Europa rettet das Geschäft

Als eine von wenigen griechischen Industriefirmen hat Neotex die Belegschaft gehalten, ohne die Löhne zu senken. Der frühe Exportbeginn zahlt sich aus.

Anke Stefan
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Das OAKA-Stadion in Athen. (Bild: epa)

Das OAKA-Stadion in Athen. (Bild: epa)

ELEFSINA. Das 6000 Quadratmeter grosse Firmengelände liegt 20 Kilometer westlich von Athen, nahe am Ende der Autobahn, die sich vom Flughafen über die Hauptstadt bis hier nach Elefsina erstreckt. Es riecht nach Farbe – Neotex ist ein Farbenhersteller.

«Unsere Spezialität sind Spezialanstriche zum Beispiel für Industrieböden, für Schwimmbecken und zur Versiegelung von Dachterrassen», sagt Irini Koutsoukou. Die junge Marketingchefin arbeitet seit fünf Jahren im Familienunternehmen, das 1959 gegründet wurde. Damals gehörte Neotex zu den ersten in der Branche, die sich auf Spezialfarben und Dämmstoffe spezialisierten.

Zulieferer für Olympia 2004

Anfangs wurde vor allem importiert und weiterverkauft. In den 70er-Jahren begann die Firma, sich auf die Herstellung eigener Produkte zu spezialisieren, die vom werkseigenen Forschungsteam entwickelt werden. Die Hinwendung zum Export war ein «strategischer Entscheid, den wir seit 2003 verfolgen – zu einer Zeit, als wir Probleme hatten, auch nur schon der inländischen Nachfrage gerecht zu werden», sagt Neotex-Direktor Alexandros Katraouzos. Damals gehörte das Unternehmen zu den Zulieferern für eine Reihe wichtiger olympischer Bauten, darunter Athens Metro und Flughafen, das olympische Dorf oder das OAKA-Stadion, in dem die Spiele 2004 eröffnet wurden.

Export mitten im Bauboom

Das Wagnis, bereits in den fetten Jahren der griechischen Bauindustrie vor den Olympischen Spielen auf den Aufbau eines Exportmarktes gesetzt zu haben, hat sich für Neotex ausgezahlt. Produkte der Firma stecken im Russischen Theater von Moskau, dem Stadion Quemal Stafa in Tirana oder der georgischen Nationalbank in Tiflis. Die selbstentwickelte flüssige Dichtmasse Neoroof versiegelt Flachdächer vom russischen Nowosibirsk über den Arabischen Golf bis nach Französisch-Guayana in Südamerika.

Angesichts des in der Krise dramatisch geschrumpften inländischen Bausektors ist Neotex damit heute gut aufgestellt. Im Gegensatz zu vielen anderen griechischen Firmen hat Neotex weder Arbeitsplätze abgebaut noch Löhne gesenkt. Mit bald 50 Mitarbeitenden könnte Neotex sogar bald die Grenze vom kleinen zum mittleren Betrieb überschreiten.

Schaden könnte Neotex einzig ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro. Denn die Produktionskosten hängen in hohem Masse von den Preisen der zu importierenden Grundstoffe ab. Die Rückkehr zur Drachme würde aber auch den Lieferanten aus der EU schaden, denn dann müsste Neotex günstigere Rohstoffe von ausserhalb der Eurozone kaufen.