Fed leitet Zinswende ein

Erstmals seit neun Jahren hat die US-Zentralbank wieder eine Erhöhung des Leitzinses beschlossen. Die Anhebung um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte gilt nur als erster Schritt.

John Dyer
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US-Notenbankchefin Janet Yellen verkündet den Anfang vom Ende der ultralockeren Geldpolitik. (Bild: ky/Susan Walsh)

US-Notenbankchefin Janet Yellen verkündet den Anfang vom Ende der ultralockeren Geldpolitik. (Bild: ky/Susan Walsh)

WASHINGTON. Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) hat die seit der Finanzkrise von 2008 durchgehaltene Politik des billigen Geldes beendet. Zumindest hat sie mit ihrer mässigen Anhebung des Leitzinses um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte den ersten Schritt zu einer Normalisierung ihrer Geldpolitik unternommen. In der Erklärung der Fed wurde mehrfach betont, dass die Anpassung schrittweise erfolgen werde.

In dem Statement des Offenmarktausschusses der Fed zu der Entscheidung heisst es: «Das Komitee befindet, dass es in diesem Jahr eine beträchtliche Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt gegeben hat. Es ist in vernünftigem Rahmen zuversichtlich, dass die Inflation mittelfristig auf das Ziel von zwei Prozent steigen wird.» Angesichts der Unsicherheit, wie stark die Erholung der amerikanischen Wirtschaft seit der Finanzkrise und der folgenden Rezession wirklich war, hatte die Fed eine Zinswende immer wieder verschoben. Die jetzt vom Offenmarktausschuss (FOMC) beschlossene Anhebung ist nicht nur lange erwartet, sondern von den Finanzmärkten in Wechselkurse und Investitionen schon eingepreist worden.

Vorteil für Europas Exporteure

Die Fed hatte den Leitzins im Dezember 2008 auf «nahe Null» festgesetzt, um Investitionen und Konsum zu steigern und so die lahmende Konjunktur in den USA anzukurbeln. Zum letzten Mal hatte die Fed die Zinsen im Juni 2006 erhöht.

Höhere Zinssätze sollten normalerweise den Aussenwert des amerikanischen Dollars steigern. Aber der Dollar ist schon stark. Das bedeutet, dass der Euro schwach bleiben wird, wodurch die europäischen Exporteure beim Verkauf ihrer Produkte in Dollar-Gebiete einen Vorteil haben. Derzeit liegt der Wechselkurs bei etwa 1,09 $ für 1 €, das entspricht dem Kurs Anfang 2006. Investoren haben angesichts der Dollarstärke in der Vergangenheit ihr Kapital vermehrt aus schwachen Märkten abgezogen und in amerikanische Unternehmen gegeben, auch mit Blick auf die lange erwartete Zinsanhebung. In den Vereinigten Staaten wird das Sparen und Anlegen für Privatleute mit leicht gestiegenen Zinsen wieder attraktiver. Auf der anderen Seite muss mit ebenfalls moderaten Steigerungen bei den Hypothekenkosten, den Verbraucherdarlehen und Autokrediten gerechnet werden.

Kurzfristig erwartet Moody's Chefanalyst Mark Zandi keine Turbulenzen an den Finanz- und Verbrauchermärkten. Er rechnet mit einem um einen Prozentpunkt höheren Zins bis Ende kommenden Jahres. Und Zandi würde sich nicht wundern, wenn die Fed bei einer Veränderung der Wirtschaftslage ihren Schritt wieder zurücknimmt oder künftige geplante Zinsschritte aussetzt. «Wenn die Fed bei dem bleibt, was sie uns mitgeteilt hat, dann wird das wenig Auswirkung auf die Verbraucher haben, zumindest im Jahr 2016», sagte Zandi. Langfristig wird der etwas höhere Zins die amerikanische Wirtschaft zwar nicht dämpfen, aber vor dem Entstehen von Blasen in manchen Bereichen bewahren, meint Zandi. «Wenn die Fed aber 2017 wie angekündigt weiter Druck macht, dann kommen Aktien, Wertpapiere und Wechselkurse unter Druck.»

Doppeltes Mandat der Fed

Für die Wirtschaftsentwicklung in den USA ist die Wirkung auf Arbeitsmarkt und Inflation von Interesse. Die Fed hat ein doppeltes Mandat: Sie soll für Vollbeschäftigung sorgen und zum anderen die Inflation unter Kontrolle halten. Die Arbeitslosigkeit liegt in den USA jetzt bei 5% mit der Tendenz, weiter zu sinken. Anders sieht es bei der Inflation aus. Die Jahresinflation liegt zurzeit bei 1%, deutlich niedriger als das von der Fed vorgegebene Ziel von 2%. Die Preise zeigen keine Tendenz, zu steigen.

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