Erste «east#digital conference» in St.Gallen – Bei der Digitalisierung kann man von den Finnen lernen

Der Umgang mit der Digitalisierung in der Alltags- und Berufswelt stellt eine grosse Herausforderung dar.

Christof Lampart
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Stefan Schmid, Patrick Stämpfli, Thomas Merz, Daniela Lager und Maren Urner an der Podiumsdiskussion anlässlich der ersten «east#digital conference».

Stefan Schmid, Patrick Stämpfli, Thomas Merz, Daniela Lager und Maren Urner an der Podiumsdiskussion anlässlich der ersten «east#digital conference».

Tobias Garcia

An der ersten in St.Gallen setzten sich die Experten mit der Frage auseinander, wie die Menschheit mit ihrem «Steinzeitgehirn» erfolgreich der täglichen Informationsflut begegnen kann und wie es um die digitale Medienkompetenz der Gesellschaft bestellt ist.

Die Kölner Neurowissenschafterin Maren Urner etwa plädierte für eine nachhaltige, kritische und auf Neugier basierende Denkweise, um sich im Dschungel der heutigen Informationsflut zurechtzufinden. Um sich einen wachen Blick über den medialen und gesellschaftlichen Tellerrand hinaus zu bewahren, sei es unabdingbar, dass man in Zeiten der medialen Dauerberieselung das Wechseln der Perspektive zur persönlichen Überlebensstrategie erhebe.

Für Urner steht fest, dass bei der mehrheitlich tendenziös negativen Berichterstattung der Medien die Welt zu schlecht wegkomme. Dies führe jedoch dazu, dass die Menschen sich selbst ein zu schlechtes Bild von der Welt machten, was wiederum die eigenen Erwartungen an die Welt und in einer negativen Selbstkonditionierung münde. Der Mensch drifte somit in einen Zustand der «erlernten Hilflosigkeit» ab. Aus diesem Teufelskreis, der wiederum von den Medien befeuert werde, denn negative News verkauften sich in der Regel besser als positive, fände man nur wieder heraus, wenn man bewusst «Schluss mit dem täglichen Weltuntergang» mache und auf positive News setze. Maren Urner sagt:

Maren Urner, Neurowissenschafterin

Maren Urner, Neurowissenschafterin

Tobias Garcia
"Dazu ist es nötig, dass jeder Einzelne bei sich selbst ansetzt. Denn während das Nachdenken über Probleme Probleme schafft, schafft das Nachdenken über Lösungen Lösungen."

Gute Geschichten gut erzählt

Im Podium über «Digitale Medienkompetenz» kam schnell die Frage auf, ob sich «gute» oder «schlechte» News besser verkauften. Redaktor und Kommunikationsspezialist Patrick Stämpfli erklärte, dass er schon seit Jahren davon lebe, gute Nachrichten zu verkaufen, die gerne gelesen würden.

Der Chefredaktor des «St.Galler Tagblatt», Stefan Schmid, ist überzeugt, dass sich «gute Geschichten gut verkaufen, wenn sie gut erzählt sind». Allerdings gebe es aus seiner Sicht keine Unterscheidung zwischen positiven und negativen Nachrichten, sondern nur zwischen gut und schlecht gemachten Nachrichten.

Hinzu komme, dass für das «St.Galler Tagblatt» die Lokalität in der Berichterstattung von grosser Bedeutung sei. «Gute Geschichten funktionieren im Lokalen. Wir müssen Geschichten anbieten, welche die Leserinnen und Leser emotional berühren. Anders gesagt, Nachrichten sind dann gut, wenn sie gut gemacht sind, aus der Region kommen und eine gute Schlagzeile haben», so Schmid.

Gesellschaft für die digitale Welt sensibilisieren

Der Medienwissenschafter Thomas Merz, sprach sich, gerade auch im digitalen Zeitalter für einen bewussteren Umgang mit den Medien aus: «Mein eigenes Lebenskonzept ist es, bewusst zu leben und anderen zuzuhören. Wenn man aber immer mit einem Auge oder Ohr woanders ist, dann verträgt sich das nicht.» Dieses kritische Hinterfragen in der zunehmend digitalen Medienwelt empfand auch Maren Urner als sehr wichtig: «Wir müssen die Gesellschaft für die digitale Welt sensibilisieren, indem wir das Fach Medien und Medienkompetenz auf alle Fächer, egal ob Sport oder Naturwissenschaften, anwenden, wie es heute schon die Finnen machen, die hierbei weltweit führend sind.» So wie andere Länder vom Fahrradkonzept der Holländer lernen, könnten wir bei der Digitalisierung von den Finnen lernen.