Fensterbruch im Rheintal

Bei der AFG kommt es zu einschneidenden Veränderungen. Das kostet 400 Arbeitsplätze.

Stefan Borkert
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Die Fensterproduktion in Altstätten wird ins Ausland verlagert. (Bild: Ralph Ribi)

Die Fensterproduktion in Altstätten wird ins Ausland verlagert. (Bild: Ralph Ribi)

Die AFG Arbonia-Forster-Gruppe hat ein Rettungsprogramm aufgelegt. Verwaltungsratspräsident Alexander von Witzleben, der die Geschäfte vorübergehend auch operativ führt, erklärte an der Präsentation des Halbjahresergebnisses in Zürich die neue Strategie des Arboner Bauausrüsters. «Wir haben ernsthafte Liquiditätsprobleme», beschreibt er die prekäre Situation. Tatsächlich steht der Konzern mit dem Rücken zur Wand. «Beim Rheintaler Fensterhersteller EgoKiefer sind die Zahlen feuerrot», ergänzt von Witzleben. Mit einem Wertberichtigungsbedarf von annähernd 83 Millionen Franken trägt EgoKiefer den Löwenanteil zum Negativergebnis bei. Der Konzern muss unter dem Strich einen Verlust von 132,6 Millionen Franken verkraften. «Ich rechne mit einem Jahresverlust von 160 bis zu 190 Millionen Franken», sagt von Witzleben.

Das Kapital soll erhöht werden

Der AFG-Chef nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Konzern ist gewaltig in Schieflage geraten. Der Umsatz brach im ersten Semester um fast 5 Prozent auf 425 Millionen Franken ein. Zwar wurden von einer Kreditlinie über 250 Millionen Franken nur 80 Millionen abgerufen, aber «wir haben gegen Kriterien verstossen, die zu einer sofortigen Kündigung der Gesamtkreditlinie durch die Banken hätte führen können», sagt von Witzleben. Zudem sei im Mai 2016 eine Obligation über 200 Millionen Franken fällig. Zusätzlich steht der Konzern und besonders die Fenstersparten durch die Aufhebung des Euromindestkurses unter Druck.

Um den Aderlass zu stoppen und den Umbau des Konzerns zu finanzieren, ist mit einem Bankenkonsortium aus Gross- und Regionalbanken verhandelt worden. «Diese verzichten temporär auf vereinbarte Kreditverpflichtungen», sagt von Witzleben. Ausserdem wurde eine Kapitalerhöhung von 200 Millionen Franken vereinbart. Dieser muss allerdings noch eine ausserordentliche Generalversammlung im September zustimmen. Ankeraktionär Michael Pieper und dessen Artemis-Gruppe haben zugesichert, ihr Engagement zu verstärken und zwar bis knapp an die Grenze, die ein Übernahmeangebot auslösen würde. Weiter ist vorgesehen, das nicht selbst genutzte Immobilien im Wert von 50 Millionen Franken auf den Markt gebracht werden. «Und man muss sich auch überlegen, ob es in dieser Lage für die AFG Sinn macht, dass man für den Namen einer Fussballarena in St. Gallen Geld ausgibt», sagt von Witzleben.

Jedenfalls will er bis 2018 den Umbruch geschafft haben und wieder schwarze Zahlen schreiben. «2018 werden wir wieder eine Dividende zahlen können», prognostiziert er.

Verlagerungen ins Ausland

Der Preis dafür wird auch mit dem Verlust von Arbeitsplätzen, Standortschliessungen und der Verlagerung ins Ausland bezahlt. So geht die Fensterproduktion in Altstätten endgültig zu Bruch. Während drei Jahren wird die Produktion von Holz- und Holz-/Aluminium-Fenstern in die zugekaufte Firma Wertbau nach Thüringen verlagert. Das bedeutet einen Verlust von bis zu 160 Stellen in Altstätten. Dort bleiben quasi nur noch eine Werkstatt sowie Entwicklung und Design der Fenster. Von Arbon wird die Produktion der Sonderheizkörper bis Ende 2016 nach Tschechien verlegt, was gegen 70 Stellen kosten wird. Die Holding wird ebenfalls abgespeckt, von gut 70 auf 13 bis 15 Mitarbeiter. Der waadtländische Standort Villeneuve wird nächstes Jahr geschlossen. Damit gehen dort rund 90 Arbeitsplätze verloren. Das bedeutet, dass letztlich von den 1400 Arbeitsplätzen in der Schweiz noch um die 1000 übrigbleiben. Ein Sozialplan ist in Arbeit. Und von Witzleben versichert, dass alle Lehrlinge ihre Lehre abschliessen könnten.

Mit all den Massnahmen will von Witzleben einen europäischen Spitzenplatz erreichen. «Unsere Mitbewerber werden heute sehr gut aufgepasst haben. Aber wir sind einen Schritt voraus. Den Vorsprung müssen wir verteidigen», zeigt er sich optimistisch und kämpferisch.