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EXODUS: Eine Region blutet aus

Immer mehr Unternehmen kehren Katalonien den Rücken. Sie fürchten in Zeiten von wachsender politischer Instabilität um ihre Geschäfte. Gemäss Experten könnte dies fatale Folgen für die spanische Wirtschaft haben.
Ralph Schulze, Madrid
Menschenschlange in einer Filiale der Bank La Caixa in Barcelona. Die grösste Sparkasse Spaniens erlebte gestern einen Run auf die Konten. (Bild: Emilio Morenatti/AP)

Menschenschlange in einer Filiale der Bank La Caixa in Barcelona. Die grösste Sparkasse Spaniens erlebte gestern einen Run auf die Konten. (Bild: Emilio Morenatti/AP)

Ralph Schulze, Madrid

Jeder Tag, den der katalanische Unabhängigkeitskonflikt andauert, ist ein schwarzer Tag für die Wirtschaft Kataloniens. Hunderte Unternehmen dieser bisher wirtschaftlich so erfolgreichen spanischen Region haben Katalonien seit dem 1. Oktober, dem Tag des verfassungswidrigen ­Unabhängigkeitsreferendums, bereits den Rücken gekehrt.

Begonnen hat der Exodus bei den Banken. Auslöser bei den Banken wie etwa La Caixa, der grössten Sparkasse Spaniens, oder bei Banco Sabadell war der Run auf die Konten. Die Kunden befürchteten, dass ihre Depots durch eine drohende Abspaltung Kataloniens nicht mehr vom ­spanischen Einlagensicherungsfonds gedeckt sein könnten. Nach der Verlegung der Bankzentralen nach Madrid oder ­Valencia beruhigten sich die Gemüter erst einmal. Den Banken ­folgten wichtige strategische Unternehmen wie der Versorger Gas Natural, der Mautautobahnbetreiber Abertis oder der Versicherungskonzern Catalana Occidente. Insgesamt haben seit ­Anfang Oktober mehr als 900 Firmen die Koffer gepackt.

Gestern wollte die Unabhängigkeitsbewegung ihre Muskeln spielen lassen und die abwanderungswilligen Firmen abstrafen: Sie hatte ihre Anhänger aufgerufen, zwischen 8 und 9 Uhr landesweit die Bankautomaten zu belagern und Geld abzuheben. Aus Protest gegen den Umzug der ­katalanischen Geldinstitute, von denen in den letzten Tagen alle bis auf eines ihren Sitz in friedlichere spanische Regionen verlegten. Doch die Aktion hatte offenbar wenig Erfolg: Es gab zwar vor einigen der insgesamt 6000 Automaten in der Region kleinere Schlangen. Aber der angestrebte Kollaps des Systems blieb aus. «Alle Automaten», berichtete ein Bankensprecher, «haben ganz normal funktioniert.»

Dennoch wirft die Abwanderungswelle die Frage auf, ob Katalonien wirtschaftlich ausblutet. Alle abwandernden Unternehmer eint die gleiche nachvollziehbare Sorge: dass die wachsende politische Instabilität und rechtliche Unsicherheit in der Region ihre Geschäfte schädigen könnte. Zumal die EU-Kommission keinen Zweifel daran liess, dass Katalonien im Falle einer Unabhängigkeit erst einmal aus der EU ausscheiden würde. Mit einem «Katalexit» würde Katalonien auch die Zoll- und Handelsfreiheit des EU-Binnenmarktes verlieren. Dem wollen immer mehr Konzernchefs durch einen Umzug ihrer Zentralen in sicherere spanische Regionen vorbeugen.

Den Träumen der Separatistenregierung von einer erfolgreichen katalanischen Republik, in der es den Menschen besser geht als unter dem Dach des spanischen Königreichs, könnte ein böses Erwachen folgen.

Tourismusbranche auf Talfahrt

Auch, weil das Urlaubsgeschäft, Kataloniens wichtigstes Wirtschaftsstandbein, massiv einbricht. Auf rund 20 Prozent bezifferte die Reisebranche den Touristenrückgang in diesen Krisenwochen. Wenn der Konflikt zwischen Barcelona und Spaniens Zentralregierung in Madrid nicht bald gelöst werde, könnte es weiter abwärts gehen, heisst es pessimistisch. Auch der Reisehinweis der deutschen Regierung wirkt wenig beruhigend: «In ­Katalonien bleibt die Lage weiter volatil und angespannt. Abhängig von den Schritten der Regionalbehörden und des Zentralstaats kann es jederzeit zu Protestaktionen und gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen.»

Die Separatismusfahrt des katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont könnte also nicht nur weitere Spannungen, sondern auch einen ökonomischen Crash nach sich ziehen. Schon jetzt ist absehbar, dass Katalonien seine Rolle als iberische Wirtschaftslokomotive verlieren wird. Ganz unabhängig davon, ob das Ziel der Unabhängigkeit erreicht wird oder nicht. Im Jahr 2016 wuchs diese Region mit 3,5 Prozent noch stärker als Gesamtspanien (3,2 Prozent). Doch demnächst dürfte das abdriftende Territorium von der Region Madrid überholt werden. Die spanische Hauptstadtregion ist auf dem Weg zum neuen ökonomischen Zugpferd der Nation.

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