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Alles halb so wild: Der Fachkräftemangel wird überschätzt

Das Fehlen qualifizierten Personals ist eine Herausforderung, aber ein weniger grosses Problem als allgemein angenommen. Die Firmen haben es zudem selber in der Hand, für Abhilfe zu sorgen. Eine wichtige Rolle spielen ältere Arbeitskräfte.
Thomas Griesser Kym
Es liegt an den Firmen selbst, dass sie auf ausreichend Fachkräfte zählen können.Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 20. Januar 2015)

Es liegt an den Firmen selbst, dass sie auf ausreichend Fachkräfte zählen können.Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 20. Januar 2015)

Die Schweizer Konjunktur läuft gut, die Arbeitslosenquote liegt mit 2,4 Prozent auf einem Zehnjahrestief. Also alles in Butter? Nicht ganz. Handelskonflikte schüren Sorgen um den Fortgang der Weltkonjunktur, und hier­zulande bekundet jedes dritte Unternehmen Probleme bei der Besetzung offener Stellen, wie eine Studie des Personalvermittlers Manpower vergangene Woche ermittelt hat. Als Gründe vorgebracht werden mangelnde Fachkompetenz, fehlende Berufserfahrung oder gar ein genereller Mangel an Kandidaten. Am stärksten gesucht werden Fachkräfte wie Elektriker, Mechaniker oder Schweisser.

Den Schweizer Arbeitsmarkt unter die Lupe genommen hat nun auch die Outplacementfirma von Rundstedt, die Arbeitnehmende im Falle von Personalabbau oder Kündigungen bei der beruflichen Neuorientierung betreut. Von Rundstedt hat für die Studie über 500 Linien- und Personalverantwortliche von Unternehmen befragt. Die wichtigsten Befunde: Die Herausforderungen rund um den Fachkräftemangel werden in der öffentlichen Wahrnehmung ebenso überschätzt wie jene des Umgangs mit älteren Mitarbeitenden über 50. Zudem schauen sich viele Firmen zur Besetzung offener Stellen schwergewichtig extern um, während die interne Mobilität gering ist. «Sehr bescheiden» sei zudem die unternehmensinterne Förderung der Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeitender.

So gehen Firmen mit älteren Arbeitnehmenden um

Immer wieder grosse Themen in Umfragen, Diskussionen usw. sind der Fachkräftemangel sowie der Vorwurf, Arbeitgeber diskriminierten ältere Arbeitskräfte, Dies etwa, weil diese wegen höherer Löhne und Pensionskassenbeiträge teurer seien als junge Kräfte, oder weil mit zunehmendem Alter die Leistungsfähigkeit und die Bereitschaft zu Veränderungen abnehme. Dem gegenüber steht freilich eine grössere Erfahrung als jene junger Kollegen.

Das zeigt, dass das Thema Diskriminierung von Ü50 häufig von Einzelfällen getrieben ist und in der Realität kaum strukturell nachgewiesen werden kann.

Von Rundstedt hat ermittelt, dass die befragten Personalverantwortlichen in der öffentlichen Wahrnehmung mehrheitlich eine Benachteiligung älterer Arbeitskräfte einräumen, und zwar 60 Prozent bei Kündigungen, 42 Prozent bei internen Beförderungen und 81 Prozent bei Neueinstellungen. Aus der eigenen Erfahrung im eigenen Unternehmen aber können oder wollen die gleichen Befragten eine solche Benachteiligung auf breiter Front nicht feststellen. Hier reduziert sich die Benachteiligung Älterer auf 20 Prozent bei Kündigungen, 21 Prozent bei internen Beförderungen und 31 Prozent bei Neueinstellungen. Pascal Scheiwiller, Chef der von Rundstedt & Partner Schweiz AG, sagt dazu: «Das zeigt, dass das Thema Diskriminierung von Ü50 häufig von Einzelfällen getrieben ist und in der Realität kaum strukturell nachgewiesen werden kann.» Scheiwiller verweist zudem auf Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft, wonach die Erwerbsquote der Über-50-Jährigen steigt.

So können Unternehmen den Fachkräftemangel entschärfen

Ein ähnliches Bild zeichnet von Rundstedt betreffend des Fachkräftemangels. In der öffentlichen Wahrnehmung in der Schweiz wird dieser laut den Befragten zu 81 Prozent als «eher gross» oder «sehr gross» eingestuft. Im eigenen Unternehmen dagegen erhalten diese beiden Qualifizierungen noch eine Zustimmung von 59 Prozent (siehe Grafik). Fazit Scheiwillers: «Das Problem des Fachkräftemangels wird überschätzt.» Allerdings: «Man ist sich mehrheitlich einig, dass Fachkräftemangel in der Schweiz eine aktuelle Herausforderung darstellt.»

