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Erstmals seit zwei Jahren: Der Euro sinkt unter 1.10 Franken – mit diesen Folgen

Erstmals seit zwei Jahren wird der Euro zum Franken unter der psychologisch wichtigen Marke gehandelt. Die Nationalbank bringt das in eine unangenehme Zwickmühle.
Die Schweiz wird für Touristen teurer. Das könnten Destinationen wie Luzern zu spüren bekommen. (Bild: Eveline Beerkircher)

Die Schweiz wird für Touristen teurer. Das könnten Destinationen wie Luzern zu spüren bekommen. (Bild: Eveline Beerkircher)

Ziemlich genau vor zwei Jahren wurde der Euro zum Franken unter 1.10 gehandelt. Heute zur Mittagszeit ist der Kurs unter diese psychologisch wichtige Grenze gesunken. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist der Grund, weshalb der Franken seit dem Frühling wieder stärker geworden ist?

Viele Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Der Rat der EZB wird sich morgen Donnerstag treffen. Der scheidende EZB-Chef Mario Draghi dürfte nach Ansicht vieler Experten an der aktuellen Sitzung wohl noch keine Senkung des Zinses verkünden. Er könnte den Markt aber sehr wohl auf eine mögliche Senkung im Herbst vorbereiten. Auch eine Wiederauflage des Anleihekaufprogramms könnte auf der Agenda stehen.

Weshalb sind die Entscheide der EZB für die Schweiz so wichtig?

Die Schweizerische Nationalbank ist seit Jahren von den europäischen Währungshüter abhängig. Die Aktionen der EZB bewegen somit auch die hiesige Zinslandschaft und insbesondere den Euro-Franken-Kurs. Eine mögliche Ankündigung einer Zinssenkung im Euro-Raum bedeutet einen erheblichen Aufwertungsdruck für den Franken. Seit Ende April legt der Wert des Franken zum Euro immer weiter zu. Mussten im April noch über 1.14 Franken für einen Euro bezahlt werden, waren es gestern 1.098 Franken.

Wird die Nationalbank nun wieder den Franken schwächen?

In der Vergangenheit trat die Nationalbank einer solchen Frankenstärke mit Interventionen am Devisenmarkt entgegen: Sie kaufte also kräftig Euro zu dessen Unterstützung. Zuletzt haben sich allerdings die Sichtguthaben, die als Messlatte für die Eingriffe der Nationalbank am Devisenmarkt herangezogen werden können, nicht massiv erhöht. Sie stiegen seit Ende April unter dem Strich lediglich um knapp 3 Milliarden Franken. Zum Vergleich: In der Woche nach dem Brexit-Entscheid pumpte die Nationalbank fast 7 Milliarden Franken in den Markt, vor der Aufgabe des Euro-Mindestkurses im Dezember 2014 waren es pro Woche zwischen 2 und 6 Milliarden. Es sieht also derzeit so aus, als ob die Nationalbank eine gewisse Aufwertung des Franken zulässt. Oder zumindest ihr Pulver nicht vor der endgültigen Bekanntgabe des EZB-Kurses verschiessen möchte. Denn die Optionen der Nationalbank sind begrenzt.

Könnte die Nationalbank nicht einfach bei einer Zinssenkung der EZB nachziehen?

Ganz so einfach können es sich die Notenbanker eben nicht machen. Denn nochmals negativere Zinsen sind einerseits ein sehr starkes und langfristiges Instrument, dass sich die Nationalbank wohl besser für den Fall der Fälle eines neuen Anleihekaufprogramms aufsparen sollte. Andererseits schaden sie den Pensionskassen und Versicherern und schmälern den Gewinn der Banken weiter. Zudem setzt die Nationalbank bereits heute die tiefsten Leitzinsen weltweit, gibt die UBS zu bedenken. Der Spielraum nach unten ist somit ohnehin begrenzt.

Was passiert, wenn die Nationalbank den Leitzins bei -0,75 Prozent belässt?

Damit dürfte der Franken weiter aufwerten, was vor allem für die Exportwirtschaft und den Tourismus teuer werden dürfte. Für die UBS spricht zwar die aktuell gute Lage der Schweizer Wirtschaft dafür, eine gewisse Aufwertung einfach zu akzeptieren. Auch die Inflation habe sich zwischen 0,6 und 0,7 Prozent eingependelt und dürfte somit nicht sofort stark negativ werden. Bliebe eine Reaktion auf eine allfällige EZB-Zinssenkung allerdings völlig aus, könne dies von den Märkten als Strategieänderung der Nationalbank interpretiert werden und zu einer weitaus stärkeren Frankenaufwertung führen, so die Experten der Grossbank. Die Schweizer Wirtschaft könne zwar einen Euro/Frankenkurs von bis zu 1.05 gut verkraften.

Was also wird die Nationalbank tun?

Für die Experten der UBS sind kurzfristige, gut dosierbare Eingriffe am Devisenmarkt die wohl beste Lösung. Die Nationalbank könne ein Euro/Franken-Niveau festlegen, bei dem sie intervenieren möchte und müsse dann nur eingreifen, wenn der Aufwertungsdruck zu stark würde. «Im Gegensatz zu einer weiteren Zinssenkung wäre auch der Kollateralschaden für das Schweizer Finanzsystem und die Pensionskassen geringer, da die kurzfristigen Zinsen stabil blieben», schreibt die Bank.

Was bedeutet ein stärkerer Franken für die Schweizer Wirtschaft und die Konsumenten konkret?

Für die Konsumenten wird das Shoppen in Konstanz und Lörrach wieder günstiger. Ebenso die Ferien im Ausland. Die Kehrseite des wieder billigen Euros werden hingegen viele Arbeitnehmer erfahren. Der Detailhandel etwa hat bereits zuvor Tausende von Beschäftigten entlassen, über 20'000 in den letzten neun Jahren. Es war eine Reaktion auf grosse Umsatzverluste. So verlor der «Handel ohne Nahrungsmittel» – also mit Shampoos, Waschpulver oder Unterhaltungselektronik – über die letzten neun Jahre rund 10 Prozent seines Umsatzes. In der Industrie hatten selbst mit einem schwächeren Franken über ein Drittel der Unternehmen ungenügende Margen. Mit dem billigeren Euro werden sie noch mehr zu kämpfen haben. Der alpine Tourismus hatte sich mit Preissenkungen ein Stück weit zurückgekämpft in der Gästegunst. Doch die Margen blieben vielerorts zu gering. Mit einem stärkeren Franken wird es noch schwieriger. (sda/nav/chm)

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