FINANZMARKT
Die Schweiz kann sich noch Schulden leisten

Steigen mit den Staatsschulden auch die Risiken auf den Finanzmärkten? Die Anlagestrategen der SGKB geben Entwarnung, zumindest vorläufig. Trotzdem raten sie zu Qualitätsaktien.

Kaspar Enz
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Um die Auswirkungen der Coronapandemie zu lindern, gleist die US-Regierung unter Präsident Joe Biden milliardenschwere staatliche Hilfs- und Infrastrukturprogramme auf.

Um die Auswirkungen der Coronapandemie zu lindern, gleist die US-Regierung unter Präsident Joe Biden milliardenschwere staatliche Hilfs- und Infrastrukturprogramme auf.

Bild: Keystone

Um die Coronapandemie einzudämmen, haben im Verlauf des vergangenen Jahres viele Staaten Teile ihrer Wirtschaft über längere Zeit lahmgelegt. Und griffen den betroffenen Branchen und Arbeitnehmern meist mit staatlichen Hilfen unter die Arme. Als Folge stiegen 2020 die Schulden der meisten Staaten deutlich an. «Deshalb ist die Höhe der Staatsschulden wieder vermehrt im Gespräch», sagte Caroline Hilb, Leiterin Anlagestrategie der St.Galler Kantonalbank (SGKB), an einer Videokonferenz der Bank.

Manche Länder können mehr verkraften

Höhere Staatsschulden seien aber nicht in jedem Fall bedrohlich, sagte sie weiter. Wie viel Schulden ein Staat tragen könne, hänge von vielen Faktoren ab. Länder, deren Währung im internationalen Finanzsystem wichtig sind, die über bedeutende Notenbanken und einen starken Kapitalmarkt verfügen, haben eine hohe Schuldenkapazität.

Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse bei der SGKB.

Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse bei der SGKB.

Bild: Urs Bucher

Schuldet der Staat zudem vor allem inländischen Gläubigern in der Heimwährung, ist das ein weiteres Indiz für eine hohe Schuldenkapazität. Die USA erfüllen alle diese Kriterien problemlos. Den Anstieg der Schuldenquote von über 100 Prozent auf über 120 Prozent im Zuge der Coronakrise könne das Land wohl verkraften. Auch viele europäische Länder oder die Schweiz könnten vergleichsweise hohe Schulden tragen, meint Hilb. Was geschehe, wenn ein Land diese Kriterien nicht erfüllt, zeige die aktuelle Währungskrise in der Türkei.

Neueren Datums ist in der USA die Tatsache, dass die Notenbank Fed im Zuge der Coronakrise deutlich mehr US-Staatspapiere aufkauft als üblich. Damit habe sie die expansive Politik der Regierung finanziert und sei wohl bereit, dies noch weiter zu tun. «Die Verflechtung zwischen Fiskal- und Geldpolitik hat mit der Coronakrise zugenommen», sagte Hilb. Zumindest kurzfristig sei das kaum als Risiko anzusehen. Es könne kurzfristig eine Chance sein, weil es das System nach der Pandemie stabilisiert. «Aber es ist wichtig, dass sich die Fed wieder aus dieser Rolle verabschiedet.»

Keine Angst vor Inflation

Dass nun gerade in den USA auch die Inflation wieder zu steigen beginnt, spiele der Biden-Regierung in die Hände. Denn Inflation mache die Schulden erträglicher. Aufkommende Inflationsängste beschwichtigt Hilb – in gewissem Masse sei Inflation wünschenswert. «Erst die Inflation erlaubt es den Unternehmen, Preiserhöhungen weiter zu geben. Und sie gibt ihnen auch mehr Spielraum bei den Löhnen.»

Liquidität ist in der Krise wichtig

Für Anleger empfehle es sich, im Umfeld steigender Staatsschulden auf Aktien zu setzen, sagte Jan Widmer, Fondsmanager Aktien bei der SGKB. Doch gelte es auf Qualität zu achten, denn in der Krise trenne sich der Spreu vom Weizen. «In dieser Situation ist die Liquidität das wichtigste Gut eines Unternehmens», sagte Widmer. Neben der soliden Finanzierung seien aber auch ein solides Geschäftsmodell und eine solide Entwicklung entscheidend für die Qualität einer Aktie.

Grundsätzlich seien die Aussichten auf dem Aktienmarkt gut. Dafür spreche, dass die Gewinne der im SPI vertretenen Unternehmen nach dem Einbruch von Corona wieder auf den Wachstumskurs zurückgekehrt sind. Dazu trage auch die Nachfrage im Inland und die Dynamik in Asien und den USA bei.