Erholung in den USA gewinnt an Kraft

Die amerikanische Wirtschaft zeigt Zeichen einer Genesung. Das hat Barack Obama bei seiner Wiederwahl geholfen. Nun will sich der Präsident dafür einsetzen, dass es weiter aufwärts geht. Dabei steht nicht nur die Fiskalklippe im Weg.

John Dyer
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BOSTON. «Die Weichen für eine wesentlich stärkere Erholung sind gestellt», sagt Mark Zandi. Der Ökonom bei Moody's Analytics erwartet, dass das US-Bruttoinlandprodukt 2014 und 2015 um je 4% steigt. Aktuell wächst die Wirtschaft mit einer Jahresrate von 2%.

Der Reformstau der US-Politik und mögliche unvorhersehbare Entwicklungen könnten diesen Aufwärtstrend allerdings jäh stoppen. Insbesondere, falls es Obama und dem Kongress misslingt, die Fiskalklippe aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zu vermeiden. In diesem Fall könnte den USA eine Rezession drohen.

Private Verschuldung gesunken

In seiner Siegesrede äusserte Obama die Hoffnung, dass keine politischen Ränkespiele der Erholung im Weg stehen. Mit dem Wahlsieg im Rücken kann er nun befreiter auftreten, trotz einer Arbeitslosenquote von noch immer 7,9%. Er steht aber auch unter gewaltigem Druck, weil er das jährliche Defizit von 1100 Mrd. $ abbauen muss. Dabei haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Kongress nicht zugunsten Obamas verschoben. Wie in den vergangenen zwei Jahren dominieren die oppositionellen Republikaner das Repräsentantenhaus, während Obamas Demokraten eine Mehrheit im Senat haben. «Es bleibt eine grosse Herausforderung, mit der Situation im Kongress umzugehen», sagt Ökonom Harm Bandholz von Credit Suisse: «Das Wahlergebnis macht es nicht leichter.»

Die Verschuldung der Privathaushalte könnte letztlich zur Antriebsfeder der US-Wirtschaft werden. Kurz vor Beginn der Krise 2007 gaben Amerikaner 14% ihres versteuerten Einkommens für das Abbezahlen von Haus, Auto und Kreditkartenschulden aus. Heute sind es nur noch 10,7% – der tiefste Wert seit 1993, sagt Ökonom Alan Levenson von T. Rowe Price: «Das sind immerhin 3,3 Prozent mehr, die nun nicht mehr dafür benutzt werden, Dinge zu bezahlen, die bereits gekauft wurden. Man kann dieses Geld also jetzt ausgeben.»

«Welt ohne Wachstumsmotor»

Hinzu kommt, dass die grösste Anlage der Amerikaner, ihre Häuser, wieder wertvoller wird. Auch haben die Banken 300 Mrd. $ zusätzlich in den Bilanzen. Das führt bei einigen Banken wieder zu einer lockereren Kreditpolitik. Einige Experten sehen denn auch das Hauptproblem im Ausland. «Wir leben in einer globalisierten Wirtschaft, die grad ohne Wachstumsmotor ist», sagt Ökonom Adolfo Laurenti von Mesirow Financial: «Dieses Problem kann auch Obama nicht einfach so lösen.»

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