Faire Milch schwappt in die Ostschweiz

Im Projekt «Faireswiss» erhalten Bauern einen Franken pro Liter Milch, weit mehr als den üblichen Milchpreis. Nun sind erste Ostschweizer Landwirte dabei und bald auch Spar.

Thomas Griesser Kym
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Ein Bauer leert Milch von einer Kanne in eine andere um.

Ein Bauer leert Milch von einer Kanne in eine andere um.

Bild: Luca Linder

Gut 64 Rappen pro Kilo betrug der Milchpreis in der Schweiz vergangenes Jahr im Schnitt. Das war etwas mehr als im Jahr davor, aber: Zur Deckung der Produktionskosten wäre 1 Franken nötig, wie eine Studie der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea 2016 festhielt.

Um einen höheren Milchpreis zu erzielen, gibt es mehrere Möglichkeiten: Umstellung auf Biomilch ist eine davon. Eine andere sind Label, die Milch als «fair» und so etwas teurer vermarkten. Beispiele sind «Fairmilk» des Discounters Aldi, der den Bauern 73 Rappen garantiert, oder «Di fair Milch Säuliamt» in Volg- und in Hofläden, wobei die Bauern 25 Rappen als Bonus erhalten. Vergangenes Jahr zog der «Schweizer Bauer» eine Zwischenbilanz: «Konsumenten sind bereit, mehr für Milch zu bezahlen, wenn das Geld bei den Bauern ankommt.»

In der Deutschschweiz noch schmalbrüstig

Vergangenen Herbst ist zudem das Projekt «Faireswiss» hinzugekommen, das auf einem Konzept des European Milk Board (EMB) beruht und in vergleichbarer Form schon in Österreich, Belgien und Frankreich lanciert worden ist.

Die Schweizer Genossenschaft hat ihren Ursprung in der Westschweiz, und die «Faireswiss»-Produkte – Konsummilch und Weichkäse – sind in allen 31 Lebensmittelabteilungen von Manor erhältlich. In der Romandie gibt es zudem lokale Absatzkanäle. Das Problem, wie «Faireswiss» einräumt, ist die Beschränkung in der Deutschschweiz auf Manor. Diversifizierung sei notwendig.

Genossenschaft aus Gaiserwald als Pionierin

Hier kommt «Faireswiss» nun voran: Anfang Juni werden die Produkte auch in die 180 Läden des Lebensmittelhändlers Spar eingespeist. Dieser hat seinen Sitz in St.Gallen und gerade in der Ostschweiz eine relativ starke Präsenz.

Hinzu kommt, dass seit Anfang Jahr mit der Gaiserwalder Käsereigenossenschaft Rüti, die heute eine Milchsammelstelle ist, erste Ostschweizer Milchbauern bei «Faireswiss» dabei sind. Der Abtwiler Landwirt Marcel Gschwend, der die Genossenschaft Rüti präsidiert, spricht von sieben Mitgliedern. Gschwend sagt, zentral für den Erfolg sei, dass die Konsumenten die etwas teurere Milch kauften. Wobei: Wer eine Packung «Faireswiss»-Milch kauft, weiss nicht, was drin ist. Denn die «Faireswiss»-Milch wird nicht von anderer Milch abgesondert. Laut Gschwend spart das Kosten in Verarbeitung und Transport, und entscheidend sei: «Wer einen Liter ‹Faireswiss›-Milch kauft, weiss, dass irgendwo in der Schweiz ein Bauer einen Franken bekommen hat.»

Bauern auf einer Warteliste

Wie wird dieser Franken respektive der Aufschlag auf den normalen Milchpreis von 65 Rappen finanziert? Gschwend sagt, zum einen verzichteten Manor und Spar auf einen Teil ihrer Marge. Zum anderen kostet die Milch im Laden etwas mehr. Spar-Sprecherin Silvia Manser bestätigt Gschwends Angaben. Und sie sagt: «Die Philosophie von ‹Faireswiss›-Milch hat uns überzeugt.»

Gschwend setzt grosse Hoffnungen auf Spar, denn «es ist wichtig, dass wir unsere Absatzkanäle erweitern können». Zumal es eine Warteliste gebe mit 50 Bauern im Land, die auch bei «Faireswiss» mittun möchten.