Fensterbauer bleiben in der Schweiz

Die finanzielle Schieflage der AFG war existenzgefährdend. Die Lösung mit Eigenkapitalerhöhung und Konzernumbau findet bei Analysten Anerkennung. Fensterhersteller haben auf die sinkenden Preise reagiert, sind aber überzeugt vom inländischen Standort.

Stefan Borkert
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Alexander von Witzleben Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der AFG (Bild: pd)

Alexander von Witzleben Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der AFG (Bild: pd)

ARBON. Der Abschied der AFG-Tochter EgoKiefer vom Produktionsstandort Schweiz wird von der Konkurrenz kritisch gesehen. Allerdings ist die Verlagerung Teil der Strategie zur Rettung des Konzerns. Ein anderer Teil ist die Finanzierung. Es drohte die Kündigung einer Kreditlinie über 250 Mio. Fr. durch ein Bankenkonsortium.

Bestand der AFG war in Gefahr

Eine Eigenkapitalerhöhung um 200 Mio. Fr. und eine Vereinbarung mit den kreditgebenden Banken, auf die Kündigung der Kreditlinie zu verzichten, bis die ausserordentliche Generalversammlung der Eigenkapitalerhöhung zustimmt: Damit leitet Konzernchef und Verwaltungsratspräsident Alexander von Witzleben die Wende ein. Unterstützt wird er von Ankeraktionär Michael Pieper und dessen Beteiligungsgesellschaft Artemis. Wären die Banken hart geblieben und hätten die Kreditlinie gekündigt, dann wäre es eng geworden. AFG-Sprecherin Fabienne Rohner-Zürcher sagt: «Ja, wir wären im Bestand gefährdet gewesen.»

Sinnvoll auch für die Banken

Als Grund für die drohende Kündigung gibt sie an: «Als Folge der sich verschlechternden finanziellen Situation in der ersten Hälfte des Jahres 2015 realisierte die Konzernleitung, dass die AFG zum ersten Mal bestimmte Finanzkennzahlen verletzt hat.» Sie ergänzt: «Der Konzern war aber in der Lage, mit den kreditgebenden Banken eine Vereinbarung über die Aussetzung der Prüfung dieser Kennzahlen zu treffen.» Das Unternehmen hätte die Vorgaben punkto Nettoverschuldung und Eigenkapitalquote nicht einhalten können. Der Zeitraum, den das Bankenkonsortium der AFG gewährt, in dem die Prüfung der Finanzkennzahlen ausgesetzt wird, dauert vom 30. Juni bis zum 31. Dezember.

Analyst Remo Rosenau von der Neuen Helvetischen Bank ist sich mit Kollegen einig: Eine Kündigung hätte für die Banken keinen Sinn gemacht. Bei einem Konkurs wäre das Geld auch verloren. Die Voraussetzungen bei der AFG mit einem starken Ankeraktionär und einer kräftigen Eigenkapitalerhöhung seien gut für eine positive Bilanz.

Preiskampf im Fenstermarkt

Ein Teil der AFG-Strategie ist die Verlagerung der Fensterproduktion der Tochter EgoKiefer ins Ausland. Damit reagiert die AFG auf den Preiskampf im Schweizer Fenstermarkt.

Andere Fensterbauer bevorzugen hingegen bewusst den Standort Schweiz. Das Volumen der Importfenster sei eigentlich nicht das Problem, sondern die dadurch sinkenden Preise. Verschärft werde der Druck auf die Preise noch zusätzlich durch die Aufhebung des Euromindestkurses, erklärt Bernhard Merki, Geschäftsführer der 4B Fenster AG. Doch: «Wir halten am Standort Schweiz fest.» Auch die Auftragsbücher von 4B seien gut gefüllt. Die Situation könne immer besser sein, aber er könne nicht klagen. Stefan Baumgartner vom gleichnamigen Fensterhersteller setzt ebenso auf Innovation und Qualität. Man müsse auch den Standortvorteil sehen, sagt Urs Haering von Swisswindows. Der Hauptsitz der Swisspor-Tochter ist in Mörschwil. Haering sagt, die ausländischen Fenster seien nicht das eigentliche Problem, sondern dieses sei hausgemacht.

In der Branche gebe es Überkapazitäten. Damit seien auch die sinkenden Preise teils ein Problem der Branche selbst. «Der derzeitige Preiskampf ist schwierig.» Aber der Absatz von Schweizer Fenstern im heimischen Markt sei trotzdem gut, auch vom Volumen her. Haering sagt, er kenne aktuell keine Schweizer Grossbaustelle, auf der ausländische Fenster verbaut würden. Beat Guhl, Chef von Skyframe in Frauenfeld, setzt ganz auf den Standort Schweiz, der ein Qualitätsmerkmal sei. Vom Importproblem ist er nicht betroffen. «Wir spielen auf der ganzen Welt mit.»