Eurostärke: Trendwende oder Strohfeuer?

Seit Mitte Juli ist beim Wechselkurs des Frankens zum Euro eine deutliche Aufwärtsbewegung zu beobachten. Nach einer längeren Phase in einem engen Handelsband legte der Euro zum Franken um über 4% zu. Weniger ausgeprägt wertete der Euro gegenüber dem Dollar auf.

Daniel Wachter, Strategieanalyst der St. Galler Kantonalbank
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Seit Mitte Juli ist beim Wechselkurs des Frankens zum Euro eine deutliche Aufwärtsbewegung zu beobachten. Nach einer längeren Phase in einem engen Handelsband legte der Euro zum Franken um über 4% zu. Weniger ausgeprägt wertete der Euro gegenüber dem Dollar auf.

Griechenland im Hintergrund

Ein besonderer Grund für den Höhenflug ist schwierig zu eruieren. Gerüchte, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) hinter der Frankenschwäche steckt, werden nicht bestätigt. Bekannt ist, dass die SNB beispielsweise nach Ankündigung des Referendums in Griechenland aktiv wurde, als es zu verstärkten Geldzuflüssen in den sicheren Franken-Hafen kam. Die Entwicklung der SNB-Sichtguthaben deutet aber nicht auf ein massives Eingreifen am Devisenmarkt hin.

Sicher spielt die weiterhin unruhige Situation in Griechenland eine wichtige Rolle. Doch die versöhnlichen Töne zwischen der griechischen Regierung und den internationalen Geldgebern hat der teilweise hitzigen Schuldendiskussion die Brisanz genommen. Das Kreditpaket für das krisengeschüttelte Griechenland wird immer konkreter. In den nächsten drei Jahren sollen laut der griechischen Regierung weitere 85 Mrd. € nach Athen fliessen. Im Gegenzug verspricht Griechenland Strukturreformen. Auch wenn sich die Krise entschärft hat – der Weg Griechenlands bleibt voller Herausforderungen.

Lebenszeichen aus der Eurozone

Erfreulich sind die vereinzelten Silberstreifen am europäischen Konjunkturhimmel. Vorlaufende Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex PMI zeigen eine zunehmende Zuversicht. Zwar sackte der griechische PMI im Juli auf ein historisches Tief von 30 Zählern ab. Die mehrwöchigen Bankenschliessungen und Kapitalverkehrskontrollen haben Spuren in der griechischen Wirtschaft hinterlassen. Doch schwappte die Krise nicht auf die restliche Eurozone über. So zeigte sich der Industrie-PMI der Eurozone robust. Das Stimmungsbarometer verharrt weiterhin komfortabel über der Marke von 50, was Wachstum signalisiert.

EZB, Euro und Öl als Stützen

Das heisst zwar nicht, dass die Eurozone vor einem wirtschaftlichen Boom steht. Allerdings passt die Entwicklung der vier grössten Euroländer ins allgemeine Bild einer allmählichen Erholung. Deutschland, Frankreich (trotz Wachstumspause im 2. Quartal), Italien und Spanien können gleichzeitig unter Mithilfe eines tiefen Euro und der nochmals gefallenen Rohwarenpreise erstmals seit längerem Wirtschaftswachstum vorweisen. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird zudem mit stark expansiver Geldpolitik der Konjunktur Rückenwind geben.

Euro schwächer erwartet

Die Aufwertung des Euro zum Franken stufen wir nicht als nachhaltig ein. Zwar zeigt die Eurozone bessere Konjunkturaussichten, und die Erleichterung wegen Griechenland ist spürbar. Die Aufwertung steht aber auf tönernen Füssen. Weil die Geldpolitik der EZB stark expansiv bleibt. Und weil dem Franken seine Rolle als Fluchtwährung nicht so schnell abhanden kommen wird.