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EU: «Ronaldo» wird neuer Euro-Chef

Portugals Finanzminister Mario Centeno hat in der Eurogruppe viel zu tun.
Remo Hess, Brüssel

Die Finanzminister der 19 Euroländer haben einen neuen Chef aus ihrer Mitte gewählt: Der Portugiese Mario Centeno übernimmt vom Niederländer Jeroen Dijsselbloem. Dieser muss das Amt des Vorsitzenden der Eurogruppe abgeben, nachdem seine Sozialdemokraten bei der letzten Wahl eine krachende Niederlage eingefahren haben und Dijsselbloem seinen Ministerposten in Den Haag verloren hat.

Mario Centeno geniesst einen guten Ruf, obwohl er auf der europäischen Bühne weitgehend unbekannt ist. Der ehemalige Lissaboner Zentralbanker hat im Jahr 2015 die Aufsicht über die portugiesische Staatskasse übernommen und das Land vom Schuldenstaat zur Vorzeigewirtschaft umgebaut. Wolfgang Schäuble lobte den Portugiesen für seine Leistungen einst als «Ronaldo der Wirtschafts- und Finanzminister».

Centeno könnte Spannungen überbrücken

Die Wahl blieb allerdings bis zum Schluss spannend. Als Gegenkandidaten standen Centeno der Luxemburger Pierre Gramegna, der Slowake Peter Kazimir und die Lettin Dana Reizniece-Ozola gegenüber. Ausschlaggebend für Centeno dürfte auch seine Zugehörigkeit zu einer linken Regierung gewesen sein, obwohl Centeno selbst parteilos ist. Die Spitzenposten bei der Europäischen Union werden nach einem fein austarierten System vergeben. Es entscheiden nicht nur Nationa­lität und Kompetenz, sondern auch das Parteibuch. Neben Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Ratspräsident Donald Tusk und Parlamentspräsident Antonio Tajani hätte es nicht noch mal einen Bürgerlichen in führender Position ertragen. Zudem wird es Centeno zugetraut, Spannungen zwischen sparversessenen Nordeuropäern und eher ausgabenfreudigen Südeuropäern zu überbrücken.

Als Präsident der Eurogruppe organisiert und leitet Centeno die Sitzungen der Finanzminister im gemeinsamen Währungsraum. Dabei verfügt das seit 1998 tagende Gremium theoretisch über keine Entscheidungskompetenz. Es bildet vielmehr eine Art informelle Kontaktgruppe. Im Zuge der Schuldenkrise spielte die Eurogruppe aber eine immer stärkere Rolle und entschied in der Praxis – notabene unter Ausschluss der Öffentlichkeit – über milliardenschwere Hilfsprogramme und harte Reformauf­lagen für die Krisenländer. Die mangelnde Intransparenz in der Steuerung der Gemeinschaftswährung ist deshalb auch ein Grund, weshalb die Eurozone umgebaut werden soll. Der neue Eurogruppenchef wird diesen Prozess im Führersitz wesentlich mitgestalten. Zugleich wird EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seine Reformideen am Mittwoch vorstellen.

Remo Hess, Brüssel

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