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FINANZGESCHÄFTE: Chef der St.Galler Kantonalbank: «Die Neuen müssen sich erst beweisen»

Die Digitalisierung verändert auch die St. Galler Kantonalbank und deren engmaschiges Niederlassungsnetz. Bankchef Roland Ledergerber erläutert, was der Wandel den Kunden bringt und was er von neuen Konkurrenten hält.
Thorsten Fischer,
Will jüngere Kunden fürs Sparen begeistern: SGKB-Chef Roland Ledergerber. (Bild: Michel Canonica)

Will jüngere Kunden fürs Sparen begeistern: SGKB-Chef Roland Ledergerber. (Bild: Michel Canonica)

Interview: Thorsten Fischer,

Thomas Griesser Kym


Roland Ledergerber, die Nachfrage nach digitalen Bankdienstleistungen könnte beschleunigt zunehmen. Wird da die starke Präsenz der St. Galler Kantonalbank mit physischen Niederlassungen dereinst zur Hypothek?
Der digitale Wandel durchdringt die ganze Wirtschaft und Gesellschaft, folglich auch die Bankenlandschaft. Persönlich denke ich, dass diese Wirkung in der kurzen Frist überschätzt und auf lange Sicht unterschätzt wird. Wir wollen die Digitalisierung nutzen, um unseren Kunden noch umfassendere Dienstleistungen anzubieten. Unser Angebot soll möglichst einfach, jederzeit und überall verfügbar sein. Deshalb bauen wir unser Netz an Niederlassungen auch nicht ab, sondern aus. Diese bleiben bis auf weiteres das Rückgrat unseres Geschäfts.

Aus welchen Überlegungen?
Wir sind sicher, dass ein reiner digitaler Bankberater nicht dem Kundenbedürfnis entspricht, sondern eher die Kombination aus persönlichem Berater und digitalen Lösungen. Überall, wo wir mit Niederlassungen präsent sind, ist unser Marktanteil deutlich höher, und wir wachsen dort auch viel rascher als in Gebieten ohne Präsenz vor Ort. Beratungsintensive Geschäfte wie Anlagen, Eigenheimkauf, Vorsorge oder Pensionsplanung erfolgen immer noch in erster Linie persönlich.

Solche Geschäfte betreffen mehr die älteren Kunden. Was tun Sie für die Jungen?
Natürlich sind jüngere Kunden digital affiner. Wir wollen mit der SGKB-Applikation #HäschCash, die im kommenden Jahr lanciert wird, jüngere Kunden abholen und fürs Sparen begeistern. In die gleiche Richtung zielt ein ­nationales Projekt, bei dem der Verband der Kantonalbanken gemeinsam mit dem Dachverband Lehrerinnen und Lehrer die ­Finanzkompetenz von Jugendlichen fördern will: «Finance Mission» entwickelt Lernspiele und Unterrichtsmodule für Schulen.

Was soll die Digitalisierung den Kunden generell bringen?
Ich vergleiche die Digitalisierung gern mit dem elektronischen Fahrplan der SBB. Sie soll Bankgeschäfte einfacher, bequemer, schneller und günstiger machen. So wollen wir unsere Kunden besser und effizienter bedienen. Den Kundenberatern wiederum stellen wir digitale Instrumente zur Verfügung, die ihnen die Arbeit erleichtern, etwa in der Datenanalyse. Dadurch haben die Berater mehr Zeit für das Wesentliche: die persönliche Beratung.

Das Ganze wird an den Niederlassungen, obwohl Sie an diesen festhalten, nicht spurlos vorübergehen. So hört man immer wieder von Instituten, die Schalter schliessen. Wie geht die SGKB vor?
Wir entwickeln uns von der Drei-Zonen- zur Zwei-Zonen-Bank. Zwei Zonen bedeutet einerseits eine erweiterte Selbstbedienung mit modernsten Geldautomaten und andererseits persönliche Beratung. Klassische Schalter mit Trennglas gibt es in solchen Niederlassungen keine mehr. Dieses eue Konzept kommt ab 2018 bei Um- und Neubauten zum Tragen, als nächstes in Flawil und Goldach. Pro Jahr investieren wir 8 bis 10 Millionen Franken in unser Niederlassungsnetz.

Welches Tempo geben Sie bei digitalen Innovationen vor?
Wir sehen uns als Smart Fast Follower und transformieren uns nach der Devise Evolution statt Revolution. Wir wollen nicht alles auf einen Schlag ändern. Wenn wir sehen, dass etwas an Relevanz gewinnt, setzen wir es rasch um. Ziel ist es, bei den vergleichbaren Banken stets vorne dabei zu sein. Und Smart heisst, dass wir von den bereits lancierten digitalen Lösungen lernen und diese auf unsere Bedürfnisse zuschneiden. In die Kundenschnittstelle investieren wir jedes Jahr 5 bis 6 Millionen Franken.

