EZB dürfte Zinszügel nicht weiter lockern

FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird Experten zufolge ihr Pulver trotz höherer Konjunkturrisiken nach dem Brexit-Votum vorerst trocken halten.

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FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird Experten zufolge ihr Pulver trotz höherer Konjunkturrisiken nach dem Brexit-Votum vorerst trocken halten. Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter auf ihrer Ratssitzung am kommenden Donnerstag die Leitzinsen nicht antasten werden, die seit März auf dem Rekordtief von 0,0% liegen. Sie halten es aber für möglich, dass EZB-Chef Mario Draghi Stellschrauben des umstrittenen Anleihenkaufprogramms justiert oder dies zumindest in Aussicht stellt. Denn nach dem Ja der Briten zum EU-Austritt waren viele Investoren in als sicher geltende deutsche Staatsanleihen geflüchtet. In der Folge sanken die Renditen. Der EZB könnten damit bald Engpässe bei ihren Käufen drohen – und so eines ihrer wichtigsten Instrumente ins Stocken geraten.

«Das EZB-Treffen wird von der Brexit-Abstimmung dominiert werden», sagt denn auch Carsten Brzeski, Deutschland-Chefökonom der Bank ING. Die Sitzung komme aber zu früh, um das Ausmass negativer wirtschaftlicher Folgen für die Eurozone schon abzuschätzen. «Wir glauben, dass die EZB schlichtweg versuchen wird, Zeit zu kaufen.»

Nach Einschätzung von Helaba-Ökonom Ulf Krauss hat die EZB auch die Bank of England fest im Blick. Die Hauptbetroffenen eines Brexit müssten sich als erste bewegen. «Alles andere würde nur Fragen bezüglich der Stabilität des Euroraums provozieren.» Die Bank of England hatte ihre Leitzinsen am Donnerstag stabil gehalten. (rtr)