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Erweiterung durch Abbau

Die Post will mehr Zugangsmöglichkeiten zu ihren Diensten anbieten. Faktisch bedeutet das aber einen Abbau von bis zu 600 klassischen Postfilialen. Neue Dienstleistungen sollen den Verlust wieder wettmachen. Die Reaktionen sind gemischt.
Federico Gagliano
Die Zahl der klassischen Poststellen wird in den kommenden Jahren weiter sinken. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Basel, 18. Januar 2016))

Die Zahl der klassischen Poststellen wird in den kommenden Jahren weiter sinken. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Basel, 18. Januar 2016))

Es klingt paradox: Die Schweizerische Post will ihr Netz erweitern, plant aber gleichzeitig die Schliessung von bis zu 600 traditionellen Poststellen. 1200 Filialen sind davon betroffen. Dies gab Post-Chefin Susanne Ruoff gestern an einer Medienkonferenz bekannt. Bis 2020 sollen die heutigen Poststellen von 1400 auf 800 bis 900 reduziert werden. Die genaue Zahl hänge von den Diskussionen mit Kantonen und Gemeinden ab, die heute beginnen würden, sagte Thomas Baur, der seit Anfang September Leiter Poststellen und Verkauf ist.

Ruoff begründet die Umstrukturierung folgendermassen: «Wir entwickeln uns, weil die Schweizer Bürgerinnen und Bürger sich verändern.» Die Menschen seien mobiler geworden, ihr Verhalten digitaler. Elektronische Dienstleistungen seien rund um die Uhr gefragt, die Umsätze am Schalter würden aber seit Jahren stetig sinken. «Dieser Veränderung tragen wir Rechnung», so Ruoff. Welche Filialen genau geschlossen werden, wollte sie nicht bekanntgeben. Die Post habe zwar bereits eine Idee, welche Filialen erhalten bleiben werden, definitive Entscheide gebe es aber noch nicht, sagte Baur. Den betroffenen 1200 Mitarbeitern sollen Alternativen angeboten werden. «Es gibt keine ersatzlosen Streichungen», so Ruoff. Viele der betroffenen Mitarbeiter würden in den nächsten vier Jahren in Pension gehen. Mit den anderen werde die Post individuelle Lösungen suchen. Wie diese aussehen werden, könne man aber noch nicht sagen.

Hotel, Altersheim oder Apotheke werden zur Poststelle

Damit die Bedürfnisse der Kunden trotzdem gedeckt bleiben, arbeitet die Post an mehreren neuen Dienstleistungen. Eine davon sind Postagenturen. Dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, welche die Funktionen der Post übernehmen. Beispiele sind ein Altersheim in Lugano, eine Apotheke in Hottingen, Zürich, oder ein Hotel am Vierwaldstättersee, welches sogar 24-Stunden-Service anbietet – als erste Poststelle in der Schweiz. Bis 2020 soll die Zahl der Agenturen von 800 auf bis zu 1300 wachsen.

Auch die Zahl der Servicepunkte soll sich auf bis zu 700 verdoppeln. Als solche Punkte gelten Geldautomaten, aber auch neuere Post-24-Automaten, von denen es bereits 74 Stück in der Schweiz gibt. Sie ermöglichen die Abholung und Abgabe von Paketen rund um die Uhr. Bei Agenturen und Automaten kann man aber noch nicht bar bezahlen. Die Post verspricht aber, bald auch für dieses Problem eine Lösung zu haben. Ein ganz neues Konzept wurde gestern vorgestellt: Künftig soll man Pakete und Briefe daheim aufgeben können und mittels sogenannter Smartbuttons den Pöstler informieren. «Wir wollen näher zum Kunden», erklärte Baur. Bei diesem Wandlungsprozess sei die Kommunikation wichtig, sagte Ruoff. Die Post wolle einen besseren Dialog zu Kantonen, Gemeinden und zur Bevölkerung pflegen. Bei der Ausgestaltung des Netzes sollen neben den gesetzlichen Erreichbarkeitsvorgaben auch regionale Kriterien und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Die Postverordnung sieht vor, dass 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung innerhalb von 20 Minuten einen Zugangspunkt der Post erreichen kann. Die Post wolle mit den Kantonen sicherstellen, dass das so bleibe, sagte Ruoff.

Neben den Gesprächen mit den Kantonen wird die Post ab Januar die Bevölkerung von Gemeinden, die von Änderungen im Postnetz betroffen sind, entsprechend informieren. Neue Produkte sollen auch auf diese Weise vorgestellt werden. «Wir haben viele coole und innovative Produkte, aber niemand kennt sie», bemängelt Baur.

Empörte Gewerkschaften

Kritik zur Ankündigung der Post gab es gestern von den Gewerkschaften. Christian Capacoel, Leiter Kommunikation bei Syndicom, nannte es «den massivsten Abbau in der Geschichte der Post». Eine Anpassung an die aktuellen Bedürfnisse sei durchaus in Ordnung, die Verschiebung der Dienstleistungen in den Niedriglohnsektor hingegen nicht. Die Ideen der Post würden nicht dem bisherige Qualitätsstandard entsprechen. Der Personalverband Transfair zeigte zwar ein gewisses Verständnis für den Abbau beim stark defizitären Geschäft der Poststellen. Dieser sei langfristig nicht zu verhindern. Als «Katastrophe» bezeichnet die Gewerkschaft die Tatsache, dass sie nicht im Vorfeld über die Abbaupläne informiert worden sei. Die Stiftung für Konsumentenschutz befürchtet, dass vor allem ältere Menschen mit der Geschwindigkeit der Veränderungen nicht Schritt halten könnten.

Gelassener reagierte der Schweizerische Gemeindeverband. «Es ist positiv, dass endlich Klarheit herrscht und die Bevölkerung mit einbezogen wird», sagte Direktor Reto Lindegger. Man werde abwarten und in Einzelfällen intervenieren, falls nötig. CVP-Nationalrat Martin Candinas sagte, er sei zwar «nicht begeistert» von der Nachricht, er sehe aber ein, dass die Realität einen Wandel verlange. Für ihn stehen die Zugangspunkte im Vordergrund: «Ob Post oder Agentur, spielt keine Rolle. Qualität und Service sind entscheidend.» Er befürchtet, dass Berg- und Landregionen leiden könnten. Die Post müsse sicherstellen, dass auch diese Regionen schnellen Zugang hätten, wie es das Gesetz verlange.

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