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KMU-Förderung: Jetzt greifen die Mächtigen den Startups unter die Arme

Grossbanken lancieren unter dem Patronat des Bundesrates den grössten Fonds zur Finanzierung aussichtsreicher Jungfirmen. Für bestandene kleine Industriefirmen bleibt die Kapitalbeschaffung ein schwieriges Thema.
Daniel Zulauf
Stehen hinter der Swiss Entrepreneurs Foundation (von links): Urs Berger (Präsident), Peter Staehli (Geschäftsführer), Johann Schneider-Ammann (Ehrenpräsident), Didier Denat (Credit Suisse) und Lukas Gähwiler (UBS). (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern. 7. Februar 2019)

Stehen hinter der Swiss Entrepreneurs Foundation (von links): Urs Berger (Präsident), Peter Staehli (Geschäftsführer), Johann Schneider-Ammann (Ehrenpräsident), Didier Denat (Credit Suisse) und Lukas Gähwiler (UBS). (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern. 7. Februar 2019)

Für junge Schweizer Firmen mit innovativen und aussichtsreichen Geschäftsmodellen soll die Wachstumsfinanzierung einfacher werden. Seit Jahren klagen Exponenten aus dieser Ecke über knappe Geldmittel und ungenügende politische Rahmenbedingungen. Aber wie kann es sein, dass ein reiches Land wie die Schweiz mit einer grossen wissensbasierten Industrie, mit hervorragenden Hochschulen und brillanten Forschern mehrheitlich ausländisches Kapital benötigt, wenn es darum geht, eine eigene zukunftsträchtige Wirtschaft aufzubauen?

Der Waadtländer FDP-Nationalrat Fathi Derder ist eine jener Figuren im Land, die solche Fragen schon lange umtreibt. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte er vor zwei Jahren: «Der Mangel an Risikokapital macht sich vor ­allem in jener Phase bemerkbar, in der es darum geht, ein Forschungsergebnis in ein Produkt weiterzuentwickeln, das sich in der einen oder anderen Form industrialisieren lässt. Das ist eine kritische Phase im Prozess des Technologietransfers und der Kommerzialisierung. Es ist auch die Phase, in der die grössten Kosten anfallen, insbesondere im pharmazeutischen Sektor.»

Einmalige Kooperation von CS und UBS

In diese Lücke springt nun der «Swiss Entrepreneurs Fund», der am Donnerstag in Bern und Zürich mit viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft an den Start geschickt wurde. Frisch ausgestattet mit einer Vertriebsbewilligung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), macht sich der Fonds auf Investorensuche. Bis zu 650 Millionen Franken sollen zusammengetrommelt werden, damit sich Pensionskassen, vermögende Privatpersonen und Firmen an diesen vielversprechenden Jungunternehmen beteiligen und mithelfen können, deren Expansion zu finanzieren.

Politischer Schirmherr der Initiative ist kein Geringerer als Wirtschaftsminister Guy Parmelin. Doch dieser erntet die Früchte seines Vorgängers Johann Schneider-Ammann, für den die Swiss Entrepreneurs Foundation das Amt eines Ehrenpräsidenten geschaffen hat. Die vom Investmentfonds unabhängige Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für die Firmen zu verbessern und eine Plattform für den direkten Dialog zwischen Jungfirmen und Politik einzurichten. Ein erstes gross angelegtes Jungunternehmer-Hearing hatte Schneider-Ammann im November noch vor seinem Abschied aus dem Bundesrat durchgeführt. Solche Anhörungen sollen fortan zweimal jährlich durchgeführt werden. Der Fonds soll auch den Pensionskassen das ­Leben erleichtern. Er verspricht hohe Renditen von 10 bis 15 Prozent im Jahr und ein hoch professionelles Auswahlverfahren von unterstützungswürdigen Projekten. Dafür wollen UBS und Credit Suisse gemeinsam sorgen. Die Zusammenarbeit der beiden Grossbanken sei einmalig, hiess es an der Medienpräsentation.

KMU haben frisches Kapital bitter nötig

Mit der «Mobiliar» ist auch eine erste Ankeraktionärin gefunden. Die Versicherung hat sich verpflichtet, 100 Millionen einzuschiessen. Bei so viel Gründergeist stellt sich die Frage, was mit den alteingesessenen KMU geschieht. Während Jahren haben die im Verband Swissmechanic zusammengeschlossenen KMU versucht, ihre Finanzengpässe mit politischer Unterstützung zu überwinden – vergeblich, wie Verbandspräsident Roland Goethe einräumt. Vorschläge für die Etablierung eines Finanzierungsfonds, der mit staatlicher Hilfe die Risiken für Pensionskassen eindämmen und deren Investitionsbereitschaft hätte verbessern sollen, wurden im vergangenen Jahr still und leise schubladisiert. ­Dabei zählt Swissmechanic 1300 Mitgliedsfirmen mit rund 70000 Arbeitsplätzen – weit mehr als die vom Entrepreneurs Fund anvisierten Jungfirmen.

Viele Industrie-KMU haben frisches Kapital bitter nötig. Die Frankenschocks haben ihre Margen abschmelzen lassen, und Geld für Automatisierungs- und Rationalisierungsinvestitionen ist vielerorts nicht mehr vorhanden. Die Banken sprechen allenfalls noch Kredite, aber zu 8 Prozent, sagt Goethe. Im KMU-Land Schweiz werden offensichtlich nicht alle Stimmen gleich gehört.

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