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Treibstofflieferant unter Beschuss:
«Es ist wohl so, dass wir Probleme hatten»

Die Ereignisse um einen Treibstofflieferanten spitzen sich zu: Die Behörden haben Hinweise erhalten, dass ein Test des Tanklagers verfälscht wurde. Zudem soll der Geschäftsführer Ex-Angestellten nachsteigen, die mit der Justiz reden.
Roland Schäfli
Vermischte Produkte und Ungereimtheiten: harte Vorwürfe an die Treibstofffirma. (Bild: Symbolbild: Nadia Schärli)

Vermischte Produkte und Ungereimtheiten: harte Vorwürfe an die Treibstofffirma. (Bild: Symbolbild: Nadia Schärli)

Wie unsere Zeitung berichtete, erheben Ex-Mitarbeiter schwere Vorwürfe an die Adresse einer Brenn- und Treibstofffirma im Grossraum Zürich-Ostschweiz (Ausgabe vom 3. März): Der Geschäftsleiter* habe sie angewiesen, Produkte zu vermischen. Auf Vorladung der Untersuchungsrichterin deponiert einer der Chauffeure nun seine Aussage. «Ich werde alles erzählen, was ich weiss», sagt der frühere Angestellte, der gemeinsam mit anderen Tankwagenfahrern belegen will, wie Firmen- und Privatkunden in der ganzen Schweiz mit vermischten Brenn- und Treibstoffen beliefert wurden. Als sein Ex-Chef unlängst zum wiederholten Mal vor seinem Wohnhaus auftauchte und dort längere Zeit verharrte, wurde die Polizei gerufen.

Vor kurzem machte der frühere Wirtschaftsberater der Firma seine Aussage vor der Staatsanwaltschaft. Seine Absicht war, damit einen Angestellten zu entlasten, der im Zusammenhang mit einer Anzeige durch seinen Chef acht Monate lang in Untersuchungshaft sass. Tatsächlich wurde diese Person anschliessend auf freien Fuss gesetzt. Der Mazedonier versucht nun, sein Leben neu zu ordnen, wie er unserer Zeitung berichtet. Auch ihm fällt auf, dass sein Ex-Arbeitgeber ein reges Interesse daran hat, ihn aus der Distanz zu beobachten.

«Lausbuben» in der Tankanlage

Nun befassen sich auch die zuständigen, kantonalen Ämter mit der Firma respektive mit deren Tankanlage. Im Oktober 2013 wurde der Öltank einem Dichtigkeitstest unterzogen. Dazu wurde der 4 200 000 Liter fassende Tank mit drei Millionen Litern Wasser gefüllt. Gemäss Protokoll wies er keine undichten Stellen auf. Beteiligte haben den kantonalen Experten schlüssige Angaben gemacht, wie der Test verfälscht worden sei. Die Behörden prüfen diese Anhaltspunkte. Der angeschuldigte Geschäftsmann stellt jegliche Manipulation in Abrede: Schon die Vorstellung sei widersinnig, schliesslich habe er ein ­Interesse an der Bestätigung der Dichtigkeit. Tatsächlich könne er einen illegalen Zutritt zur Tankanlage zu jenem Zeitpunkt belegen: «Lausbuben» hätten sich Zugang verschafft und dabei einen Wellenschlag verursacht, der die Messung beeinträchtigte (er erstattete Strafanzeige gegen unbekannt).

Aus dem Verwaltungsrat entfernt

Der Geschäftsleiter sieht einen Zusammenhang zum zeitlichen Zusammenfallen solcher Hinweise an die Amtsstellen mit der erbrechtlichen Auseinandersetzung mit seiner Familie, was beidseits die Juristen beschäftigt. So ist es für ihn auch kein Zufall, dass jüngst Arbeitsinspektorat und Feuerpolizei die Firma inspizierten. Dass der Unternehmer mit manchen seiner ehemaligen Angestellten im Rechtsstreit liegt, ist dem kantonalen Arbeitsinspektorat bekannt, das das laufende Verfahren nicht kommentiert.

Über sein Team wusste der Geschäftsführer dies zu sagen: «Es ist wohl so, dass wir in jüngerer Vergangenheit einige Probleme hatten mit Mitarbeitern, die auch bei der Kundschaft nicht gut angekommen sein dürften.» Seine frühere Verkaufsleiterin reichte mittlerweile Klage ein: Sie fordert 28 000 Franken wegen ausstehender Lohnzahlungen und Schmerzensgeld.

