Eugster-Frismag lehnt Gespräch ab

Nach Protesten der Gewerkschaft bot die Eugster-Frismag der Unia ein Gespräch an. Dieses liess sie aber wieder platzen. Die Unia könnte allenfalls noch über die tripartiten Kommissionen etwas erreichen.

Kaspar Enz
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AMRISWIL. Rund 800 Mitarbeitende der Eugster-Frismag produzieren in der Ostschweiz Kaffeemaschinen für Marken wie Jura, Koenig, Nespresso oder Miele. Die Löhne der Mitarbeitenden am Fliessband seien aber ein Skandal, sagt die Gewerkschaft Unia. Sie legte Arbeitsverträge vor, die Monatslöhne unter 3000 Franken brutto belegen. 2600 Franken verdient der Mitarbeitende mit dem tiefsten Lohn. Wie unsere Zeitung berichtete, protestierte die Unia Ende Februar vor den Werken des Unternehmens in Amriswil und Neuhaus gegen diese Zustände.

Gespräch abgelehnt

Eine Reaktion seitens des Unternehmens blieb bisher aus. Zwar bot die Eugster-Frismag nach den Protesten der Gewerkschaft Gespräche an. Eine entsprechende Anfrage sei unterdessen aber abgelehnt worden, sagt Erich Kramer, Sektionsleiter Thurgau der Unia. «Die Geschäftsleitung richtete uns aus, man nehme die Probleme ernst, würde sie aber intern lösen. Verpflichtungen uns gegenüber sehe man nicht.» Das sei nicht das erste Mal, dass Gespräche abgelehnt würden, sagt er. «Klein beigeben wollen wir aber nicht.»

Kommission als einzige

Mit ihrer Volksinitiative, über die im Mai abgestimmt wird, fordern die Gewerkschaften einen Mindestlohn. Ohne diesen sind die tripartiten Kommissionen die einzigen Kanäle, um auf die Eugster-Frismag einzuwirken. Die Kommissionen wurden im Rahmen der bilateralen Verträge ins Leben gerufen. In Branchen ohne Gesamtarbeitsverträge sollen sie die Einhaltung orts- und branchenüblicher Arbeitsbedingungen kontrollieren. Sie setzen sich aus Vertretern der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber und der Behörden zusammen.

Peter Kuratli, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen und Präsident der tripartiten Kommission des Kantons, sagte dem «Kassensturz» kürzlich, das Amt gehe Hinweisen auf Tieflöhne nach. Sein Thurgauer Amtskollege Edgar Sidamgrotzki verweist auf das Amtsgeheimnis und gibt nur über das übliche Verfahren Auskunft. Wenn Hinweise auf Tieflöhne vorliegen, «erheben wir, welche Löhne in der Region und in der entsprechenden Branche gezahlt werden», sagt Sidamgrotzki. «Ein tiefer Lohn ist nicht a priori missbräuchlich.»

Wenn die Kommission zum Schluss komme, es kämen wiederholt missbräuchliche Tieflöhne vor, suche die Kommission mit den betreffenden Firmen das Gespräch. «In aller Regel führen diese Verständigungsverfahren zum Erfolg», sagt er. Wenn nicht, könne die tripartite Kommission beim Regierungsrat den Erlass eines Normalarbeitsvertrages mit Mindestlöhnen beantragen. So weit sei es im Thurgau aber noch nie gekommen, sagt Sidamgrotzki.

«Für uns ist der Lohn grundsätzlich eine Sache zwischen Firma und Mitarbeitern oder zwischen den Sozialpartnern», sagt Peter Maag, Direktor der Thurgauer Industrie- und Handelskammer. Im Fall der Eugster-Frismag handle es sich in erster Linie um ungelernte Arbeitskräfte mit wenig Deutschkenntnissen, sagt er. Insofern könnten tiefe Löhne vertretbar sein. «Sonst wandern solche Arbeitsplätze ins Ausland», sagt Maag. Als Werbung für die Mindestlohn-Initiative sei der Fall aber gefährlich. «Das Argument, dass man von einer Vollzeitstelle leben können muss, findet Gehör.»

Hoffen auf Initiative

So setzt Gewerkschafter Erich Kramer auch keine allzu grossen Hoffnungen in die tripartite Kommission. «Wenn die Gewerkschaften einen Vorstoss machen, unterliegt der meistens», sagt er. «Die Arbeitgeber sind sowieso dagegen», und die Behörden würden ihnen oft beipflichten. «Deshalb ist die Abstimmung über den Mindestlohn so wichtig», sagt Kramer.

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