsicht eingegriffen.

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Kryptowährungen wie Bitcoin bergen viele Risiken. (Bild: Urs Flüeler/KEY)

Kryptowährungen wie Bitcoin bergen viele Risiken. (Bild: Urs Flüeler/KEY)

Die Euphorie war bisher nahezu ungebremst. Das Zuger Crypto Valley, also die Ansammlung von Firmen, die sich in der Region niederliessen, um Kryptowährungen wie Bitcoin herauszugeben oder zu handeln, wurde vielfach gelobt und zu einem Begriff über die Branche hinaus.

Doch in den letzten Monaten sind vermehrt Stimmen laut geworden und Berichte aufgetaucht, die zur Vorsicht mahnen und die Frage nach der Regulierung von Kryptowährungen und deren Herausgebern stellen. Stichworte sind: Geldwäscherei, Betrug, Haftung, Transparenz und Steuern.

Finma führt Abklärungen

Eine Finanzierungsrunde wird in der Kryptoszene ICO genannt – es steht für Initial Coin Offering. Firmen besorgen sich auf diese Weise also Kapital, ähnlich wie bei einem klassischen Börsengang. ICOs sind ein noch junges Phänomen. 2014 haben die ersten Firmen auf diese Art Kapital beschafft.

2017 ist eine starke Zunahme zu beobachten – auch in der Schweiz. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) spricht von einem «markanten Anstieg». Nachdem sie sich lange zurückgehalten hatte, machte sie Ende September klar, dass sie bei Rechtsverletzungen konsequent einschreiten werde. So führt die Finma elf Abklärungen «wegen vermutlich unerlaubt betriebener Geschäftsmodelle im Bereich solcher ICOs durch. Die Unternehmen Suisse Finance GmbH, Euro Solution GmbH und Animax United LP hat die Behörde zudem auf ihrer Warnliste.

Kurz zuvor ist sie bereits gegen den Verein Quid Pro Quo sowie die Gesellschaften Digital Trading und Marcelco Group vorgegangen. Dabei handelte es sich jedoch um Trittbrettfahrer, die nur vorgaben, eine Kryptowährung auszugeben. Die Finma bezeichnete sie als «Scheinkryptowährungen». Ein Blick auf die Finma-Warnliste zeigt, dass aber auch echte Krypto­währungen im Visier der Finma sind.

Wie viele ICOs es in der Schweiz gegeben hat, ist nicht bekannt. Der Grund ist rechtlicher Natur: Zurzeit bestehen weder international noch in der Schweiz spezifische Vorschriften zu ICOs. Die konkrete Ausgestaltung dieser Quasi-Börsengänge unterscheidet sich im Einzelfall sehr stark, sodass eine allgemeingültige Kategorisierung laut Finma nicht möglich ist. Jedes ICO müsse deshalb individuell betrachtet werden, sagt Finma-Sprecher Tobias Lux. «Abhängig von der jeweiligen Ausgestaltung eines ICOs können verschiedene Anknüpfungspunkte zum geltenden Aufsichtsrecht bestehen», sagt er. Hat die Finma Hin­weise, dass eine Firma und ihr ICO unter ein Finanzmarktgesetz (Geld­wäscherei, Terrorismusfinanzierung, Bankenrecht, Effektenhandel, Kollektivanlagenrecht) fällt, führt sie Abklärungen durch und leitet bei einer Verletzung des Rechts ein Enforcementverfahren ein.

Ostschweizer Unternehmen hat Lizenz

Wer in der Schweiz ein ICO plant, muss sich also die Frage stellen, ob er sich unter Aufsicht stellen muss oder nicht. Um hierzulande legal operieren zu können, kann er sich direkt der Finma unterstellen. Diesen Weg hat bis anhin aber erst ein Unternehmen gewählt: Vor wenigen Tagen verkündete das St. Margrether Unternehmen Moving Media medienwirksam, dass es als erstes Unternehmen eine Lizenz für ein Kryptowährung-Bezahlsystem von der Finanzmarktaufsicht erhalten hat. Moving Media ist damit verpflichtet, die Geldwäscherei-Verordnung und die «Know your customer»-Regeln einzuhalten, wie das Branchenportal finews.ch schreibt. Moving Media führt mit Payment21 eine Marke im Bereich Zahlungssysteme für E-Commerce-Unternehmen.

Der Grossteil der Fintech­unternehmen schliesst sich jedoch einer Selbstregulierungsorganisation (SRO) an, die wieder­um von der Finma beaufsichtigt wird. Davon gibt es zwölf in der Schweiz. Die SRO überwachen insbesondere die Einhaltung der Geldwäschereigesetz­gebung, mit der ein ICO am ehesten in Konflikt geraten könnte.

Die grösste SRO ist der Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF) mit Sitz in Zug. Geschäftsführer Nicolas Ramelet bestätigt, dass bereits zahlreiche Unternehmen, die mit Kryptowährungen handeln, beim VQF Mitglied sind.

Weitere Zunahme erwartet

Die Zahl steigt schnell: «Seit die Finma Ende September erklärt hat, dass sie genauer hinschauen will und wie sie ICOs aufsichtsrechtlich kategorisiert, stellen wir eine deutliche Zunahme an Mitgliederanträgen fest», sagt Ramelet. Jede Woche kämen neue Gesuchsteller hinzu. Er geht davon aus, dass die Zahl der Firmen, die sich dem VQF unterstellen werden, noch stark zunehmen wird. (rom/liv/red)