EU-Wirtschaft im Kriechgang

Die Wachstumsaussichten in den meisten EU-Staaten bleiben ziemlich trüb. Die EU-Kommission rechnet für 2013 erst mit sehr bescheidenem Wachstum.

Marianne Truttmann
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BRÜSSEL. In den 17 Eurostaaten schrumpft die Wirtschaftsleistung laut der Herbstprognose der EU-Kommission im laufenden Jahr real um 0,4%. Nächstes Jahr dürfte sie gerade mal um 0,1% expandieren (siehe Tabelle). Im vergangenen Mai war die EU-Kommission noch von –0,3% dieses Jahr und von deutlichen +1% für kommendes Jahr ausgegangen.

Laut Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn hält die schwierige Phase des Abbaus der makroökonomischen Ungleichgewichte noch eine Weile an. Rehn erwartet zudem, dass die durchschnittliche Arbeitslosenquote im kommenden Jahr mit annähernd 11% in den 27 EU- Staaten und 12% im Euroraum einen Höchststand erreicht, bevor sie dann wieder leicht sinken sollte. Die konjunkturellen Ungleichgewichte zwischen den Staaten sind nach wie vor enorm gross.

Deutschland: Warten auf 2014

Die deutsche Wirtschaft hat ihre Durststrecke nach Einschätzung der Kommission bald hinter sich. Nach moderaten Wachstumsraten von je 0,8% 2012 und 2013 werde das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) Deutschlands 2014 um 2% wachsen, sagen die Experten der Kommission voraus. Allerdings gleicht eine Prognose derart weit in die Zukunft noch mehr einem Blick in die Glaskugel als es Konjunkturprognosen ohnehin tun. Beitragen zum vorausgesagten Aufschwung werde eine starke Binnennachfrage der Konsumenten sowie die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen.

Probleme in Frankreich

Problematisch ist die Entwicklung dagegen in Frankreich, Spanien und Belgien, die ihre Defizite nicht in den Griff bekommen und voraussichtlich zusätzliche Massnahmen ergreifen müssen. Für Frankreich rechnet die Kommission für 2013 mit einem Defizit von 3,5% des BIP, obwohl sich Präsident François Hollande verpflichtet hat, die 3%-Schwelle einzuhalten. Für Spanien erwartet die Kommission Defizite von 6% im nächsten Jahr und 6,4% 2014. Danach soll das Land gemäss EU- Vorgabe die 3%-Marke einhalten.

Drama in Griechenland

Schlimmer als erwartet sieht es in Griechenland aus. Im laufenden Jahr breche die Wirtschaft um 6% statt wie bisher erwartet um 4,7% ein. Für nächstes Jahr sieht die Kommission ein Minus von 4,2% voraus, womit der Schuldenabbau weiter in die Ferne rückt.

Trotz der Problemfälle kommt der Abbau der Defizite im Euroraum voran, wenn auch langsam. Nach 3,3% im laufenden Jahr sollen sich laut Prognose die Defizite der Eurostaaten nächstes Jahr auf 2,6% des BIP zurückbilden. In der gleichen Periode werde der Schuldenstand in der Eurozone von 93% auf 95% des BIP steigen und sich anschliessend stabilisieren.

Für die Schweiz erwartet die EU-Kommission Wachstumsraten der Wirtschaft von 1,9% dieses Jahr, von 1,4% 2013 und von 1,9% 2014. Dass die Schweiz die EU überflügelt, erklärt die Kommission mit Wettbewerbsvorteilen im Bankensektor und der starken Stellung des Rohwarenhandels.

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