EXPANSION: ABB mit erneuter Milliardenübernahme

Der Kauf der Elektrifizierungssparte von General Electric für 2,6 Milliarden soll ABB stärken.

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Mit der Übernahme von GE Industrial Solutions für 2,6 Milliarden Dollar in bar will der Technologiekonzern ABB seine Marktstellung in den USA deutlich ausbauen. Die Einkaufstour von ABB sei damit vorerst beendet, sagt ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. Die GE-Sparte ist bereits die zweite Grossübernahme von ABB in diesem Jahr, das für den Konzern ein Übergangsjahr sein soll. General Electric (GE) wollte diese nicht zum Kerngeschäft gehörende Sparte bereits im Dezember verkaufen, war sich aber mit ABB uneins über den Preis.

ABB will GE Industrial Solutions, die mit 13500 Mitarbeitenden 2,7 Milliarden Dollar umsetzt, in seine zweitgrösste Division, die Elektrifizierungssparte, integrieren. GE Industrial Solutions stellt Elektrobauteile und Stromaggregate her. In der Elektrifizierung setzt ABB mit dem GE-Geschäft zusammen künftig 12,3 Milliarden Dollar um. Damit baut ABB die Marktstellung als Nummer zwei hinter dem Rivalen Schneider deutlich aus.

Marktanteile verloren

Spiesshofer räumt ein, dass die GE-Tochter in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren ha­be. «Aber wir bringen mit unseren Produkten und unserer Forschung Sauerstoff in das Geschäft von GE Industrial Solutions», betont er. Die GE-Tochter wiederum verfüge über ein grosses Kundennetzwerk und Produktions­kapazitäten. Er sehe grosses Wertsteigerungspotenzial. Es sei der US-Markt, wo die Musik spiele. Der US-Elektrifizierungsmarkt habe ein Jahresvolumen von 32 Milliarden Dollar und wachse jährlich um 2 Prozent. Das Geschäft profitiert weltweit vom steigenden Stromverbrauch und der schnellen Verbreitung von Elektrofahrzeugen sowie der Digitalisierung.

Profitabilität hinkt hinterher

Ein wichtiger Teil der Vereinbarung ist für ABB eine langjährige Lieferbeziehung zwischen ABB und dem GE-Konzern. «GE wird mehr ABB-Produkte kaufen – nicht nur für die Elektrifizierung, sondern das ganze Portfolio», sagt Spiesshofer. Erwarteten Synergien stehen wahrscheinliche Restrukturierungen und ein Stellenabbau gegenüber. Letzterer soll aber durch den Ausbau anderer Geschäfte gedämpft werden.

Der neuste Schachzug wird ABB nicht so bald zu einem Profitabilitätssprung verhelfen. Die Margen der Division Elektrifizierungsprodukte von ABB werden in einer ersten Phase belastet. Die operative Marge auf Stufe Ebita der GE-Tochter lag 2016 bei 6%. Dennoch hält Spiesshofer am Ebita-Margenziel der Elektrifizierungssparte von 15 bis 19 Prozent bis 2020 fest.

ABB hatte bereits im April eine Übernahme für 1 bis 2 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Dabei handelt es sich um den österreichischen Steuerungshersteller B&R. ABB ist momentan im Umbau. Dem Druck des schwedischen Grossaktionärs Cevian, der den Verkauf der Sparte Stromnetze (Power Grids) forderte, hat ABB bisher Stand gehalten. (sda/red)