So wichtig ist der Fachkräftemangel

Beurteilung von über 500 Personalverantwortlichen, in Prozent
öffentliche Wahrnehmung
im eigenen Unternehmen
sehr kleineher kleineher grosssehr gross0204060

Laut von Rundstedt könnten Firmen einen Beitrag leisten, den Fachkräftemangel zu entschärfen. Zum Beispiel, indem sie bei der Besetzung offener Stellen den Fokus stärker nach innen richten. Laut der Umfrage besetzen nämlich 62 Prozent der Arbeitgeber weniger als ein Viertel der offenen Stellen mit internen Kandidaten. Und lediglich 10 Prozent der Arbeitgeber greifen bei mehr als jeder zweiten offenen Stelle intern zu. Für Scheiwiller lässt dies die Schlussfolgerung zu, «dass die Potenziale der internen Mobilität und Entwicklung der bestehenden Mitarbeiter nur wenig genutzt werden. Dies wäre aber gerade bei Schlüsselstellen mit weniger Risiko und Kosten verbunden.»

Mit Blindbewerbung zur Einstellung

Ein weiterer Befund: Gerade mal 58 Prozent der Arbeitgeber unterstützen auch ältere Mitarbeitende gezielt bei der Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung ihrer Beschäftigungs- und Marktfähigkeit. Ermutigend sei, dass 57 Prozent der Personalverantwortlichen der Idee des Industrieverbandes Swissmem für eine Berufslehre gerade auch für ältere Arbeitskräfte im Sinne einer Umschulung positiv gegenüber stehen und eine solche im eigenen Unternehmen begrüssen und unterstützen würden. Generell rät von Rundstedt den Arbeitgebern, mehr zu tun für ältere Mitarbeitende, nicht zuletzt mit Blick auf die digitale Transformation. Natürlicher Inländervorrang in vielen Betrieben Bei der Affinität zu Technologie und sozialer Kommunikation legt denn auch eine kleine Mehrheit von 52 Prozent der Befragten dies Älteren als Nachteil aus.

Im Allgemeinen aber räumen die Personalverantwortlichen auf mit Vorurteilen gegenüber Ü50. Zwar werden der Umgang mit Veränderungen, eine geringere Agilität, Flexibilität, Dynamik und Einsatzfreude, eine schwierigere Führbarkeit und Teamintegration sowie höhere Kosten da und dort als Nachteile älterer Arbeitskräfte genannt, aber nirgends mehrheitlich. Scheiwiller rät deshalb Ü50-Stellensuchenden, sich «mehr mit der Positionierung ihres beruflichen Kompetenz- und Erfahrungsprofils auseinanderzusetzen». Zudem beobachtet er, dass Blindbewerbungen wieder aussichtsreicher sind: 54 Prozent der Arbeitgeber messen diesen grosse Wichtigkeit bei. Vor allem KMU (75 Prozent) nutzten und berücksichtigten Blindbewerbungen systematisch für Rekrutierungsprojekte.

Natürlicher Inländervorrang herrscht vor

Im Weiteren sagen die Personalverantwortlichen grossmehrheitlich, sie bevorzugten Schweizer ge­genüber ausländischen Ar­beitskräften. Laut Scheiwiller spielen damit bei der Rekrutierung neben den Profilen der Bewerber auch pragmatische Faktoren eine Rolle wie die sprachliche und kulturelle Integration. Und es zeigt für Scheiwiller, dass der natürliche Inländervorrang funktioniere und es nicht unbedingt einer staatlichen Regulierung wie dem «Inländervorrang light» mit Stellenmeldepflicht bedürfe. Auch von den befragten Personalverantwortlichen beurteilt nur jeder Fünfte diese neue Vorschrift als hilfreich einerseits für die Ü50 sowie andererseits zur Minderung des Fachkräftemangels.

Über fünf Millionen Beschäftigte

Im zweiten Quartal dieses Jahres sind in der Schweiz 5,048 Millionen Personen beschäftigt gewesen. Das sind 2,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist und 0,4 Prozent mehr als im Vorquartal, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilt. In der Industrie wuchs die Beschäftigung im Vorjahresvergleich um 1,3 Prozent. Damit hält die Zunahme an: Im Schlussquartal 2017 hatte das BFS erstmals seit drei Jahren ein Beschäftigungswachstum in der Industrie registriert. (awp)

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