Euro klettert über die Marke von 1.10 Franken

ZÜRICH. Erstmals seit der Aufhebung des Euromindestkurses von 1.20 Fr. durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte Januar ist der Euro gestern wieder über die Marke von 1.10 Fr. gestiegen.

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ZÜRICH. Erstmals seit der Aufhebung des Euromindestkurses von 1.20 Fr. durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte Januar ist der Euro gestern wieder über die Marke von 1.10 Fr. gestiegen. Händler erklären dies mit einer unterschiedlichen Dynamik der Konjunktur in der Schweiz und in der Eurozone. Dort brummt vor allem der Motor Deutschlands als grösste Volkswirtschaft. Andreas Ruhlmann, Analyst der Genfer IG Bank, sieht in Teilen der Eurozone eine steigende Kreditvergabe und starke Exporte. Zudem erwähnt er die sinkende Arbeitslosigkeit in der Eurozone: 10,8% ist die tiefste Quote seit 2012. In der Schweiz dagegen leidet manche Branche unter der Frankenstärke. Im 1. Semester stagnierte die Wirtschaft, die Arbeitslosenquote stieg im August, wenn auch nur von 3,1% auf 3,2%.

Der Verband der Maschinenbauer, Swissmem, freut sich über die Abschwächung des Frankens auf 1.10, doch sei das noch zu wenig. Anderer Ansicht ist Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff: «Viele Unternehmen sagen, sie könnten mit 1.10 leben.» Deshalb sei entscheidend, ob der Wechselkurs diese Marke halte. Swissmem wünscht sich eine Entwicklung Richtung Kaufkraftparität, die bei über 1.20 liege. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, siedelt sie bei 1.25 an. Neff erwartet einen Eurokurs von 1.15 Fr. in zwölf Monaten, BAK-Basel-Ökonom Alexis Körber, laut dem die Negativzinsen der SNB Wirkung entfalten, sieht diese Marke bis Ende 2016 kommen. Und Ruhlmann hält sogar 1.20 bis Mitte 2016 für «nicht länger unrealistisch». (sda/T. G.)