FACHKRÄFTE: «Die Bewerber sind wählerisch»

Viel ist die Rede vom Fachkräftemangel. Unternehmen können diesen laut Experten lindern, indem sie sich auf dem Stellenmarkt im besten Lichte präsentieren und ihre Werte leben.

Martin Sinzig
Drucken
Teilen
Helfen der Industrie bei der Suche nach Ingenieuren: Franz Zaugg (links) und Hansueli Werren. (Bild: Martin Sinzig)

Helfen der Industrie bei der Suche nach Ingenieuren: Franz Zaugg (links) und Hansueli Werren. (Bild: Martin Sinzig)

Interview: Martin Sinzig

«Auf dem Personalmarkt müssen sich heute Unternehmen genau so gut präsentieren wie ein Kandidat.» Das sagen Franz Zaugg und Hansueli Werren von der Werren und Thomann GmbH aus Sulgen.

Hansueli Werren, Sie suchen und selektionieren seit 20 Jahren Ingenieure und Techniker für die Industrie. Was hat sich verändert?

Hansueli Werren: Für die Suche von Bewerbern war die Zeitung das dominierende Medium. Topspezialisten sind heute meistens nur noch über die sozialen Medien aktiv. Die Internetstellenbörsen haben also bereits wieder an Bedeutung verloren. Zudem hat ein Kulturwandel bei den Kandidaten und Arbeitgebern stattgefunden. Beide stellen Ihre Interessen in den Vordergrund und denken weniger langfristig.

Franz Zaugg, der Fachkräftemangel bleibt ein Dauerthema. Wie ist die Lage?

Franz Zaugg: Es wird ein Dauerthema bleiben, aber man darf nicht verallgemeinern. Sicher ist die Industrie stark betroffen, vor allem in der Softwareentwicklung. Zudem wechseln gute Fachkräfte oft in leitende Funktionen, was die Situation zusätzlich verschärft.

Welches sind die wichtigsten Lösungsansätze?

Zaugg: Vieles wird von den Unternehmen bereits gelebt, zum Beispiel das Werben an den Hochschulen oder die interne, echte Förderung und Entwicklung der Mitarbeitenden. Wir müssen den Arbeitsplatz Schweiz aber vor allem auch für Kräfte aus dem Ausland attraktiv machen. Es ist Tatsache, dass der Markt für gewisse Berufsgattungen völlig ausgetrocknet ist. Wir arbeiten mit einem Partnerunternehmen in Deutschland zusammen, um gute Fachkräfte für einen Umzug in die Schweiz zu motivieren.

Sind über 50-jährige Fachleute wirklich schlechter vermittelbar?

Werren: Wenn ein Bewerber aus fachlicher und persönlicher Sicht schnell einen wertvollen Beitrag beisteuern kann, hat auch ein älterer Bewerber gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Arbeitgeber sind heute aber vielfach nicht mehr bereit, ältere Mitarbeitende über eine längere Zeitdauer einzuarbeiten. Da zudem die Sozialkosten für ältere Mitarbeitende deutlich höher sind, sind ihre Chancen in der Regel tatsächlich schlechter auf dem Arbeitsmarkt.

Oft unterschätzen kleine und mittlere Unternehmen die Anforderungen an die Rekrutierung. Was können sie verbessern?

Zaugg: Die Unternehmen müssen verstehen, dass Bewerber wählerisch sind. Das heisst: Die Unternehmen müssen sich genau so gut präsentieren, wie es ein Kandidat muss. Zudem sind die Unternehmen durch ehemalige Mitarbeitende auf diversen Plattformen bewertet, ähnlich wie man es für Hotels oder Restaurants macht.

Welche Punkte müssen Firmen besonders beachten?

Der Kandidat erhält heute vor einer Bewerbung sehr viele Informationen zum Beispiel über die Führung und Kultur. Wichtige Punkte sind dabei eine klare Strategie, ein gelebtes Leitbild, Respekt und Wertschätzung, eine gute Chemie zwischen den Mitarbeitenden. Monetäre An­sprü­che sind oft zweitrangig.