Ex-CS-Bankerin erklärt sich für schuldig

Renzo Ruf, Washington
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US-Steuerstreit Die Verhaftung der ehemaligen Credit-Suisse-Bankerin erfolgte am Flughafen Dulles International, vor den Toren der Hauptstadt Washington. Am Dienstag stellte sich die 56-jährige Schweizerin freiwillig den amerikanischen Ermittlungsbehörden – nachdem sie sich fast sechs Jahre lang dem langen Arm der US-Justiz entzogen hatte. Tags darauf bekannte sie sich vor einem Bundesgericht in Alexandria (Virginia) für schuldig, amerikanischen Steuerzahlern beim Betrügen des Fiskus behilflich gewesen zu sein.

Sie war eine von acht Angeklagten aus dem Umfeld der Credit Suisse, die im Frühjahr und Sommer 2011 zur Verhaftung ausgeschrieben worden waren. Vier Mitglieder dieser illustren Gruppe haben sich mittlerweile freiwillig gestellt. Sie erhielten mehrjährige Bewährungsstrafen aufgebrummt, und wurden zur Zahlung von Bussen verurteilt. Die Ex-CS-Bankerin wird im September erfahren, wie hoch ihre Strafe ausfallen wird.

Bei Reisen gegen Vorschriften verstossen

Aus der Sachverhaltsdarstellung in den Gerichtsakten geht hervor, dass die Mitarbeiterin als Leiterin des Zürcher Nordamerika-Desk der Credit Suisse regel- mässig in die USA reiste, um Bankkunden zu beraten – darunter auch solche, die ihre Schweizer Konten vor der amerikanischen Steuerverwaltung versteckten. Sie verfügte zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht über die notwendigen Lizenzen, und verstiess bei ihren Reisen deshalb gegen US-Vorschriften und Gesetze.

Sie gab in den Gerichtsdokumenten auch zu, dass sie ihren Kunden geholfen habe, nachdem die Credit Suisse im Zuge des Steuerstreits zwischen den USA und der Schweiz mit der Auflösung von Konten begann. Einem Kunden habe sie geraten, einfach die Bahnhofstrasse in Zürich hinunterzulaufen, und sich eine neue Bank zu suchen. Dabei überreichte sie dem Kunden einen Papiersack, in dem sich rund 1 Million Dollar an Schwarzgeld befunden haben soll. Weitere US-Kunden habe sie an andere Institute wie die Bank Frey oder die Bank Wegelin verwiesen, heisst es in der Agentur SDA.

Die Sachverhaltsdarstellung enthält zudem Vorwürfe an ihren ehemaligen Vorgesetzten, der seit 2011 in den USA ebenfalls zur Verhaftung ausgeschrieben ist. Ihr Chef soll sie ausdrücklich damit beauftragt haben, interne Direktiven zu missachten, wie sie vor Gericht sagte. So habe sie auf ihren Reiseberichten vertuschen müssen, dass sie aus geschäftlichen Gründen in die USA reiste.

Renzo Ruf, Washington