Erster nationaler GAV im Detailhandel vereinbart

BERN. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Tankstellenshops haben als erste im Schweizer Detailhandel Aussicht auf einen national verbindlichen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Die Sozialpartner haben die Verhandlungen über einen solchen GAV erfolgreich beendet.

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BERN. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Tankstellenshops haben als erste im Schweizer Detailhandel Aussicht auf einen national verbindlichen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Die Sozialpartner haben die Verhandlungen über einen solchen GAV erfolgreich beendet. Am Tisch sassen der Verband der Tankstellenshop-Betreiber, die Gewerkschaften Unia und Syna sowie der Kaufmännische Verband.

Vor allem Frauen profitieren

Natalie Imboden von der Unia bezeichnet den neuen GAV als Meilenstein. Er regle erstmals landesweit die Arbeitsbedingungen für alle 12 000 Mitarbeitenden der 1300 Tankstellenshops. In dieser Branche seien prekäre Arbeitsbedingungen nicht selten, und der GAV komme vor allem Frauen zugute. In keiner anderen GAV-Branche sei der Frauenanteil am Personal höher. Das hat auch zu tun mit einem hohen Anteil Teilzeitstellen und der Möglichkeit, auch zu Randzeiten und am Wochenende zu arbeiten.

Kantonaler GAV in St. Gallen

Im Detailhandel gibt es bereits GAV, die aber weniger weit reichen. So sind in St. Gallen, Luzern und Freiburg die Tankstellenshops kantonalen GAV unterstellt. Auch Coop und Migros haben GAV. Diese sind aber nicht landesweit und nicht mal vollständig innerhalb der Firmengruppe gültig. Mit dem neuen Vertragswerk erhalten etwa auch die Angestellten von Migrolino und Coop Pronto einen GAV.

Der neue GAV regelt unter anderem die Arbeitszeiten und legt Mindestlöhne fest. So gilt neu für Ungelernte ein Mindestlohn von 3700 Fr. pro Monat. Mit dreijähriger Lehre gibt es mindestens 4100 Franken. Diese Ansätze sind in sechs Grenzkantonen, darunter im Thurgau, je 100 Fr. tiefer. Der GAV soll am 1. Januar 2017 in Kraft treten. Zuvor muss ihn der Bund für allgemeinverbindlich erklären. (sda/red.)