Faraday fährt in Teslas Spur

Im US-Bundesstaat Nevada baut das Unternehmen Faraday eine Fabrik für strombetriebene Luxusautos. Die Firma, die angeblich chinesische Eigentümer hat, will den Erfolg des Autobauers Tesla wiederholen.

John Dyer
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LAS VEGAS. Faraday soll zum neuen Stern am amerikanischen Autohimmel werden. So jedenfalls plant es der – vermutlich chinesische – Investor in eine neue Autofabrik im US-Bundesstaat Nevada, in der schon ab 2017 Luxusautos mit Elektroantrieb vom Band rollen sollen. Rund 1 Mrd. $ sind für den Bau der Fabrik veranschlagt.

Start mit einem Modell

«Wir werden ein einziges Modell herausbringen und später mit einer Anzahl Fahrzeuge folgen und zwar schneller, als andere das geschafft haben.» Das sagt selbstbewusst Nick Sampson. Der leitende Vizepräsident für Forschung und Entwicklung bei Faraday kommt von Tesla, dem schon erfolgreich eingeführten Elektroauto-Hersteller aus Kalifornien. Nicht nur Personal, auch manche Idee scheint von Tesla zu stammen. Das beginnt schon beim Namen. Die Tesla-Elektroautos sind nach Nikola Tesla benannt, dem serbisch-amerikanischen Wissenschafter, der mit Glühbirnen-Erfinder Thomas Alva Edison zusammen gearbeitet hat. Und Michael Faraday war das britische Genie im frühen Umgang mit Elektrizität.

Auch der Start mit einem Modell erinnert an Tesla. Die Firma hat seit Jahren nur das Model S vermarktet und lanciert erst jetzt andere Modelle. Bei Tesla allerdings kennt man den Eigentümer: Elon Musk, der Mitgründer des Bezahldienstes PayPal und Gründer anderer Technikfirmen, darunter auch solche in der privaten Raumfahrt.

«Wir sind im Tarnmodus»

Bei Faraday wird ein reicher Chinese als Investor vermutet: Jia Yuetin, der 7 Mrd. $ schwere Eigentümer des Medienunternehmens Leshi, das oft auch das chinesische Netflix genannt wird. Offiziell ist Chaoying Deng der Chef von Faraday, bisher Leiter einer Leshi-Niederlassung in den USA. Faraday-Sprecherin Stacy Morris sagte dazu nur: «Wir sind im Tarnmodus, wir enthüllen keinen Eigentümer.» Es gebe einen grossen Investor, der aber wolle, dass Faraday aus eigener Kraft zu einer anerkannten Marke werde. Dass Jia sich indessen für Elektroautos interessiert, hat er im Gespräch mit der Agentur Bloomberg vergangenes Jahr deutlich gemacht. Der Mann, der seine Kleidung mit schwarzem Pulli und Jeans zum dunklen Jacket bei Apple-Gründer Steve Jobs abgeschaut zu haben scheint, sagte, er wolle Elektroautos bauen, um den Smog in seiner chinesischen Heimat zu reduzieren. «Schauen Sie den Himmel über China an. Alle verantwortungsbewussten Firmen wollen etwas dagegen tun.»

«Intelligente Autos»

Neben Entwicklungschef Sampson hat Faraday im vergangenen Jahr noch eine Reihe Ingenieure und Designer sowie andere Experten bei Tesla, bei den traditionellen Detroiter Autobauern oder auch bei Technologiefirmen im Silicon Valley abgeworben. Inzwischen sind es 400 Mitarbeitende. Wer von diesen mit der Presse gesprochen hat, sagte, Faraday lerne aus den Fehlern von Tesla und der Detroiter Autobauer, um das bestmögliche Fahrzeug herzustellen. Firmensprecherin Morris: «Das Leben der Menschen hat sich durch ihre Mobilgeräte verändert. Da hat die Autoindustrie nicht mitgehalten. Im Auto hat man noch immer das Gefühl, abgeschaltet zu sein.» Faradays Chefdesigner Richard Kim, der für Audi, BMW und Porsche arbeitete: «Wir werden intelligente Autos bauen.»

Markt scheint zu existieren

Jedenfalls scheint ein Markt auf Faraday zu warten und Platz neben Tesla zu haben. Der Markt für Luxus-E-Autos in den USA werde von 109 000 Autos kommendes Jahr bis 2023 auf 468 000 wachsen, hat Navigiert Statistica errechnet. Damit würde der Anteil am gesamten Automarkt von 1% auf 3% zunehmen. Musk hat bereits angekündigt, Tesla allein wolle 500 000 Autos im Jahr bauen. Ein Grossteil davon soll in China verkauft werden.