EU will Fleisch flächendeckend testen

Mit flächendeckenden Tests will die EU-Kommission prüfen, wo überall billigeres Pferdefleisch als teureres Rindfleisch vertrieben wird. Zur Beruhigung der Konsumenten soll Fleisch auch auf Medikamentenrückstände überprüft werden.

Marianne Truttmann
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Die aus dem Verkauf genommene Rindfleisch-Lasagne mit Pferd. (Bild: pd)

Die aus dem Verkauf genommene Rindfleisch-Lasagne mit Pferd. (Bild: pd)

BRÜSSEL. Die EU-Kommission schlägt vor, dass alle EU-Staaten Fleischprodukte mit DNA-Proben testen, ob sie der deklarierten Fleischart entsprechen. Zusätzlich soll getestet werden, ob das Fleisch den Gesundheitsvorschriften entspricht oder ob es, wie im Fall von Pferdefleisch vermutet, Rückstände von Medikamenten wie den Entzündungshemmer Phenylbutan enthält. Laut EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg müssen die Experten der EU-Staaten im Ausschuss zur Lebensmittelsicherheit morgen über den Vorschlag entscheiden.

Zurückhaltend zeigten sich gestern die versammelten acht Agrarminister respektive Staatssekretäre der bisher betroffenen EU-Staaten über die Urheber der Falschetikettierung. Der irische Agrarminister Simon Coveney sagte, vor Abschluss der Untersuchungen unter der Koordination von Europol solle kein Land und kein Unternehmen an den Pranger gestellt werden.

Briten schliessen zwei Betriebe

Britische Behörden versprachen nach dem Fund von Pferdefleisch bei zwei Verarbeitungsbetrieben in England und Wales gestern restlose Aufklärung. Das britische Lebensmittelamt hat die beiden Betriebe umgehend geschlossen. Premier David Cameron sagte, die Ergebnisse der Tests würden komplett veröffentlicht. Kein Hersteller, Erzeuger oder Verarbeiter werde geschont.

Zur Sprache kamen gestern auch die Herkunftsbezeichnungen für Fleischwaren. Coveney sagte, dies sei eine separate Frage, die aber wichtig sei für das Vertrauen der Konsumenten. Während es klare Vorschriften gibt für die Deklarierung der Fleischarten, die offensichtlich verletzt wurden, sind die Herkunftsbezeichnungen für Fleisch in der EU komplex.

Woher kommt das Fleisch?

Bisher ist nur bei frischem oder tiefgekühltem Rindfleisch anzugeben, aus welchem EU-Land es stammt. Ab nächstem Jahr muss auch das Herkunftsland von frischem oder tiefgekühltem Geflügel, Schweine-, Schaf- und Ziegenfleisch angegeben werden. Dies gilt nicht für verarbeitetes Fleisch respektive in Fertigprodukten. Hierzu läuft eine Studie.

In der Schweiz führen derzeit laut Bundesamt für Gesundheit mehrere kantonale Labors zusätzliche Fleischkontrollen durch. Resultate erwarte man Ende Woche.