Exporte sind weniger wert

Die St. Galler Firmen exportieren insgesamt mehr, bekommen dafür aber weniger. Auch im dritten Quartal ging der Wert der Exporte zurück. Hingegen sorgt der schwache Euro für einen Boom bei den Fahrzeugimporten.

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ST. GALLEN. Von Juli bis September 2011 exportierten St. Galler Firmen Waren für 2,52 Milliarden Franken, wie die kantonale Fachstelle für Statistik meldet. Das ist ein Rückgang von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im zweiten Quartal hatte die Abnahme noch 2,2 Prozent betragen. Teuerungsbereinigt nahmen die Exporte gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahrs aber um 4,7 Prozent zu. Das sei wohl auf den starken Franken zurückzuführen: Die Firmen exportierten zwar mehr, die erzielten Erlöse waren in Franken aber weniger wert.

Rückgang bei Textilien

Den stärksten Rückgang verzeichnete im dritten Quartal die Textilindustrie. Sie exportierte für 98,4 Millionen Franken, 16,6 Prozent weniger als im Vorjahr – auch teuerungsbereinigt ist das noch ein Rückgang von 11,6 Prozent. Auch andere Warenarten waren auch real betroffen. Die Ausfuhren von Leder und Kunststoffen gingen nominal um 8,8 Prozent auf 112 Millionen Franken zurück, Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie wurden für 264,4 Millionen Franken ausgeführt, 6,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Ebenfalls über 6 Prozent gingen die Ausfuhren von Metallen zurück, mit 402,3 Millionen zweitwichtigste Güterkategorie. Hart traf die negative Teuerung die Exporteure von Chemikalien: Real exportierten sie 1,6 Prozent mehr, nominal sanken ihre Exporte um 10,7 Prozent auf 172,2 Millionen Franken.

Weiter auf Wachstumspfad war hingegen die wichtigste Güterkategorie: Für 916 Millionen Franken wurden im dritten Quartal Maschinen und Elektronik exportiert, 5,3 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Teuerungsbereinigt stiegen die Exporte in dieser Kategorie gar um über 10 Prozent. Ebenfalls zulegen konnten die Lebensmittelexporte, die um 2,2 Prozent auf 366,2 Millionen Franken stiegen. Die Fahrzeugindustrie führte 4,9 Prozent mehr aus, was 96,5 Millionen Franken entspricht.

Exportstärkster Wahlkreis war das Rheintal mit 949,3 Millionen Franken, 2,8 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Am stärksten zurück gingen aber die Exporte aus dem Wahlkreis Rorschach. Sie betrugen noch 172,8 Millionen Franken, 18,7 Prozent unter der Vorjahresperiode. Knapp zwei Drittel der Ausfuhren gingen in den europäischen Raum, gefolgt von Amerika und Asien. 77,7 Prozent der Ausfuhren wurden über den Strassenverkehr abgewickelt.

Fahrzeugimport boomt

Eine Zunahme verzeichneten im dritten Quartal die Importe. Sie betrugen im dritten Quartal 2,13 Milliarden Franken. Wertmässig ist das zwar nur eine Zunahme um 0,8 Prozent – berücksichtigt man aber die Teuerung, beziehungsweise den Währungskurs, stiegen die Einfuhren in den Kanton um 6,2 Prozent. Während allerdings weniger Leder und Kunststoffe, Chemikalien und Textilien eingeführt wurden, erleben die Fahrzeugimporte dank des tiefen Euro einen regelrechten Boom: Für 119,3 Millionen Franken führte die Ostschweiz Fahrzeuge ein: rund die Hälfte mehr als im dritten Quartal 2010. (ken)