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Interview

«Auf die negativen Schlagzeilen um Raiffeisen Schweiz hätte ich gerne verzichtet»: Das Interview zum Rücktritt von Urs Schneider bei Raiffeisen Thurgau

Unter seiner Führung ist Raiffeisen Thurgau jährlich gewachsen. Jetzt hat Urs Schneider seinen Rücktritt als Präsident verkündet.
Interview: Stefan Borkert
Urs Schneider präsentiert in der neuen Raiffeisenbank Altnau die Halbjahreszahlen der Thurgauer Raiffeisenbanken. Bild: Reto Martin

Urs Schneider präsentiert in der neuen Raiffeisenbank Altnau die Halbjahreszahlen der Thurgauer Raiffeisenbanken. Bild: Reto Martin

24 Jahre im Vorstand von Raiffeisen Thurgau, 12 davon als Präsident. Urs Schneider hat den Verband der Genossenschaftsbanken von Raiffeisen im Thurgau geprägt. Auf die kommende Generalversammlung 2020 hin hat der passionierte Marathonläufer seinen Rücktritt bekannt gegeben. Sein vorzeitiger Rückzug bei Raiffeisen Schweiz schmerze ihn nicht.

Sie treten als Raiffeisenpräsident Thurgau zurück. Wollen Sie mehr Zeit fürs Laufen, etwa das Training für die 100 Kilometer von Biel?

Urs Schneider: Nein, aber 24 Jahre Vorstandstätigkeit sind eine sehr lange Zeit, da ist es Zeit, Platz zu machen für neue Kräfte. Der Rücktritt kurz nach dem Jahr, in dem wir das 100-Jahr-Jubiläum des Verbandes feiern, ist zudem ein optimaler Zeitpunkt.

Was ist Ihr nächster Lauf?

Das ist der Jungfrau-Marathon am 7. September.

Sie sind 2010 als Manager des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes in Frauenfeld ausgezeichnet worden. Gibt es wieder neue Projekte?

Ich bin derzeit als stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverbandes beruflich enorm gefordert. Gleich sechs für die Landwirtschaft problematische Initiativen sind hängig. Zwei gelangen voraussichtlich im Mai 2020 zur Abstimmung. Wir setzen dazu eine Aufklärungskampagne um. Und es wird eine schwierige Abstimmungskampagne geben. Die Leitung der Kampagnen wird mich in den nächsten Monaten und Jahren voll in Anspruch nehmen.

Früher hat Sie das nicht davon abgehalten, ein Schwingfest zu organisieren.

Vielleicht organisiere ich auch wieder einmal ein Schwingfest. Ein Nordostschweizerisches würde mich noch reizen. Das aber eher erst nach der Pensionierung.

Für Raiffeisen Thurgau sind Sie lange und erfolgreich gelaufen. Was war im Rückblick Ihr absoluter Höhepunkt als Präsident?

Es gab viel Positives und viele Höhepunkte. Einer ist sicher das kontinuierliche, gesunde Wachstum. In meiner Präsidialzeit wurde die Bilanzsumme der Thurgauer Raiffeisenbanken auf fast 15 Milliarden Franken verdoppelt und die Mitgliederzahl auf 113000 erhöht. Das Schönste aber ist die Treue und Verbundenheit der Genossenschafterinnen und Genossenschafter zu ihrer Bank und die Verankerung von Raiffeisen im Thurgau.

Urs Schneider sagt, dass Raiffeisen weiter wachsen wird. Bild: Reto Martin

Urs Schneider sagt, dass Raiffeisen weiter wachsen wird. Bild: Reto Martin

Und was hätten Sie lieber nicht erleben wollen?

Auf die negativen Schlagzeilen um Raiffeisen Schweiz in der jüngeren Vergangenheit hätte ich gerne verzichtet.

Sie hatten bei Raiffeisen Schweiz ihren Rückzug als Verwaltungsrat schon vorbereitet, mussten dann aber als Folge der Affäre Vincenz den Rücktritt vorziehen. Hat das geschmerzt?

Nein, es brauchte eine Erneuerung. Zudem ist mir die gewonnene Zeit sehr willkommen, da ich wie erwähnt beruflich sehr gefordert bin. Auch hätte ich, aufgrund der Amtszeitbeschränkung, spätestens auf nächstes Jahr ohnehin zurücktreten müssen. Die Begleitumstände waren aber schon speziell.

Jetzt haben Sie nach dem 100-Jahr-Jubiläum den Zeitpunkt im Thurgau selbst wählen können. Warum gerade jetzt?

24 Jahre Vorstand, 12 davon als Präsident, reichen, und die Verbindung mit dem Jubiläum passt auch sehr gut. Zudem ist der Vorstand sehr gut besetzt, und Raiffeisen ist im Thurgau äusserst erfolgreich.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger als Ratschlag mit?

Den Genossenschaftsgedanken hochhalten und immer ein offenes Ohr für die Mitgliedsbanken haben. Deren hervorragende Arbeit ist die Grundlage für den Erfolg von Raiffeisen im Thurgau.

Raiffeisen Thurgau ist in den letzten Jahren gewachsen und gewachsen. Wollten Sie keine Stagnation verkünden müssen?

Raiffeisen wird weiter wachsen. Vielleicht nicht mehr im gleichen Ausmass wie in der Vergangenheit. Dies ist schon aufgrund der hohen Marktanteile, die wir haben, nicht mehr möglich. Wenn schon fast alle dabei sind, wird es schwieriger, neue zu gewinnen.

Trotz Digitalisierung lebt das Genossenschaftsmodell. Halten Sie dieses wirklich für zeitgemäss?

Hundertprozentig. Die Turbulenzen haben mich in dieser Meinung noch gestärkt. Dank 250 autonomen Säulen hat Raiffeisen alle Krisen, zum Beispiel die Finanzmarktkrise oder die internen Probleme bei Raiffeisen Schweiz, schadlos überstanden. Das Genossenschaftsmodell braucht aber auch Anpassungen, um für die aktuellen Herausforderungen gewappnet zu sein.

Raiffeisen Thurgau wächst und wächst

Das erste Semester 2019 ist für die Thurgauer Raiffeisenbanken positiv verlaufen. In der neuen Altnauer Raiffeisenbank gab Dominik Holderegger vom Thurgauer Raiffeisen-Verband bekannt, dass sich die Bilanzsumme von 14,3 auf 14,6 Milliarden Franken erhöht hat. Erstmals ist die Marke von 10 Milliarden Franken bei den Kundeneinlagen überschritten worden. Der Bruttogewinn ist hingegen leicht von 44 auf 42,5 Millionen Franken gesunken. Die Zahl der Genossenschafter ist um 228 auf 112892 gestiegen. (bor)

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