In jüngerer Zeit zieht der Finanzplatz Ostschweiz neue Banken an: Reichmuth und Banque CIC sind schon hier, Valiant und die Bank Linth wollen kommen. Worauf führen Sie das zurück?
Einerseits ist das erstaunlich, denn die Bankendichte ist gerade in St. Gallen schon sehr hoch. Andererseits erachten diese Banken aber den Platz offenbar als attraktiv, was positiv ist.

Könnte es auch mit dem Verschwinden von Wegelin zu tun haben und damit, dass sich die Nachfolgerin Notenstein La Roche mehr schlecht als recht entwickelt?
Grundsätzlich stehen alle Banken unter einem Zwang zu wachsen. Daher dringen einige in neue Gebiete vor. Es ist aber anspruchsvoll, sich auf einem Platz wie St. Gallen zu etablieren. Die Neuen müssen sich erst beweisen.

Fühlen Sie sich von den neuen Rivalen herausgefordert?
Jeder zusätzliche Konkurrent macht das Leben etwas anspruchsvoller. Für uns ist es aber Ansporn, noch besser zu werden.

Lehnen Sie sich auch entspannt zurück, weil Schweizer Bankkunden treu sind und auch bei Unzufriedenheit selten die Bank wechseln?
Unsere Kundenzufriedenheit ist hoch. Wer zufrieden ist, hat keine Veranlassung, die Bank zu wechseln. Aber es stimmt, dass ein Wechsel auch einen grossen Aufwand bedeutet. Ausserdem muss man dann erst wieder Vertrauen zu einem neuen Kundenberater aufbauen.

Die Zinsen dürften vorderhand rekordtief bleiben. Sehen Sie in diesem Geschäft eine Entspannung?
Das Zinsengeschäft bleibt unter Druck. Aber wir werden es schaffen, un­ser Zinsergebnis etwa auf dem bisherigen Niveau zu halten, denn das Wachstum der Ausleihungen kompensiert den negativen Einfluss der tiefen Zinsen.

Wie beurteilen Sie den Gang der Ostschweizer Wirtschaft?
Insgesamt läuft sie gut. Sowohl das Wirtschaftswachstum als auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt sind gut, und der Export wirkt als Motor.

Ein Indikator ist auch das Kreditportefeuille der SGKB. Wie ist dessen Zustand?
Unser Kreditportefeuille ist ausserordentlich gesund. Die ­Bonitätsbewertungen und die Ratings zeigen einen konstanten Aufwärtstrend, alle Frühwarn­indikatoren wie Kreditausfälle oder notleidende Kredite sind auf Tiefstständen.

Wie ist die Kreditnachfrage seitens der Firmen?
Wir sehen noch keine Belebung. Das hat vor allem damit zu tun, dass Unternehmen Investitionen oft aus den eigenen Mitteln dank eines guten Geschäftsgangs finanzieren. Was wir auch sehen, ist eine spürbare Verlangsamung auf dem Immobilienmarkt.

Ab 2018 vergütet die SGKB allen Kunden mit einem Beratungspaket die Retro­zessionen. Diese Vertriebsentschädigungen von Fondsanbietern hat die Bank bisher kassiert, um ihre Beratungskosten zu decken. Als Folge werden nun Kunden einfach höhere Gebühren abverlangt.
Mit dem Schnüren verschiedener Beratungspakete erfüllen wir aufsichtsrechtliche Vorgaben. Unser Preismodell ist so strukturiert, dass wir gleich viel verdienen wie vorher.

Für die Bank also ein Nullsummenspiel. Für Kunden könnte es indes teurer werden, wenn die Retrozessionen in Zukunft wie von Fachleuten erwartet sinken.
Das können wir nicht ausschliessen. Wie viel ein Kunde bezahlt, ist sehr individuell und hängt davon ab, wie viele Beratungsdienstleistungen er in Anspruch nimmt und wie sein Wertpapierportfolio aussieht.

Roland Ledergerber

Der Chef der St. Galler Kantonalbank (SGKB) arbeitet seit Ende 1998 für das Finanzinstitut. Seit knapp 10 Jahren ist Ledergerber, Jahrgang 1961, Präsident der Geschäftsleitung, deren Mitglied er Mitte 2002 als damals neuer Leiter Privat- und Geschäftskunden wurde. Vor seinem Engagement bei der SGKB war Ledergerber 12 Jahre bei der UBS tätig. (red)

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