Erneuerbare Energie per Internet handeln

Marco Rüegg mit «Green Energy Marketplace» hat den ersten Thurgauer Jungunternehmerpreis erhalten. Die mit 10 000 Franken dotierte Auszeichnung wurde vom «Start!-Gründungszentrum» ausgelobt. Er ist am ersten «Tag der Frauenfelder Wirtschaft» verliehen worden.

Christof Lampart
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Der Preisträger: Genossenschaftspräsident Marco Rüegg von Gemp. (Bild: Christof Lampart)

Der Preisträger: Genossenschaftspräsident Marco Rüegg von Gemp. (Bild: Christof Lampart)

FRAUENFELD. Die «Green Energy Marketplace» (Gemp) ist nicht nur die erste Preisträgerin des Thurgauer Jungunternehmerpreises, sondern tatsächlich ein junges Unternehmen. Die Genossenschaft mit Sitz in Gachnang wurde erst am 15. Mai gegründet. Gestern wurde ihr am ersten Tag der Frauenfelder Wirtschaft die Auszeichnung verliehen.

Gemp setzt sich dafür ein, erneuerbare Energie zu produzieren und zu konsumieren. «Langfristig wollen wir allen Mitgliedern der Genossenschaft saubere und günstige Energie liefern können», erklärt Genossenschafts-Initiator und Präsident Marco Rüegg, der bisher einzige Angestellte.

Regional verkaufen und kaufen

Dass gerade der 38jährige Maschineningenieur mit einer Zusatzausbildung in Marketing diese Idee entwickelt hat, kommt nicht von ungefähr, denn «ich war schon immer vom Thema Energie fasziniert.» Dabei stand für ihn von Anfang an der nachhaltige Umgang mit der Energie im Vordergrund. Rüegg möchte mit seinem Engagement jedoch nicht nur dazu beitragen, dass Mensch und Umwelt besser geschützt werden und der Atomausstieg beschleunigt wird. Ebenso ist ihm daran gelegen, dass: «Leute, die erneuerbare Energien produzieren, diese auch regional verkaufen und somit eine Wertschöpfung erzielen können.»

Im Prinzip bietet Gemp eine Energie-Auktionsbörse im Internet an. Die Gemp behält vom erzielten Erlös fünf Prozent bei Genossenschaftern und zieht zehn Prozent bei anderen Anbietern ein. Wer nicht Strom verkaufen, sondern kaufen möchte, kann mit wenigen Mausklicks nicht nur zwischen Fair Power solar, Fair Power biomass, Fair Power wind und Fair Power water auswählen, sondern sogar den Produzenten, zum Beispiel einen Biobauern in Graubünden. Das schafft Transparenz. Langfristig strebt Marco Rüegg ein kräftiges Wachstum an. Geht es nach ihm, so soll bis in fünf Jahren ein Prozent aller schweizerischen Haushalte, also rund 30 000, den Strom über Gemp erwerben.

Pöstler mit Fair Power

Angebot und Nachfrage sind stark im Steigen. Dabei sind nicht nur kleine Konsumenten auf die Auktionsplattform aufmerksam geworden. «Wir haben vor kurzem mit der Post einen mehrjährigen Vertrag abgeschlossen, wonach sie nun 1300 ihrer insgesamt 2500 Motorroller mit Fair Power betreibt. Wir hoffen natürlich, dass die Post dieses Engagement auch firmenintern kommuniziert und somit auch für uns bei ihren Mitarbeitern wirbt», erklärt Rüegg. Dass das Angebot ausgebaut werden kann, hängt auch damit zusammen, dass die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes, mit welcher die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien gefördert werden soll, ausgeschöpft und limitiert ist. Derzeit sind auf der KEV-Warteliste rund 18 000 Projekte, davon die meisten Solaranlagen. «Für Leute, welche vielleicht noch einige Jahre lang auf eine KEV-Zusage warten müssen, kann unsere Auktionsplattform eine gute Lösung sein. Denn zum einen bekommen sie etwas für ihre nachhaltig erzeugte Energie bezahlt, und zum anderen wird durch den vermehrten Verbrauch an erneuerbarer Energie auch die Energiewende unterstützt», so Rüegg.

Mit welchem Stromer fahre ich?

Der Geschäftsführer des Start!-Gründungszentrum und Initiant des Jungunternehmerpreises, Christian Schöttli, gratuliert dem Gewinner. Die Gemp habe das Potenzial, sich langfristig durchzusetzen, da sie einen echten Mehrwert für Anbieter und Konsumenten biete. So sei es durchaus denkbar, dass die SBB die Gemp-Software so anwende, dass ihre Kunden am Billettautomaten entscheiden, ob sie für ihre Bahnfahrt den normalen Strommix oder aber Fair Power nutzen wollen.

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