«Es braucht viel Know-how»

Gerhard Roiss, Chef des österreichischen Öl- und Gasunternehmens OMV, im Gespräch am St. Gallen Symposium über Investitionen, die Stellung der OMV und die Richtung der Ölpreise.

Thorsten Fischer
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Gerhard Roiss Vorstandsvorsitzender des Mineralölkonzerns OMV (Bild: Urs Bucher)

Gerhard Roiss Vorstandsvorsitzender des Mineralölkonzerns OMV (Bild: Urs Bucher)

Herr Roiss, Investitionen in die Erdöl- und Erdgasförderung gelten wegen des langen Planungshorizonts und der grossen Summen als herausfordernd. Ist das Investieren heute schwieriger als vor zehn oder zwanzig Jahren?

Gerhard Roiss: Die Erdöl- und die Gasindustrie waren schon immer ein Risikogeschäft. Wenn Sie hier nach Öl und Gas bohren, nachdem die Seismik gemacht wurde, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie wirklich Öl und Gas finden, bei rund 20 Prozent. Es ist ein sehr kapitalintensives Geschäft. Wir haben aber gelernt, mit diesem Risiko umzugehen.

Wie positioniert sich die OMV als eines der grössten österreichischen Industrieunternehmen im internationalen Markt?

Roiss: OMV ist ein europäischer Player. Wir produzieren zwar beispielsweise auch in Neuseeland und in weiteren Ländern. Der Fokus liegt aber auf Europa, aus dieser Sicht sind wir ein regionaler Player. Wir haben insgesamt gut 4000 Tankstellen in mehreren Ländern, ebenso verfügen wir über vier Raffinerien in Deutschland, Österreich und Rumänien.

Gerade im Tankstellengeschäft sind die Margen doch aber erheblich unter Druck.

Roiss: Es ist bekannt, dass die Branche in diesem Bereich unter einem grossem Margendruck steht. Strategisch haben wir uns auf den Upstream-Bereich fokussiert, also die Suche und die Förderung von Öl und Gas. Das ist ein Geschäft, das sehr viel Know-how braucht und über das wir verfügen. Das Fass Öl ist ausserdem ein globales Produkt, es wird international gehandelt. Weltweit wächst die Ölnachfrage immer noch leicht, während in Europa die Nachfrage nach Energie zurückgeht. Deshalb ist es wichtig, globale Produkte zu haben.

Energiethemen haben häufig aber auch eine politische Komponente. Sei es, dass alternative Energien gefördert werden, dass gewisse Engagements kritisch gesehen werden oder dass es zu Stillständen kommt. Jüngst gab es in der EU – im Gefolge der Krim-Krise – Spannungen um ein Pipeline-Projekt. Es soll russisches Gas nach Europa transportieren. Unter anderem dabei ist die OMV mit der russischen Gazprom. Was ist der Stand?

Roiss: Bei South Stream geht es um ein Pipeline-Projekt, das durch mehrere Länder geht. Der österreichische Teil reicht von der ungarischen Grenze bis Baumgarten. Bei diesem Teilstück sind wir 50/50-Partner mit Gazprom. Das ist auch noch heute so. Aber die Leitung ist noch nicht errichtet. Bekanntlich liegt bei diesem europäischem Thema politisch noch keine Einigung vor. Aus meiner Sicht würde es die Versorgungssicherheit erhöhen, wenn Gas über eine zweite Pipeline nach Europa gebracht würde.

Wohin entwickelt sich der Ölpreis?

Roiss: Der Ölpreis ist zuletzt wieder etwas gestiegen, in die Nähe von 70 Dollar pro Fass. Ich glaube aber nicht, dass wir so schnell wieder an Preise Richtung 100 Dollar anschliessen.

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