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Feilschen in der Agrarchemie

ChemChina versucht Syngenta ohne wettbewerbsrechtliche Konzessionen zu übernehmen. Dass die Behörden in der Branche genauer hinschauen, hat aber Gründe.
Daniel Zulauf
Ein Feld mit jungen Pflanzen: Die Basler Syngenta ist in Pflanzenschutz und Saatgut aktiv. (Bild: Patrick B. Krämer/KEY (Baltenswil, 4. Mai 2014))

Ein Feld mit jungen Pflanzen: Die Basler Syngenta ist in Pflanzenschutz und Saatgut aktiv. (Bild: Patrick B. Krämer/KEY (Baltenswil, 4. Mai 2014))

Die Wettbewerbsbehörden in den bedeutendsten Landwirtschaftsmärkten könnten die grosse Fusionswelle im weltweiten Markt für Agrarchemie doch noch ausbremsen. Dies ist zumindest eine naheliegende Interpretation des scharfen Kurseinbruches, wie er gestern in den Aktien des Basler Branchenriesen Syngenta zu beobachten war. Die Titel verloren unter hohen Handelsumsätzen zeitweise mehr als 8% ihres Wertes, nachdem die Staatsholding ChemChina der EU-Wettbewerbskommission die von dieser offenbar verlangten Zugeständnisse für eine rasche Bewilligung der geplanten 43-Milliarden-Dollar-Übernahme verweigert hatte.

Welche Art von Zugeständnissen die Brüsseler Behörden eingefordert hatten und was die Chinesen allenfalls anzubieten bereit gewesen wären, bleibt vorerst das Geheimnis der involvierten Parteien. Allseits bestätigter Fakt ist lediglich, dass ChemChina die Frist von zwanzig Arbeitstagen nach Beginn der offiziellen wettbewerbsrechtlichen Prüfung des Übernahmevorhabens ablaufen liess, ohne die Wünsche der europäischen Kartellwächter vollständig zu erfüllen.

Diese werden nun bis zum kommenden Freitag entscheiden müssen, ob sie den Unternehmenszusammenschluss einer vertieften Prüfung unterziehen sollen. In diesem Fall bliebe der sino-helvetische Merger wohl bis ins nächste Jahr hinein in der Schwebe. Die beiden Parteien hatten sich nach der Ankündigung ihrer Verbindung im Februar noch überzeugt gezeigt, den Deal vor Jahresende unter Dach und Fach zu bringen.

Syngenta und ChemChina hatten ihre Zuversicht stets damit begründet, die Chinesen hätten im Agrarchemiemarkt bislang keine nennenswerte Rolle gespielt, so dass die Fusion die Marktkonzentration kaum erhöhe. Die beiden Firmen verwiesen stets auf «konstruktive Gespräche» mit den Behörden – auch gestern wieder.

Weitergehende Forderungen vermutet

Tatsächlich stellt die einzige relevante Position von ChemChina im internationalen Agrarchemiemarkt die israelische Tochtergesellschaft Adama dar, die hauptsächlich generische Unkrautvernichter herstellt. ChemChina-Chef Ren Jianxin hatte allerdings schon im Februar in Basel, anlässlich der Verkündung des Übernahmevorhabens, öffentlich zu verstehen gegeben, dass man bereit wäre, Adama zu veräussern, wenn dies für die Übernahmebewilligung von Syngenta nötig wäre. Vor diesem Hintergrund kann vermutet werden, dass Brüssel weitergehende Forderungen als nur den Verkauf von Adama aufgestellt hat.

Die Wettbewerbsbehörden sind gefordert, denn neben Syngenta und ChemChina sind mit den amerikanischen Agrarchemiekonzernen Dow und DuPont sowie Bayer und Monsanto zwei weitere Elefantenhochzeiten im Gang. Die DuPont-Dow-Fusion hat die EU-Kommission bereits im August einer vertieften Prüfung unterzogen, deren Ergebnis am 20. Dezember vorliegen sollte. Der freie Zugang zu Saatgut und Pflanzenschutzmitteln zu wettbewerbsgerechten Preisen sei für die Bauern von existenzieller Bedeutung.

Ein behutsames Vorgehen der Behörden ist angesichts der Dimension der drei geplanten Fusionen durchaus angezeigt. 1996 hatten die zehn grössten Saatguthersteller einen kombinierten Marktanteil von 30%. Kämen die angekündigten Deals nun wie geplant zustande, würden die vier grössten Anbieter 77% des Marktes auf sich vereinen. Im Pflanzenschutz läge der vergleichbare Konzentrationsanteil bei 61%.

Das Übernahmeangebot von ChemChina an Syngenta stipuliert im Übrigen, dass die Transaktion abgebrochen werden müsste, wenn ein Umsatz von mehr als 2,5 Mrd. $ oder 20% der Gesamtverkäufe durch wettbewerbsrechtliche Auflagen tangiert würden. Bei einem Scheitern des Deals müsste ChemChina eine Zahlung von 3 Mrd. $ an Syngenta leisten. Für zusätzliche Verunsicherung sorgten zuletzt Gerüchte, dass ChemChina auf Geheiss von Peking mit dem ebenfalls staatseigenen Ölkonzern Sinochem fusioniert werden solle.

Wie sich eine solche Fusion auf die Finanzsituation von ChemChina auswirken würde, ist nicht bekannt. ChemChina ächzt unter einer immensen Schuldenlast. Diese ist im Urteil von Experten so hoch, dass das Unternehmen ohne Staatsgarantie nicht überlebensfähig wäre.

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