Mit diversen Rechtsfällen wird sich nun eine Zürcher Beratungsfirma beschäftigen müssen. Denn wie im Handelsamtsblatt ersichtlich, ist der Name des Geschäftsleiters als Verwaltungsrat erloschen. Neu eingesetzt als Verwaltungsrat und Zeichnungsberichtigter ist der Inhaber der Beratungsfirma. Diese hatte bereits Mandate in der Restrukturierung von Industriebetrieben inne und erstattet der Erbengemeinschaft gegenüber Bericht. Der Inhaber verschafft sich derzeit einen Überblick über die Geschäfts­tätigkeiten der Firma und ist dazu mehrmals pro Woche vor Ort. Damit erfüllt sich auch ein dringendes Anliegen der Erben­gemeinschaft, Einsicht in die ­Bücher nehmen zu können. Das Mandat ist befristet für die Zeit, die es in Anspruch nimmt, «diese vielfältige Aufgabe zu lösen». Nach Möglichkeit sollen sich Abläufe im Kundenmanagement verbessern lassen, erklärt der neue Verwaltungsrat weiter.

Beanstandungen durch Kunden

Bezeichnend war insbesondere der Rechtsstreit, den der Geschäftsführer sich mit der FTS Altstätten AG lieferte (und verlor). Die Rheintaler Firma mit betriebseigener Eichanlage hatte die Reparatur eines seiner Tankwagen durchgeführt. Der Eichmeister hatte ungefragt das vorgeschriebene, aber fehlende Aircheck-Ventil eingebaut. Ohne dieses Ventil ist es technisch möglich, beim Abladen von Brennstoff Luft beizugeben. Wie der Inhaber der FTS auf Anfrage ausführt, habe sich der Treibstoffunternehmer aufgrund seiner Beanstandung dieses Einbaus geweigert, die Rechnung zu zahlen.

Der Unternehmer lehnt die Vorwürfe bezüglich Vermischung zu Ungunsten der Empfänger ­kategorisch ab. Kürzlich warf die Beanstandung eines Kunden der öffentlichen Hand die Frage zur Qualitätsnorm der Treibstofflieferungen auf. Die Schaffhauser Verkehrsbetriebe (VBSH) liessen den Diesel bei der Intertek (Schweiz) AG prüfen, deren Labors auf die Analytik von Treib- und Brennstoffen spezialisiert sind. Dieselkraftstoff muss in der Schweiz verschiedenen Parametern genügen, wie etwa dem Flammpunkt, dessen minimale Qualitätsnorm bei 55 Grad Celsius liegt. 1 Prozent Benzin im Diesel senkt diesen bereits auf 42,5 Grad. Wie zu erfahren war, lag der Flammpunkt um 1,5 Grad Celsius zu tief. Dazu der Unternehmer: «Wir gehen jeder Beanstandung gewissenhaft nach.»

Schwer zu belegen

Gemäss angefragten Experten deutet dies auf eine Beimischung von niedrig siedenden Komponenten hin, so dass sich die Mischung wie eine leicht entzündbare Flüssigkeit verhält. Dies kann zu Fehlfunktionen am Motor bis hin zu Schäden führen. Regressansprüche sind in der Regel schwer zu belegen. Tatsächlich ist Diesel mit einem zu hohen Anteil an Verunreinigungen wie Benzin oder Wasser an Schweizer Tankstellen keine Seltenheit. Die Vermischung kommt dann vor, wenn in denselben Kammern der Tankwagen abwechselnd Benzin und Diesel gelagert wird. Ob dann unsorgfältige Arbeit oder bewusste Manipulation vorliegt, lässt sich kaum nachweisen. Der Anwalt des Unternehmers beantwortet dies denn auch mit einer standardisierten Erklärung: «Die Ergebnisse von Tests sind generell davon abhängig, wie und wo die Probe entnommen wird und wie rein sie ist.» Massnahmen haben die VBSH nicht ­ergriffen, da die nächste Probe einwandfrei war.

Mehr zu sagen hat René Schlumpf, Inhaber der gleichnamigen Landmaschinenfirma in Weisslingen. Er macht Diesel des besagten Händlers verantwortlich für Betriebsstörungen. Der Treibstoff weise schon rein optisch eine deutlich andere Farbe als Diesel von anderen Lieferanten auf und rieche auffällig nach Fischöl. Bei der betroffenen Firma hält man die Anschuldigung für wenig glaubhaft und sucht die Ursache anderswo: «Wenn z. B. Sägemehl in den Tank gerät, können sich dadurch Pilze bilden, das kann es geben, wenn Bauern dort verkehren, wie es bei einem Landmaschinenbetrieb ­durchaus vorkommen kann.» Schlumpf liess den Diesel untersuchen und stellt die entnommene Probe für weitere Analysen zur Verfügung.

Hinweis

*Name der Redaktion bekannt.

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