Fachmesse für Tier und Technik in St.Gallen: «Digitalisierung im Stall ist ein grosser Vorteil»

Die Fachmesse für Tier und Technik ist eröffnet. Für den Direktor der Olma Messen ein besonderer Moment.

Ines Biedenkapp
Merken
Drucken
Teilen
45 Bilder

Bild: Michel Canonica

«Was für ein spezielles Datum», sagt Nicolo Paganini, Direktor der Olma Messen. «Denn wir dürfen heute, am 20.02.2020 das 20-jährige Bestehen der Fachmesse Tier und Technik feiern.» Zugleich wird dies die letzte Messe für Paganini sein, denn er gibt sein Amt auf Ende Mai ab: «Es ist daher auch kein Geheimnis, dass mir diese Messe besonders am Herzen liegt.»

Die Fachmesse stosse auf reges Interesse, sagt der 53-Jährige. Dies sei daran zu erkennen, dass mit über 500 Ausstellern genau doppelt so viele wie zu Beginn vor 20 Jahren dabei seien. Auch habe eine Umfrage an der Messe im vergangenen Jahr gezeigt, dass über 50 Prozent der Besucher jedes Jahr ihren Weg zurück in die Hallen finden. «Wichtig ist, dass sich die Fachmesse weiterentwickelt und auch neue Themen aufnimmt», sagt Nicolo Paganini. «Es würde mich freuen, wenn die späteren Verantwortlichen in zehn Jahren das 30-jährige Bestehen feiern könnten.»

Mit Melkroboter erstmals an der Fachmesse

In dem fast voll besetzten Saal der Halle 9 herrscht lockere Stimmung. Unter den Gästen befinden sich auch Markus Ritter, Esther Friedli, der Präsident Braunvieh Schweiz oder die Präsidentin des Bäuerinnenverbands. Malcolm Green und Marcel Schefer sind für die musikalische Unterhaltung zuständig. Als Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, ans Rednerpult tritt, wird es still. «Ich bin sehr gerne gekommen. Zu der Fachmesse habe ich eine persönliche Nähe», sagt Hofer.

«2006 habe ich hier einen Melkroboter vorgestellt – etwas, dass die Messe Tier und Technik sehr gut verkörpert.»

Für Christian Hofer ist die Agrarpolitik ein Feld, bei dem die ganze Gesellschaft mitwirkt. Und für diesen Austausch sei die Fachmesse ideal. «Die Erwartungen der Gesellschaft sind hoch und vielfältig», sagt Hofer und spricht das immer grösser werdende Interesse an Nachhaltigkeit und Ökologie an. «Als Landwirt oder Landwirtin muss man sich diesen Fragen stellen.»

Nachfrage nach billigem Fleisch ist problematisch

Dabei gebe es jedoch Herausforderungen zu meistern. Vor allem der Einkaufstourismus und die Nachfrage nach billigem Fleisch seien ein Problem. Hofer sieht die Politik in der Pflicht, eine Lösung zu finden. Dafür sei das Programm Agrarpolitik ab 2022 gedacht.

Dieses baut auf fünf Handlungsfeldern auf: dem ökologischen Fussabdruck, dem Tierwohl, der Betriebsentwicklung, der sozialen Absicherung und der Wertschöpfung am Markt. «Der Bundesrat ist der festen Überzeugung, mit diesen Säulen eine glaubwürdige Alternative zu den Bevölkerungsinitiativen zu erheben», sagt Hofer und bezieht sich auf die Massentierhaltungs- und die Trinkwasserinitiative.

Das Ziel: die Agrarpolitik umweltfreundlicher zu gestalten, ohne die Interessen der Landwirte zu verlieren. Ein Beispiel, bei dem dies bereits funktioniere, sei der Zusatzbeitrag für Weidengänger. «Über 80 Prozent der Tiere sind heute im Programm freiwilliger Auslauf», sagt Hofer.

Digitalisierung im Stall

Der Bundesamtsdirektor sieht einen grossen Vorteil in der Digitalisierung. «Dafür braucht es aber auch Mut», sagt Hofer. Er will die Landwirte mit seiner Rede ermutigen, sich auch etwas Neues zu trauen. Für seinen Vortrag erntet er viel Applaus.

An den Ständen in der Halle wird es immer voller. Viele Familien schauen sich die Neuheiten der Landwirtschaft an. Was auffällt: Auch die Aussteller setzen auf Digitalisierung und Vernetzung. So gibt es Ratschläge zur Datenerfassung im Stall oder Tipps zur modernen Einrichtung und dem Aufbau von Geflügelställen.

Mähwerkzeuge oder Schneeschieber

Vor allem die kleinsten Besucher zeigen sich von den Tieren begeistert. Es gibt Küken und Kühe der Rasse Fleckvieh, Holstein oder Angus zu sehen. Kein Wunder gehören die Tiervorführungen zu einem Höhepunkt der Messe. In der Landwirtschaft sind technische Innovationen gefragt wie nie, dennoch zeigen sich einige Landwirte skeptisch. Dafür gibt es einen speziellen Bereich: «Mut tut gut».

Dort wird auf Themen wie Tiergesundheit, Digitalisierung, Smart Farming oder Güllemanagement gesetzt. Doch auch Landmaschinen wie Traktoren oder Mähwerkzeuge finden sich an der Messe. Und manch ein Gast legt sich auch einmal auf den Boden, um sich einen Schneeschieber von unten anzuschauen.