Euro erleidet Schwächeanfall

Unterschiedliche Konjunktur in den Euroländern, die Debatte um den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, das Zurückbleiben hinter der amerikanischen Wirtschaft – auf den Euro prasselt es von allen Seiten ein.

Ulrich Glauber
Drucken
Teilen

FRANKFURT. Mario Draghi bemüht sich nach Kräften. Erst am Wochenende hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem Zeitungsinterview den baldigen Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Mitgliedsländer in den Raum gestellt. Im Fachjargon der Notenbank heisst das Quantitative Easing (QE). Der Kurs der Gemeinschaftswährung bewegte sich daraufhin in Richtung 1.20 $. Doch das Strohfeuer währte nicht lange. Am Montag wurde an den Börsen mit 1.18605 $ pro Euro zeitweise der tiefste Stand seit 2006 verzeichnet. Im Mai hatte die Gemeinschaftswährung noch fast 1.40 $ gekostet.

In der Masse von Hiobsbotschaften für die Hüter des gebeutelten Euro gewinnen zwei Daten an Bedeutung, die nur wenige Tage auseinander liegen. Am 22. Januar kommt in Frankfurt der EZB-Zentralrat zu seiner nächsten geldpolitischen Sitzung zusammen. Bevor dabei nicht zumindest über einen Zeitplan für ein QE-Programm entschieden worden ist, wird der Euro wohl weiter schwächeln.

Nur vier Tage später kommt es dann in Griechenland zu vorgezogenen Neuwahlen. Aus ihnen könnte die radikale Syriza als Sieger hervorgehen, was zu Spekulationen über die Folgen eines griechischen Austritts aus der Euro-Zone führt.

Litauen drin, Hellas raus?

Seit dem 1. Januar umfasst die Eurozone mit dem Beitritt Litauens 19 Länder Europas mit 337 Millionen Einwohnern. Dass es nach der griechischen Wahlentscheidung wieder 18 Staaten sein werden, ist momentan nicht auszuschliessen. Über die Konsequenzen eines solchen Schritts, der in der ersten Griechenland-Krise vor fünf Jahren noch undenkbar gewesen wäre, gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Ökonomen räumen ein, dass die Eurozone inzwischen für die finanziellen Folgen eines solchen Austritts viel besser gewappnet ist, warnen aber vor dem politischen Schaden. Ein «Grexit» könnte von euro-feindlichen Tendenzen und Gegnern der strikten Sparpolitik im Währungsraum «als Blaupause verstanden werden», schreibt die Bank Metzler in einer Analyse.

Blick aufs globale Umfeld

Zudem dürfen globale Ursachen für den schwachen Euro nicht übersehen werden. Die US-Wirtschaft ist dabei, den divergierenden Volkswirtschaften der Euro-Zone zu enteilen und wird für Anleger immer attraktiver. Das hat Vorteile für die Euro-Länder. Die Erleichterung von Exporten aus Europa wegen des niedrigen Euro-Kurses in Verbindung mit dem Absturz des Ölpreises ist einer Konjunkturspritze gleichzusetzen.