Erneutes Sparprogramm bei Rieter

Rieter baut in Winterthur 87 Stellen in der Montage von Maschinen ab. Damit stellt das Unternehmen die Produktion in der Schweiz ein.

Ines Biedenkapp
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Am Standort von Rieter in Winterthur sollen dieses Jahr 87 Stellen eingespart werden.

Am Standort von Rieter in Winterthur sollen dieses Jahr 87 Stellen eingespart werden.

Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Winterthur, 4. Juli 2008)

Schluss mit «Swiss made»: Der Textilmaschinenhersteller Rieter hat sich entschieden, die Montage von Maschinen am Standort Winterthur einzustellen, heisst es in einer Medienmitteilung. Von dem Schritt sind 87 Mitarbeiter in der Schweiz betroffen. «Wir bedauern den Entscheid», sagt Relindis Wieser, Mediensprecherin des Unternehmens. Ab wann die Maschinen still stehen, ist noch nicht bekannt. «Das Konsultationsverfahren hat gestern erst begonnen», sagt Wieser. «Dadurch gibt es jetzt erst mal die Zeit, dass die Arbeitnehmervertretung die Beratung mit dem Unternehmen aufnimmt.»

Das Jahr 2019 war vom Handelskonflikt zwischen den USA und China geprägt. Das hat auch Rieter getroffen. Doch dies sei nicht der einzige Grund für die Streichung der Stellen: «Rieter-Kunden akzeptieren zunehmend Premiummaschinen, die nicht in der Schweiz oder Westeuropa hergestellt werden», sagt Wieser. Der Textilhandel konzentriere sich vermehrt auf die asiatischen Märkte. Zudem habe das Unternehmen bereits Standorte in China und Indien. So könnte die Montage dorthin ausgelagert werden. Damit bricht das Unternehmen mit einer Tradition. Seit dem 19. Jahrhundert stellt es Textilmaschinen in der Schweiz her.

15 Millionen sollen gespart werden

Doch auch in dem Geschäftsbereich Components an den Standorten in Deutschland, Tschechien und den Niederlanden sollen 90 Stellen gestrichen werden. Damit strebt Rieter ab 2021 eine Senkung der Kosten in Höhe von rund 15 Millionen Franken an. Ziel bleibe es, das laufende Innovationsprogramm erfolgreich umzusetzen und auf eine steigende Nachfrage schnell reagieren zu können.

Die Gewerkschaft Syna kritisiert die Massnahmen. Diese schreibt in einer Mitteilung: Es scheint klar, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China die Investitionen vor allem in Asien bremse. «Dass Rieter dies aber als ‹strukturelle Veränderung der Marktsituation› verkauft und es zum Anlass nimmt, gleich die gesamten Montagetätigkeiten am Standort Winterthur einzustellen, ist überhastet und nicht nachvollziehbar.» Rieter mache es sich zu einfach. Auch kritisiert die Gewerkschaft die Kommunikation des Unternehmens. So habe Rieter die Öffentlichkeit bereits vor Mitarbeitenden über die Massnahmen informiert. Die Gewerkschaft fordert nun vor allem nachhaltige Lösungen.

Verwaltung bleibt in der Schweiz

Syna verlangt von Rieter, dass nun alle möglichen Massnahmen geprüft werden, um einen Stellenabbau zu verhindern, heisst es in der Mitteilung weiter. Denn der industrielle Produktionsstandort Schweiz habe Zukunft. So will sich die Gewerkschaft in den Konsultationsprozess mit einbringen und den Betroffenen zur Seite stehen. Relindis Wieser dementiert die Vorwürfe: «Forschung, Entwicklung, Verwaltung und Service bleiben in der Schweiz.»

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