EU prüft Rolle der Frauen in Firmen

Die EU-Kommission tastet sich in einem Grünbuch an eine der Fragen zur Corporate Governance heran. Es geht um die Frauenquote in den Verwaltungsräten börsenkotierter Firmen.

Marianne Truttmann
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Brüssel. Die EU-Kommission glaubt, dass das heutige Führungssystem bei börsenkotierten Gesellschaften, speziell der Verwaltungsrat, effizienter organisiert werden muss. Laut EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat zu viel kurzfristiges Denken zu verheerenden Konsequenzen geführt. Mehr Diversität in Verwaltungsräten, also mehr Frauen und mehr Ausländer, könnte laut einem gestern vorgestellten Grünbuch eine Antwort sein auf die neuen Herausforderungen. Weiter stellt die Kommission zur Diskussion, ob die Zahl der Verwaltungsratsmandate nicht begrenzt werden soll. Zu diesen und weiteren Fragen (Entlöhnung) wurde eine Konsultation eröffnet. Konkrete Vorschläge, die anschliessend von den EU-Staaten genehmigt werden müssen, sind im Herbst zu erwarten.

12 Prozent im Durchschnitt

Der Frauenanteil in Verwaltungsräten von börsenkotierten Gesellschaften liegt im EU-Schnitt bei 12%. Falls nichts unternommen wird, würde es 50 Jahre dauern, bis die Lage ausgeglichen wäre, hält die Kommission fest.

In Italien sind bei 70% der börsenkotierten Firmen und in Österreich bei der Hälfte die Männer im Verwaltungsrat unter sich. Höhere Frauenanteile weisen skandinavische Staaten auf, wo die Frauen zwischen 18% und 33% der Verwaltungsratssitze einnehmen. Schlusslichter sind Italien mit 3% und Portugal und Luxemburg mit 4%.

Die Kommission verweist im Grünbuch auf Studien, wonach Frauen unterschiedliche Führungsstile pflegen, fleissiger an den Verwaltungsratssitzungen teilnehmen und einen positiven Einfluss auf die «kollektive Intelligenz» einer Gruppe haben.

Vorsichtig wird im Grünbuch angedeutet, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil im Verwaltungsrat auch bessere Resultate erbringen, wobei gleichzeitig der Einfluss eines hohen Frauenanteils in Unternehmen nuanciert wird. Tatsächlich hat etwa eine kürzliche Untersuchung bei Banken ergeben, dass kanadische Banken, die einen hohen Frauenanteil aufweisen, überdurchschnittlich gut rentieren. Ein Grund dafür scheint allerdings darin zu liegen, dass die Frauen tiefere Löhne erhalten als die Männer.

Vorsichtig bei fixer Quote

Nur vorsichtig äussert sich die Kommission zur Einführung einer Quote und verweist als Alternative auch auf die verstärkte Offenlegung von Diversität. Darunter fällt ferner die Forderung, dass in einem Verwaltungsrat eines international tätigen Unternehmens auch verschiedene Nationalitäten vertreten sein sollten.

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