Ermittlungen gegen CS-Kunden in Italien

ROM. Nach der Liste, die der Informatiker Hervé Falciani bei der Genfer HSBC Private Bank entwendet hatte und auf der auch 7000 italienische Kontoinhaber stehen, macht in Italien nun eine weitere Liste von mutmasslichen Steuerflüchtigen Schlagzeilen.

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ROM. Nach der Liste, die der Informatiker Hervé Falciani bei der Genfer HSBC Private Bank entwendet hatte und auf der auch 7000 italienische Kontoinhaber stehen, macht in Italien nun eine weitere Liste von mutmasslichen Steuerflüchtigen Schlagzeilen. Im Visier des auf Finanzdelikte spezialisierten Mailänder Staatsanwalts Francesco Greco ist die Credit Suisse (CS) respektive deren Tochter Credit Suisse Life & Pension in Mailand. Bei der Filiale sollen rund 1000 reiche Italiener, vorwiegend norditalienische Unternehmer, bis zu 8 Mrd. € an Schwarzgeld in Lebensversicherungen investiert haben, wie der «Corriere della Sera» schreibt.

Ein hohes Tier aus der Politik

Die Unterlagen waren bei einer Razzia der Finanzpolizei in Mailand letzten Dezember sichergestellt worden. Greco ermittelt gegen CS-Kunden und gegen Bankverantwortliche unter anderem wegen Steuerbetrugs, Geldwäscherei und Behinderung der Aufsichtsbehörden.

Zwei Monate nach der Razzia liegen laut dem «Corriere» nun erste Auswertungen vor. Demnach konnten bei 351 Kontoverbindungen die Inhaber identifiziert werden. Einer ist ein nationaler Politiker der Sozialdemokraten von Premier Renzi. Die Schwarzgeldsumme, die von den bisher eruierten Kontoinhabern mit den CS-Lebensversicherungen am italienischen Fiskus vorbeigeschleust worden ist, beträgt laut der Zeitung etwa 1 Mrd. €.

Versicherung nur zum Schein

Bei den Finanzprodukten handelt es sich um Versicherungsmäntel (Wrapper), bei denen der Kunde mitbestimmen kann, wie seine Prämien angelegt werden. Diese Instrumente hätten nur zum Schein Versicherungscharakter und dienten einzig und allein dem Zweck der Steuerhinterziehung, zitiert der «Corriere» den Direktor des Mailänder Steueramts, Aldo Polito. Der illegale Charakter lasse sich auch daran ablesen, dass einige CS-Kunden offensichtlich eilig noch versucht hatten, ihre Policen im Rahmen des laufenden Selbstanzeige-Programms zu legalisieren. Dafür dürfte es zu spät sein, da die Ermittlungen schon im Gang sind. (str)

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