Fernverkehrszüge
Stadler ist im Rennen um einen Grossauftrag aus Norwegen

Das staatliche Unternehmen Norske Tog will 17 Triebzüge für den Fernverkehr beschaffen. Zur Abgabe von Angeboten sind die vier Bahnhersteller Stadler, Alstom, CAF und Talgo vorqualifiziert. Das Auftragsvolumen wird auf 675 Millionen Franken geschätzt. Hinzu kommt eine Option für die Beschaffung von insgesamt 100 Zügen.

Thomas Griesser Kym
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Stauraum für Gepäck, Velos, Wintersportausrüstung usw. in den neuen Zügen für Norwegen.

Stauraum für Gepäck, Velos, Wintersportausrüstung usw. in den neuen Zügen für Norwegen.

Bild: PD

«Norwegen ist Heimat einiger der spektakulärsten Bahnreisen der Welt.» Als Beispiele nennt das Staatsunternehmen Norske Tog, das Rollmaterial beschafft, verwaltet und an Bahngesellschaften verleast, die Bergen- und die Dovre-Linien. Auf diesen Strecken geht die Fahrt «nahe an Fjorden und Bergketten entlang, durch die majestätische Natur».

Aktuell werden diese Fernverkehrsstrecken von Lokomotiven und Wagen bedient, die das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Deshalb ist im norwegischen Staatsbudget 2022 die Beschaffung neuer Fernverkehrszüge vorgesehen. Zunächst sollen 17 Züge bestellt werden. Die Kosten dafür werden auf 6,5 Milliarden norwegische Kronen (675 Millionen Franken) geschätzt, mit einer Obergrenze von 8 Milliarden Kronen (830 Millionen Franken).

Viel Komfort für die Fahrgäste

Für die Abgabe von Angeboten haben sich vier Schienenfahrzeugbauer vorqualifiziert, wie Norske Tog auf seiner Website schreibt: Stadler, die norwegische Tochter des französischen Alstom-Konzerns sowie die spanischen Hersteller CAF und Talgo. Geplant ist, dass der Gewinner der Ausschreibung frühestens 2024 mit der Produktion der Züge beginnt und diese ab 2026 in Betrieb gehen.

Illustration zweier Schlafwagenabteile der künftigen Züge für Norwegen.

Illustration zweier Schlafwagenabteile der künftigen Züge für Norwegen.

Bild: PD

Norske Tog will die Züge unter anderem mit Schlafwagenabteilen ausrüsten, die tagsüber in private Sitzabteile umgewandelt werden können. Zudem sollen Ruhesessel eingebaut werden, ähnlich der Sitze der First Class in Flugzeugen. Vorgesehen sind auch eine Familienzone und ein Bordbistro. Weil das norwegische Eisenbahnnetz noch nicht vollständig elektrifiziert ist, sollen sowohl elektrische Züge als auch Hybridzüge angeboten werden, die wahlweise mit Strom oder mit Diesel fahren können.

Die Schlafwagenabteile untertags.

Die Schlafwagenabteile untertags.

Bild: PD

Für später will sich Norske Tog die Option offenhalten, dass der siegreiche Hersteller zwecks weiterer Schonung der Umwelt entweder die Züge umrüsten oder Batteriezüge anbieten muss. Der Vertrag wird neben der Erstbestellung von 17 Triebzügen eine Option auf insgesamt bis zu 100 Züge enthalten.

Stadler mit mehreren Erfolgen, doch jüngst ein Rückschlag

Stadler hat in Norwegen schon mehrere Erfolge gefeiert. So haben Norske Tog und die Staatsbahn NSB (heute Vy) im Jahr 2008 bei Stadler 150 Triebzüge des Typs Flirt geordert, die im Werk am Stadler-Hauptsitz in Bussnang gefertigt wurden. Es war dies Stadlers allererster Auftrag für die Fernverkehrsversion Flirt 200. Zudem hat Stadler 2017 und 2019 Verträge für die Instandhaltung der Flirt-Flotte an Land gezogen. Und Stadler hat die Stadt Bergen wiederholt mit Stadtbahnen beliefert.

Hingegen hat Norske Tog Mitte Dezember 2021 einen Auftrag über 30 Nahverkehrszüge für die Region Oslo an Alstom vergeben, verbunden mit einer Option auf bis zu 170 weitere Züge. Um diesen Auftrag hatte sich Stadler ebenfalls beworben.

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