FERNVERKEHR: Eurobus schluckt Domo Swiss Express AG

Noch bevor der erste Inland-Fernbus überhaupt gefahren ist, gibt es eine Marktbereinigung.

Gerhard Lob
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Es war eine Zäsur für den öffentlichen Fernverkehr in der Schweiz. Am 19. Februar dieses Jahres erteilte das Bundesamt für Verkehr (BAV) dem Unternehmen Domo Swiss Express AG – einer Tochter von Domo-Reisen in Glattbrugg – die Konzession für drei nationale Fernbus-Linien. Gestern gab Eurobus, das grösste private Busunternehmen der Schweiz mit Sitz in Windisch, bekannt, die Mehrheit an der Firma Domo Swiss Express AG übernommen zu haben. Und damit die Konzession für die drei bewilligten Fernbuslinien auf den Strecken St. Gallen–Zürich–Biel–Genf Flughafen; Zürich Flughafen–Basel–Luzern–Lugano sowie Chur–Zürich–Bern–Sitten.

«An der Inland-Fernbus-Konzession ändert dies nichts», sagt BAV-Sprecher Gregor Saladin. Der Betrieb auf diesen Linien soll am 10. Juni aufgenommen werden. Die Billettpreise – die Hälfte der regulären SBB-Halbtax-Preise – sollen gleich bleiben, am geplanten Haltestellennetz wird nicht gerüttelt. Beim Rollmaterial sollen neben Domo-Cars auch Eurobusse zum Einsatz kommen. Zum Verkaufspreis und der Höhe der Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Auch andere Hintergründe des Deals blieben im Dunkeln. Domo-Reisen erteilte keine Auskünfte mehr. Bei Eurobus hiess es zur Kooperation mit dem Konkurrenten: «Der Einstieg in das nationale Fernbusgeschäft stellt beide Firmen vor grosse Herausforderungen.» Man sei deshalb zum Schluss gekommen, dass mit gebündelten Kräften das beste Angebot erbracht werden könne.

Projekt über den Kopf gewachsen?

Fachleute beurteilen die Übernahme als Hinweis, dass Domo-Reisen das Projekt über den Kopf gewachsen ist. Für diese These sprach bereits die Tatsache, dass die Inbetriebnahme der Busse verschoben wurde: vom 25. März auf den 10. Juni. Eurobus gilt als solides und verlässliches Unternehmen. Es setzt mit 500 Mitarbeitern 125 Millionen Franken um. An sieben Schweizer Standorten hat es eigene Reisebusse stationiert. Eurobus hatte selbst geplant, ins inländische Fernbus-Geschäft einzusteigen. Die hängigen Konzessionsgesuche von 2017 sind heikler als im Fall Domo, weil teils der abgeltungsberechtigte regionale Personenverkehr konkurrenziert wird.

Gerhard Lob