EU-Wirtschaft tastet sich zum Wachstum zurück

BRÜSSEL. Die schlimmste Phase der Krise haben die meisten EU-Mitgliedstaaten hinter sich, und die Konjunktur fasst in der EU wieder Tritt.

Marianne Truttmann
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BRÜSSEL. Die schlimmste Phase der Krise haben die meisten EU-Mitgliedstaaten hinter sich, und die Konjunktur fasst in der EU wieder Tritt. Wie EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn gestern bei der Vorstellung der Winterprognose erklärte, verbessert sich die externe Wettbewerbsfähigkeit mittlerweile auch in den wirtschaftlich schwächsten Ländern. Nach einem Wachstum von 1,5% in der EU sowie von 1,2% im Euroraum im laufenden Jahr soll die Wirtschaftstätigkeit im nächsten Jahr auf 2,0% in der EU sowie 1,8% im Euroraum steigen. Im letzten Jahr war die Wirtschaft der EU um 0,4% geschrumpft.

«Nicht selbstzufrieden sein»

Rehn betonte, dass es angesichts der relativ bescheidenen Erholung falsch wäre, sich selbstzufrieden zurückzulehnen. Die Finanzierungsbedingungen seien zwar günstig, aber sowohl zwischen den einzelnen EU-Ländern als auch zwischen Gross- und kleineren Unternehmen gebe es nach wie vor grosse Diskrepanzen. Besonders Deutschland bleibt mit einem erwarteten Wachstum von 1,8% im laufenden und 2% im nächsten Jahr die Lokomotive der EU. Das Wachstum Deutschlands basiert mittlerweile nicht nur auf dem Export, sondern auch auf der erstarkten Binnennachfrage. Unter dem EU-Schnitt bleibt dagegen das Wachstum in Frankreich. Bei den Euroländern dürften nur noch Zypern und Slowenien negative Wachstumsraten aufweisen, während Griechenlands Wirtschaft wieder wächst. Die Arbeitslosenquote in der EU wird bis 2015 auf 11,7% sinken, nachdem sie 2013 mit 12,1% ein Rekordhoch erreicht hatte.

Defizite schrumpfen – meistens

Der Defizitabbau in den EU-Staaten kommt laut Prognose voran. So soll das Haushaltsdefizit aller EU-Staaten im laufenden Jahr auf 2,7% und damit erstmals wieder unter die Maastricht-Schwelle fallen und im nächsten Jahr weiter auf 2,6% des Bruttoinlandprodukts zurückgehen. Die Verschuldung verharrt in den nächsten zwei Jahren bei gut 95% in den Euroländern und bei rund 90% des BIP in der gesamten EU.

Allerdings gibt es nach wie vor Ausreisser. So steigt die Neuverschuldung in Spanien im kommenden Jahr wieder auf 6,5% nach 5,8% im laufenden Jahr. Madrid hatte Brüssel zugesichert, 2016 die Maastrichter Defizitgrenze von 3% einzuhalten, was kaum erreichbar scheint.

Das grösste Abwärtsrisiko für die Wachstumsaussichten sieht Rehn, falls es zu einem erneuten Vertrauensverlust käme, wenn die Reformen auf nationaler oder europäischer Ebene ins Stocken geraten.

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