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FINANZBRANCHE: Helvetia will in jede Ecke des Eigenheims

Obwohl es dem Unternehmen mit seinen traditionellen Versicherungen rundläuft, drängt es mehr und mehr in bisher artfremde Geschäfte vor: Dazu zählen etwa Produkte und Dienstleistungen rund ums Wohnen.
Thomas Griesser Kym
Ein entspannter Helvetia-Chef Philipp Gmür an der Bilanzmedienkonferenz. (Bild: Melanie Duchene/Keystone (Zürich, 5. März 2018))

Ein entspannter Helvetia-Chef Philipp Gmür an der Bilanzmedienkonferenz. (Bild: Melanie Duchene/Keystone (Zürich, 5. März 2018))

Thomas Griesser Kym

«Wir haben das geliefert, was wir angekündigt haben.» Mit diesen Worten charakterisiert Philipp Gmür, Chef der Helvetia, «das einmal mehr erfolgreiche Geschäftsjahr» 2017 des Versicherungskonzerns. Konkret hat das Unternehmen das operative Ergebnis erstmals über die Marke von einer halben Milliarde gehievt. Dazu haben mehrere Faktoren beigetragen: So sieht die Helvetia ihr Versicherungsgeschäft in gutem und gesunden Zustand. Das zeigt sich daran, dass die Profitabilität sowohl im Leben- als auch im Nichtleben-Geschäft erhöht wurde. In den europäischen Märkten hat die Helvetia Portfolios saniert und vor allem in Deutschland und Spanien zugelegt. Naturkatastrophen belasteten das Nichtleben der Helvetia mit Schäden von netto 14,2 Millionen Franken, wovon 9 Millionen auf Wirbelstürme in den USA entfielen, wo Helvetia via ihre aktive Rückversicherung engagiert ist, die auch US-Policen hält. Trotz dieser Belastung konnte Helvetia die Combined Ratio – Schäden plus Kosten im Verhältnis zu den Prämien – mit 91,8 Prozent fast auf Vorjahresniveau halten. Das Schweizer Geschäft stach mit relativ tiefen 83,1 Prozent heraus.

Im Leben, das zum Grossteil auf die Schweiz entfällt, hob die Helvetia die Neugeschäftsmarge von 1,2 auf 1,8 Prozent. Das Prämienvolumen nahm etwas ab, was aber laut Gmür daran liegt, dass man im traditionellen Einzelleben und im Kollektivleben (BVG) «bewusst auf die Bremse tritt» und dafür anlagegebundene Versicherungsprodukte und solche mit Zinsrisiko forciert, die jeweils das Kapital schonen. Im Weiteren haben die haussierenden Börsen das Ergebnis auf Kapitalanlagen verbessert.

Mehr Synergien geschöpft als budgetiert

Punkto Integration der Nationale Suisse und der Basler Österreich, welche 2014 von den Helvetia übernommen worden sind, hat diese ihr selbst gestecktes Synergieziel übertroffen. Budgetiert waren vergangenes Jahr als Höhepunkt mindestens 130 Millionen Franken, herausgekommen sind 137 Millionen. Seit Beginn der Ausschöpfung der Synergien Mitte 2014 ist die Zahl der Stellen auf Vollzeitbasis um 474 gesunken, davon entfielen 439 auf die beiden Akquisitionen. Die meisten dieser Stellen seien über die natürliche Fluktuation abgebaut worden, sagt Gmür. Die Aktionäre sollen von einer Erhöhung der Dividende von 21 auf 23 Franken pro Aktie profitieren.

Im Rahmen der Strategie «Helvetia 20.20», die 2016 formuliert worden ist, will der Versicherer mittels neuer Geschäftsmodelle sein Kerngeschäft stärken und sowohl neue Kunden gewinnen als auch die Kundenbindung stärken. Dabei spielt die Digitalisierung eine erhebliche Rolle. Laut Gmür sind jeweils 15 bis 20 Prozent der Kunden entweder reine Online- oder reine Offline-Kunden. Das Gros von 60 bis 70 Prozent sei hybrid, also mal im Internet unterwegs, dann wieder den Kontakt zum Kundenberater suchend. Die Helvetia will Kunden überall dort abholen, wo diese am Verkaufspunkt eines Produkts auch einer Versicherung bedürfen (oder auch, wo es möglich ist, dem Kunden eine solche aufzuschwatzen).

Alle Services rund ums Wohnen als Vision

Als Beispiel nennt Gmür die Kooperation mit Raiffeisen, über deren Bankschalter seit geraumer Zeit Helvetia-Versicherungsprodukte verkauft werden. Wünscht ein Bankkunde zum Beispiel eine Hypothek, wird ihm gleich auch noch eine Versicherung angeboten für den Fall, dass der Schuldner stirbt oder invalid wird. Diese Kooperation will man weiter ausbauen. Zudem baut die Helvetia selber Ertragsquellen ausserhalb des traditionellen Versicherungsgeschäfts auf. Ein zentraler Baustein ist der Hypothekenvermittler Moneypark, an dem die Helvetia 70 Prozent erworben hat. Immer dann, wenn über Moneyparks Plattform eine Hypothek abgeschlossen wird, erhält dieser eine Gebühr. «So können wir den Kundenzugang erweitern und auch an Kunden gelangen, die wir sonst nicht erreichen würden», sagt Gmür. Schrittweise wolle man das ganze Spektrum an Finanzierungs- und Versicherungsdienstleistungen rund ums Ei­genheim anbieten, sagt Gmür. In einem anderen Schritt hat Moneypark jüngst Finovo übernommen. Diese Firma betreut Pensionskassen ohne Kundenzugang bei der Hypothekenvergabe.

2017 hat Moneypark das Volumen vermittelter Hypotheken auf 2,1 Milliarden Franken gut verdoppelt. Der Schweizer Hypothekenmarkt wiegt 1000 Milliarden Franken. Davon werden jährlich 10 Prozent neu vergeben oder wieder platziert. Gmür sieht noch viel Geschäftspotenzial, und dies unabhängig von der Entwicklung der Zinsen: «Bleiben sie tief, nimmt die Nachfrage nach Hypotheken weiterhin zu. Steigen sie, wird die Nachfrage nach Beratung nach oben gehen.»

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