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Herisauer Technologiekonzern Huber+Suhner kontert die Pandemie mit höheren Ausgaben für Forschung und Investitionen

Nach einem schlechten ersten Semester 2020 und einer Aufholjagd im zweiten hat Huber+Suhner den Schaden im Gesamtjahr in Grenzen gehalten. Der Konzern spricht von einem guten Start ins 2021 und nimmt viel Geld in die Hand mit Blick auf die Zukunft.

Thomas Griesser Kym
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Produktion bei Huber+Suhner in Herisau, wo sich einer der beiden Hauptsitze des Konzerns befindet.

Produktion bei Huber+Suhner in Herisau, wo sich einer der beiden Hauptsitze des Konzerns befindet.

Bild: Ralph Ribi

Am Schluss hat es doch noch gereicht: Wie im Januar 2021 angekündigt, hat der Technologiekonzern Huber+Suhner im Jahr davor die operative Marge noch ins Zielband von 8 bis 10 Prozent des Umsatzes gehievt, konkret auf 8,3 Prozent, was Konzernchef Urs Ryffel den Umständen entsprechend als «solide» beurteilt. Es ist zwar weniger als 2019 (9,7 Prozent), aber eine deutliche Verbesserung gegenüber dem ersten Semester (6,7 Prozent).

In diesem war der Hersteller von Kabeln, Steckern und Antennen für die elektrische und optische Verbindungstechnik massiv gebremst worden, vor allem, weil wegen der Pandemie der Ausbau der Mobilfunknetze erlahmte und sich die Inbetriebsetzung neuen Rollmaterials auf der Schiene verzögerte, was wiederum die Vergabe von Aufträgen bremste.

Verhaltene Zuversicht für 2021

Im zweiten Semester hat sich die Situation in diesen Märkten entspannt. Zudem hat sich das Geschäft mit Rechenzentren belebt, Huber+Suhner profitierte im Markt für Zugangsnetze von der Akquisition der deutschen BKtel Ende 2019 und machte gute Geschäfte mit Herstellern von Elektrofahrzeugen. Hier spricht Ryffel auch von Erfolgen mit Schnellladekabeln.

Huber+Suhner ist geschrumpft

in Millionen Franken
2019 2020 Veränd. in %
Auftragseingang 801 748 –6,6
Umsatz 831 738 –11,2
Betriebsergebnis 81 61 –24
Konzerngewinn 63 52 –16,7
Mitarbeiter 4823 4410 –8,6

Insgesamt schloss das Jahr 2020 mit Rückgängen des Auftragseingangs, des Umsatzes und der Ergebnisse ab (siehe Tabelle). Für 2021 rechnet Huber+Suhner nach einem als gut beschriebenen Start mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und einer operativen Marge erneut innerhalb des Zielbands von 8 bis 10 Prozent.

Erholung zwischen zügig und schleppend

Allerdings dürften sich die Geschäfte weiterhin uneinheitlich entwickeln. So rechnet das Unternehmen in einigen Teilmärkten mit einer zügigen Erholung, während dies in anderen schrittweise über mehrere Jahre erfolgen dürfte. Als zukunftsträchtige Geschäftsfelder für seine Produkte nennt der Konzern Elektromobilität sowie Sicherheit und Kommunikation, wodurch die Datenmengen weiterhin stark wachsen dürften. Dafür und für den neuen Mobilfunkstandard 5G sieht sich Huber+Suhner laut Ryffel gut gerüstet.

Huber+Suhner-Chef Urs Ryffel.

Huber+Suhner-Chef Urs Ryffel.

Bild: Ennio Leanza/Keystone

Der Generalversammlung, die lediglich virtuell stattfinden wird, schlägt der Verwaltungsrat eine Dividende von 1.30 Franken nach 1.60 Franken im Vorjahr vor. Huber+Suhner weist darauf hin, man habe trotz vorübergehender pandemiebedingter Standortschliessungen und Transportbeschränkungen sowohl die Beschaffung als auch die Lieferverpflichtungen gegenüber den Kunden erfüllen können. Dies, weil das weltweite Produktions- und Lieferantennetzwerk funktioniert habe.

Höhere Forschungsausgaben, weniger Mitarbeitende

Um sich fit zu halten, hat Huber+Suhner 2020 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung signifikant um 13 Prozent auf 47,5 Millionen Franken erhöht. Die Investitionen wurden mit 38 Millionen Franken stabil gehalten. Für 2021 stellt Finanzchef Ivo Wechsler allerdings eine Aufstockung auf 50 bis 60 Millionen Franken in Aussicht.

Grösster Brocken dabei ist der laufende Bau eines neuen Gebäudes im Pfäffiker Industriequartier Witzberg. Dort will Huber+Suhner, wie 2018 angekündigt und aufgegleist, die Kabelproduktion konzentrieren und erweitern. Markant investiert wird zudem ins Geschäft mit Hochfrequenzantennen. Konzernchef Ryffel ergänzt:

«Wie werden in Schlüsselgebieten unseres Geschäfts weiter investieren.»

Reduziert hat das Unternehmen dagegen die Zahl der festangestellten Mitarbeitenden. Diese nahm innert Jahresfrist um 8,6 Prozent auf weltweit 4410 ab. In der Schweiz an den beiden Standorten Herisau und Pfäffikon ZH betrug der Rückgang 2,5 Prozent auf 1225, wobei der Grossteil des Abbaus über natürliche Fluktuation, Frühpensionierungen usw. vollzogen werde. Dieser Prozess sei noch nicht ganz abgeschlossen. In Brasilien hat Huber+Suhner die Produktionsstätte geschlossen.

«Sehr fähige» Cyberkriminelle

Kaum ein Wort verliert der Konzern mehr über den Hackerangriff von Mitte Dezember 2020. Dieser hatte Huber+Suhner gezwungen, die IT-Systeme und die Produktion weltweit herunterzufahren, und die Behebung des Schadens beanspruchte mehrere Arbeitstage. Ryffel spricht von einer «Kombination sehr unglücklicher Umstände», und bei den Angreifern habe es sich um «sehr fähige Leute» gehandelt, die es verstanden hätten, diese Umstände auszunutzen.

Huber+Suhner arbeitet laut Ryffel daran, dass eine Cyberattacke in dieser Art nicht mehr vorkommen könne. Zudem sei man in Diskussion mit den Versicherungen zwecks Regelung des finanziellen Schadens.