EXPANSION: Stadler Rail fasst Fuss im Kaukasus

Der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer erwägt den Bau eines Werks in Georgien. Zudem interessiert sich Peter Spuhlers Unternehmen für das Projekt einer Rollenden Autobahn zwischen Frankreich und Spanien.

Thomas Griesser Kym
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Ein Stadler-Zug der Georgischen Staatsbahn. (Bild: railway.ge/PD)

Ein Stadler-Zug der Georgischen Staatsbahn. (Bild: railway.ge/PD)

Vor drei Jahren hat die Staatsbahn Aserbaidschans (ADY) bei Stadler Rail 27 Schlaf- und 3 Speisewagen bestellt. Zwecks eines lokalen Anteils an der Fertigung, auf dem der Kunde bestand, wollte Stadler in der Kaukasus-Republik ein Werk bauen, und Firmenpatron Peter Spuhler plante von dort aus die Expansion in andere Märkte in der Region wie Georgien, Usbekistan oder die Türkei. Doch Anfang 2016 zog sich die ADY wegen Finanzierungsproblemen vom Projekt zurück, das als Joint Venture geplant war, und Stadler blies den Bau des Werks ab. Stattdessen werden die bestellten Wagen plus fünf Regionaltriebzüge für die ADY in Altenrhein und Minsk gefertigt.

Doch nun nimmt Stadler erneut Anlauf, um mit einer physischen Präsenz einen Fuss in den Kaukasus zu setzen. Ende Juni hat Spuhler zusammen mit dem georgischen Wirtschaftsminister Giorgi Gakharia in der Hauptstadt Tiflis eine Absichtserklärung unterzeichnet. Diese sieht vor, dass Stadler in Georgien ein Werk baut, das laut Gakharia neue Züge und Wagen baut sowie Unterhalt, Service und Repara­turen vornimmt. Auch Spuhler sprach an der Zeremonie laut der Website der georgischen Regierung von einer Fabrik für die Produktion von Rollmaterial. Das umfasse Doppelstöcker, Schlafwagen und Metrozüge. Stadler-Sprecherin Marina Winder will diese Angaben Georgiens nicht kommentieren, sondern sagt, generell nehme Stadler erst dann Stellung, wenn Verträge fixfertig unterschrieben seien. Im Falle Georgiens wird laut der Regierung zunächst eine Machbarkeitsstudie für das Werk erstellt. Gehe alles glatt, könne der Bau gegen Ende 2018 beginnen.

Stadler-Züge verkehren bereits in Georgien

Die Georgische Staatsbahn (GR) verfügt bereits über vier Doppelstöcker des Typs Kiss, die Tiflis mit den Badeorten am Schwarzen Meer verbinden. Die Züge wurden vergangenen Sommer und diesen Frühling ausgeliefert und waren ursprünglich von der russischen Aeroexpress für deren Bahnverkehr zwischen Moskau und den Hauptstadtflughäfen bestellt worden. Wegen Finanzierungsproblemen nahm Aeroexpress dann aber weniger Züge ab als geplant. Auch Stadlers Rollmaterial für die ADY wird auf der Strecke von Aserbaidschan in die Türkei durch Georgien fahren.

Immer wieder mal aufs Tapet gelangt die Idee einer Rollenden Autobahn zwischen Frankreich und Spanien, wobei ganze Lastwagen oder Sattelauflieger auf Güterzüge mit Niederflurwagen verladen würden. Auf Einladung der Transportministerien der beiden Länder haben die spanische Stadler-Tochter Stadler Valencia und vier weitere Unternehmen Vorschläge für solches Rollma­terial eingereicht. Diese werden nun geprüft und sollen mithelfen, Interessenten für den Betrieb der Rollenden Autobahn zu finden.

Thomas Griesser Kym